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Peru Abenteuer mit wenig Komfort

Georg Ismar

Tacna - Die Polizistin blickt etwas erstaunt, als vor dem Flughafengebäude in Tacna in Peru ein Rennrad zusammengebaut wird. Radfahren auf der Panamericana ist nicht gerade Volkssport in Peru. Die Gepäcktasche mit vier Kilo Gewicht ist an der Sattelstange montiert. Links raus beim Flughafen, der einer Garage gleicht, geht es direkt auf die legendäre Panamericana.

Zweifel beim Frühstück

Die Route: vom Pazifik hoch in die Anden. Zum Einrollen stehen 31 Kilometer bis zur Grenze mit Chile an. Es geht durch wüstenartige Mondlandschaften. An der Grenze muss das Rennrad erst einmal desinfiziert werden – wegen einer angeblichen Tierseuche in Peru. Noch 25 Kilometer weiter, dann riecht man den Pazifik, die Hafenstadt Arica ist erreicht. Am nächsten Morgen beim Frühstück Zweifel beim Studium der kommenden Auffahrt.

Von der Meereshöhe, null Meter, hoch auf 4700 Meter in einer Steigung – es gibt weltweit kaum vergleichbare Passstraßen, so hoch, so lang. Zunächst steigt die Straße durch das grüne Lluta-Flusstal mäßig an, nach 50 Kilometern noch zwei Empanadas und ein frischgepresster Orangensaft. Danach kommt fast 70 Kilometer nichts mehr. Trucker hupen anfeuernd, sie bringen Fracht von Chile hoch ins bolivianische La Paz. Die gut asphaltierte Straße steigt immer weiter an. Vorbei an Steinwüsten, surrealer Landschaft. Bald sind die Wasservorräte aufgebraucht, der Durst wird zum Problem.

Es geht noch zehn Kilometer bergauf, dann erscheint als erstes Gebäude nach sehr langer Zeit eine Kali-Fabrik. Erstaunte Blicke beim Wachpersonal. Zum Glück gibt es einen Wasserspender. Es geht weiter, stetig bergauf. Die Schatten, die das Rad wirft, werden länger, es dämmert. Bei einem Bergsee verspricht ein Schild „jugos naturales“, natürliche Säfte. Das Wasser ist schon wieder aufgebraucht, der Tacho zeigt nun bereits 2700 Meter Höhe an. In der Hütte wohnt ein Kauz, der nur Koka-Tee hat – gut gegen die Höhe.

Wie eine Verheißung erscheint nach weiteren 15 Kilometern eine Ansiedlung mit drei Bruchbuden und einer Truckerkneipe: Zapahuira. Für vier Euro gibt es ein Bett, aber keine Dusche.

Weiße Berge

Draußen bellen die Hunde, die Nacht ist klar, es gibt viele Sterne zu bestaunen. 115 Kilometer stehen auf dem Tacho, 3400 Höhenmeter, ein deprimierender Schnitt von knapp 15 km/h.

Am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein. Nach ein paar Stunden wieder das Wasserproblem. Das Militär hilft bei einem Posten mit dem Wasserspender aus. Es geht hinein in den Lauca-Nationapark. Die weißen Andenberge werden sichtbar, es geht an Seen vorbei, in denen sich rosafarbene Flamingos tummeln. Gegen 16 Uhr ist die chilenische Seite der Grenze am Lago Chungará erreicht, eingerahmt von schneebedeckten Vulkanen. Kondore kreisen, Alpakas grasen. Im Salpeterkrieg (1879–1883) hat Bolivien den Meerzugang an Chile verloren, man ist sich bis heute nicht grün, daher geht es nun durch eine entmilitarisierte Zone.

Die Passhöhe mit knapp 4700 Metern ist die Grenze. „Willkommen im plurinationalen Staat Bolivien.“ Kurzes Foto mit Rennrad, nun geht es noch ein paar Kilometer runter bis Tambo Quemado. Insgesamt sind es am Ende knapp 220 Kilometer.

Anreise: Flug zum Beispiel von Frankfurt am Main nach Lima ab 750 Euro plus 50 bis 100 Euro pro Strecke für den Radtransport. Danach Flug von Lima nach Tacna, circa 200 Euro, Radtransport zum Teil inklusive. Am besten am Flughafen abklären.

Unterkunft: Übernachtung in Arica kein Problem, bei Passauffahrt gibt es eine sehr einfache Unterkunft in Zapahuira, sonst kann man nur 32 Kilometer weiter in Putre übernachten, von Reisenden empfohlen wird die „Terrace Lodge“. Im ersten bolivianischen Ort nach der Passhöhe nur eine sehr einfache Unterkunft, sonst gleich weiter per Bus nach La Paz in drei Stunden.

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