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Reise Weil nimmt Bombendrohung gelassen

Marco Hadem

Posen/Warschau - Eine anonyme Bombendrohung hat die Polenreise von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gleich zum Auftakt durcheinandergewirbelt. Das für den Donnerstagvormittag geplante Treffen mit dem Verwaltungschef (Marschall) der Provinz Großpolen, Marek Wozniak, in dessen Amtssitz in Posen musste wegen der Drohung kurzfristig in die Technische Universität verlegt werden.

„Die ursprüngliche Information, es handele sich um eine durch das Innenministerium veranlasste Übung, hat sich nicht bestätigt“, sagte Wozniak der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr sei es so, dass es am Vormittag in mehreren Städten im Land zeitgleich Bombendrohungen gegeben habe. Wegen der geltenden Sicherheitsbestimmungen habe die Polizei die betroffenen Gebäude evakuieren oder zumindest gründlich untersuchen müssen. Von wem die Drohungen stammten, könne er noch nicht sagen, betonte er. Bomben seien noch keine entdeckt worden.

Weil, der bei der Reise in seiner Rolle als amtierender Bundesratspräsident unterwegs ist, reagierte gelassen auf die Bombendrohung: „Ich hoffe nicht, dass ich der Grund bin“, sagte er vor Journalisten. Wozniak und Weil machten spontan das Beste aus der Terminplanänderung. Bei schönstem Sonnenschein schlenderten sie – begleitet von Polizei und Sicherheitskräften – durch die idyllische Altstadt von Posen.

Besonderes Verhältnis

Abseits des unplanmäßigen Trubels bemühte sich Weil bei seinen Terminen, das „besondere Verhältnis zwischen Polen und Deutschen“ hervorzuheben. 2014 sei ein Jahr der historischen Jubiläen, betonte er. Vor 75 Jahren habe Deutschland noch mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg begonnen, vor 25 Jahren hätten auch die Menschen in Polen mit ihrem Handeln eine große Bedeutung für den eingeleiteten politischen Wandel gehabt. Es sei daher wunderbar, dass es heute zwischen beiden Länder eine so normale Beziehung gebe.

Beispiele für die gute Beziehung zwischen Polen und Deutschland – respektive Niedersachsen – gebe es überall: Angefangen von der Wirtschaft – mit Investitionen des Autobauers Volkswagen in die polnischen Standorte – über die Wissenschaft, wo es zahlreiche Kooperationen von Hochschulen gebe, bis hin zu Kultur, Sport und Kommunen mit ihren Partnerschaften. Dies kenne er noch aus seiner Zeit als Oberbürgermeister von Hannover. Die Landeshauptstadt ist seit 1979 freundschaftlich mit Posen verbunden, das Land Niedersachsen verbindet seit 21 Jahren eine Freundschaft mit der Region Großpolen.


Programm fortgesetzt

Ungeachtet der Bombendrohung wollte Weil am Nachmittag sein Programm fortsetzen. Mit der Sondermaschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr sollte es in die Hauptstadt Warschau gehen, wo er am Abend mit Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski verabredet war.

Ansonsten wird – wie bei allen anderen Terminen – auch das anstehende Viertelfinale bei der Fußball-WM in Brasilien für genügend Gesprächsstoff sorgen. Dank Miroslav Klose, deutscher Nationalstürmer mit polnischen Wurzeln, fiebern die Polen mit und drücken den Deutschen gegen Frankreich die Daumen. Auch so zeige sich Freundschaft, lobte die deutsche Delegation.

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