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Zeitungszusteller Bei jedem Wetter frühmorgens unterwegs

Wildeshausen - Während die meisten noch schlafen, ist Jens Fischer aus Wildeshausen schon in der Kreisstadt unterwegs. Der 65-Jährige ist Zusteller der Nordwest-Zeitung. Um 3.30 Uhr beginnt er seine Tour – und das seit 20 Jahren, sechs Tage in der Woche und bei „fast“ jedem Wetter. Nur wenn die Wetterverhältnisse zu gefährlich sind, fährt er nicht, beispielsweise bei 1,5 Meter Schnee oder zehn Zentimeter Glatteis, sagt er schmunzelnd. Zweieinhalb Stunden braucht er, bis die rund 180 Zeitungen in seinen drei Bezirken verteilt sind. Wenn schlechtes Wetter abzusehen ist, startet Fischer seine Tour früher. Denn wenn es die Wetterverhältnisse eben zulassen, sollen die Zeitungen bis 6 Uhr alle verteilt sein.

Auf Veränderung achten

Doch bevor es losgeht, müssen die bereit gelegten Zeitungsstapel ausgepackt werden – der Packzettel ist besonders zu beachten: „Ich muss immer gucken, ob es Veränderungen gibt“, erklärt Fischer. So kann es gerade in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester vorkommen, dass die Zeitungslieferung an Leser, die im Urlaub sind, unterbrochen wird. Doch an diesem Tag gibt es keine Veränderungen.

Gekonnt stapelt Fischer die Zeitungen für die erste Route in seinen Kasten auf dem Gepäckträger – 60 Stück sind es. „Gut, dass es aufgehört hat zu regnen“, sagt er, denn dann hätten die Zeitungen etwas umständlicher verpackt werden müssen, damit sie vor der Nässe geschützt sind.

Die Logistik, welche Bezirke und Häuser zuerst und wie angefahren werden, hat Fischer selbst erarbeitet. Nun kann es losgehen. Ausgerüstet mit orangefarbenen Regensachen und gelber Warnweste steigt Fischer auf sein Rad. Und auch ich bin mit gelber Warnweste ausgestattet, da ich ihn begleiten werde. Gerade in der dunklen Jahreszeit sei es wichtig, reflektierende Kleidung zu tragen, damit man auch von anderen Verkehrsteilnehmern erkannt werde, erklärt Fischer.

Die Straßen sind auf der ersten Tour noch überwiegend leer. Nur selten fährt ein Auto oder ein anderes Fahrrad an uns vorbei.


Gezielt steuert Fischer die erste Zeitungsbox an, die an einem Zaun am Bürgersteig angebracht ist. Schnell ist die Zeitung verstaut. Wer alles eine Zeitung bekommt, weiß Fischer. „Das muss ich ja wissen, das ist mein Job“, sagt er. Der 65-Jährige hat auch schon Erfahrung. „In Wildeshausen bin ich schon ziemlich alle Bezirke gefahren“, erklärt Fischer. Wenn er einen Kollegen oder eine Kollegin auf deren Routen in Wildeshausen vertreten muss, braucht er ein paar Tage, bis er die Strecken und insbesondere Häuser wieder auswendig weiß. In der Zwischenzeit hilft ein Zettel mit Namen und Adressen.

Mittlerweile sind wir am nächsten Haus angekommen. Hier wird es etwas aufwendiger als bei der Zeitungsbox am Bürgersteig, denn der Briefkasten ist am Haus angebracht, und um dort hinzugelangen, geht es eine Auffahrt hinauf. Noch halb auf dem Rad kann Fischer die Zeitung jedoch durch den Briefkastenschlitz schieben. So kann auch Zeitung Nummer zwei schnell zugestellt werden.

Schwierige Zufahrten

Auf der weiteren Strecke geht es auch häufig in kleine Sackgassen hinein und Fischer erzählt mit einem Augenzwinkern ein Zusteller-Geheimnis: „In Stichwegen ist es immer das letzte Haus.“

Nicht immer ist die Anfahrt zu den Briefkästen und Zeitungsboxen einfach. Mal müssen Autos umfahren werden und ein anderes Mal muss Fischer von seinem Rad absteigen, um zum Briefkasten zu gelangen. Und gerade in der dunklen Jahreszeit ist es nicht leicht zu erkennen, ob sich etwas im Weg befindet, denn nicht alle Wege und Auffahrten sind ausgeleuchtet. So reagieren manche Bewegungsmelder erst, wenn Fischer schon wieder auf dem Rückweg ist. Da wäre es schöner, wenn diese schon früher angehen würden.

Schwieriger wird es, wenn Schnee liegt. Denn dann können manche Dekorationen oder auch Blumentöpfe vor den Häusern zur Stolperfalle für Zusteller werden, wenn diese mit einer weißen Schicht bedeckt sind.

„Ich kann den Leuten natürlich keine Vorschriften machen“, sagt Fischer. Sie schmückten ihre Häuser nunmal gerne, während er den Bereich als seinen Arbeitsplatz sieht. Aber schön wäre es schon, wenn die Zugangswege zur Zeitungsbox freigeräumt wären, besonders wenn Schnee liegt oder es glatt ist. Und wenn die Häuser und Hausnummern beleuchtet wären.

Nach gut einer Stunde kommen wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour an, dem Zustellerbüro in Wildeshausen. Während einer kurzen Stärkung bei Kaffee und einer kleinen Tafel Schokolade erzählt Fischer, was das Schöne ist, so früh am Morgen unterwegs zu sein. Der Sonnenaufgang beeindrucke ihn immer wieder. Besonders im Frühjahr und Sommer seien die wechselnden Lichtverhältnisse wunderbar anzusehen. Zudem bekommt er von den Lesern immer wieder kleine Aufmerksamkeiten. So hat ihn vor einigen Jahren ein Mann am Silvestermorgen mit einem Glas Grog vor der Tür erwartet. Und kurz vor Weihnachten liegt auch mal ein Geschenk für den Zusteller in den Briefkästen oder der Zeitungsbox – sehr zur Freude des 65-Jährigen.

Dann geht es für Fischer weiter. Zwei Bezirke warten noch auf ihre Zeitungen. Bis spätestens sechs Uhr sollen die Wildeshauser ihre Zeitung haben, damit diese beim Frühstück die neusten Nachrichten und Reportagen aus Wildeshausen, dem Oldenburger Land und der ganzen Welt lesen können. Das ist Fischer wichtig.

Renke Hemken-Wulf
Renke Hemken-Wulf Redaktion Münsterland
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