WITTMUND - Ein Neonazi steuert von Carolinensiel aus den sogenannten „JVA-Report“, eine bundesweite Schrift, die im Internet und in Papierform rechte Propaganda verbreitet. Wie die Polizei Wittmund und die Staatsanwaltschaft Aurich bestätigen, wird gegen Stefan Richardt, der unter einer Wittmunder Postfach-Adresse firmiert, inzwischen wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Stefan Richardt stammt eigentlich aus Brandenburg, hat seinen ersten Wohnsitz aber seit ein paar Jahren in Carolinensiel. Er ist in der Region kein Unbekannter und gehört seit längerer Zeit zur Neonazi-Szene in Wittmund-Friesland-Wilhelmshaven. Bei den Landtagswahlen in diesem Jahr holte er für die NPD im Wahlkreis 70 (Friesland) rund 600 Stimmen. Richardt trat hier erstmals öffentlich in Erscheinung, agiert ansonsten unter anderem aber lieber für den „JVA-Report“, eine Hilfsorganisation für inhaftierte Neonazis. Er gilt als Initiator des „JVA-Reports“, dessen Wittmunder Postfach bereits in anderen Zusammenhängen mit bundesweiten Aktivitäten von Neonazis verwendet wurde.

Richardt zählt überdies zum Umfeld der rechtsextremen Kameradschaft „AG Wiking“. Schon im März dieses Jahres ist Anzeige gegen die Macher des „JVA-Reports“ bei den Staatsanwaltschaften Aurich und Potsdam erstattet worden, „aus dem politischen Berliner Raum“, heißt es. Die Polizeiinspektion Aurich-Wittmund ermittelt wegen einer „politisch motivierten Straftat“ unter anderem wegen des Verwendens „von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Auf den Seiten des „JVA Reports“ sind unter anderem verbotene Runen und andere Zeichen zu sehen. Das Cover der 10. Ausgabe zeigt zudem einen SA-Angehörigen mit einer Hakenkreuzarmbinde.

Im „JVA-Report“ kommen auch neonazistische Gewaltstraftäter zu Wort: Martin Wiese zum Beispiel, der 2003 das neue Jüdische Kulturzentrum in München in die Luft sprengen wollte. Daneben wirbt der Report um Spenden für Kay Diesner, der 1997 in Berlin-Marzahn mit einem großkalibrigen Gewehr auf den Buchhändler Klaus Baltruschat ein blutiges Attentat verübte, das vermutlich Gregor Gysi gelten sollte.