Kayhauserfeld - Erst der coronabedingte Verkaufsstopp, dann der coronabedingte Ansturm auf die Gartenmärkte und nun der Ukraine-Krieg: Die Baumschulen haben drei bewegte Jahre hinter sich, das wurde bei der Wintertagung des Landesverbandes Weser-Ems im Bund deutscher Baumschulen (BdB) deutlich.
Und auch in der kommenden Saison dürfte vorerst keine Ruhe einkehren. Die Bestellungen seien etwas verhaltener als sonst, sagte der scheidende Vorsitzende des Landesverbandes, Renke zur Mühlen, in Kayhauserfeld (Ammerland). Aber: „Man kann mit vorsichtigem Optimismus an ein gutes Frühjahr glauben, wenn sich die wirtschaftliche Lage nicht grundsätzlich ändert.“ Und auch das Wetter muss mitspielen, denn „die Erfahrung zeigt: Wetter schlägt Konjunktur“.
Folgen der Pandemie
Besonders prägend war seit der letzten Wintertagung im Jahr 2019 aber etwas ganz anderes gewesen: Die Corona-Pandemie. Zunächst habe sich eine katastrophale Entwicklung für die ganze Gartenbranche angebahnt, sagte zur Mühlen. Alle Verkaufsstellen für Zierpflanzen und Gehölze mussten schließen. Dann folgte – auch auf Druck der Verbände – die Kehrtwende und der Gartenbaubereich wurde als systemrelevant eingestuft. „Wer hätte gedacht, dass unsere Pflanzen einmal so geadelt würden“, so der Vorsitzende. Da die Menschen obendrein mehr Zeit und Geld in ihre eigenen Gärten steckten, sei der Absatz in den Jahren 2020 und 2021 sehr gut gewesen. In den Betrieben habe die gleiche Arbeit aber wegen Krankheitsfällen, Quarantäne und der vorsorglichen Abgrenzung von Arbeitsgruppen mit weniger Personal erledigt werden müssen. Nach wie vor gebe es durch Lockdowns große Lieferengpässe und ein Rückgang der weltweiten Frachtkapazitäten.
Folgen des Krieges
Nachdem der Versand in diesem Frühjahr wieder gut angelaufen sei, folgte mit dem russischen Angriff auf die Ukraine die Ernüchterung. Die Baumschulen spürten, dass die Verbraucher ihr Geld mehr zusammenhalten. Sie wurden aber auch vom Handelsembargo gegen Russland getroffen. Zur Mühlen sprach von „großen Umsatzverlusten“, weil der russische Absatzmarkt weggebrochen war. Das werde noch dadurch verstärkt, dass sich speziell für den osteuropäischen Markt gezogene Pflanzen wie etwa Blautannen nur bedingt in Westeuropa verkaufen lassen.
Der Ausblick
Auch im trockenen und zum Teil sehr heißen Sommer seien die Umsatzzahlen weiter im Keller geblieben, sagte zur Mühlen. In der Kombination damit, dass viele Menschen wieder in den Urlaub gefahren seien, habe das zu einem enttäuschenden Absatz der Sommerartikel geführt. Erst zum Herbst habe der Verkauf wieder angezogen und sei gerade noch befriedigend, aber immerhin besser als erwartet gewesen. Im Garten- und Landschaftsbau seien die Auftragsbücher wegen der Wünsche privater Gartenbesitzer hingegen immer noch gut gefüllt. Der Trend habe aber an Dynamik verloren, sagte zur Mühlen. Stabil entwickle sich unterdessen der Markt für Straßenbäume, Hecken und Solitärbäume. Bei öffentlichen Bauvorhaben und in den Gärten gebe es da noch viel Nachholbedarf.
Ein großes Thema bleibt für die Baumschulen im Nordwesten die Suche nach Fachkräften. Um wieder mehr Auszubildende zu bekommen, schlägt der Landesverband seit Ende 2021 eine höhere Ausbildungsvergütung vor. „Wir haben den Eindruck, dass es schon etwas bewirkt hat“, sagte zur Mühlen.
