AL-GOUNA/TABA - Der Ort wurde vom Milliadär Samih Sawiris am Reißbrett entworfen. Wer Ursprünglichkeit sucht, ist dort allerdings falsch.
Von Anne-Beatrice
Clasmann
AL-GOUNA/TABA - Es liegt kein Müll herum, kein Bettler zupft den Urlauber am Ärmel, und künstliche Lagunen sorgen für reichlich Platz am Strand. Das Feriendorf Al-Gouna am Roten Meer gilt als Vorzeigeprojekt des Tourismus in Ägypten. Vor allem deutsche und britische Touristen zieht es jährlich in großer Zahl nach Al-Gouna, das von dem Milliardär Samih Sawiris am Reißbrett geplant wurde.„Disneyland mit Einsprengseln von Saint Tropez und Venedig“, schimpfen Kritiker. „Geschmackvoller Perfektionismus“, loben zufriedene Urlauber und Immobilienbesitzer, die in Al-Gouna Ferienhäuser erworben haben.
„In Al-Gouna funktioniert alles so perfekt, manchmal vergisst man dabei, dass man in Ägypten ist – das hat gute sowie schlechte Seiten“, erklärt eine Deutsche, die lange in Kairo lebte und Al-Gouna manchmal als „Akklimatisierungs-Schleuse“ vor einer Reise nach Deutschland benutzt hat. Die vor 14 Jahren in einer Mischung aus traditionellem nubischem Stil und moderner Architektur erbaute, intensiv begrünte Kleinstadt mit Yachthafen, Golfplatz und Spezialitäten-Restaurants ist ein Gegenentwurf zu der benachbarten lauten Tourismusmetropole Hurghada, wo sich zwischen Meer und Wüste ein Hotel an das nächste reiht.
Die pastellfarbenen Gebäude von Al-Gouna mit ihrer verwinkelten Architektur, den Wasserspielen und kleinen Kuppeln haben inzwischen viele Hotelketten am Roten Meer in Ägypten kopiert. Doch auch die Sawiris-Firma Orascom Hotels & Development selbst vervielfältigt mittlerweile eifrig ihr eigenes Erfolgsmodell.
So wirkt die Luxus-Feriensiedlung Taba Heights auf der Sinai-Halbinsel wie eine kleinere Ausgabe von Al-Gouna.
Spitzgiebelige kleine Dächer erinnern hier im „Grand Hyatt Hotel“ an die Taubentürme, die man in Ägypten überall auf dem Land sieht, doch sonst ist hier – sieht man einmal vom obligatorischen Bohnenpüree beim Frühstücksbüfett ab – nicht allzu viel ägyptisches Flair zu spüren. Die verschiedenen Hotels werden zwar von unterschiedlichen Firmen gemanagt – von Steigenberger über Hyatt, Marriott und Sofitel bis zu Intercontinental. Trotzdem sorgt der Gründer Sawiris dafür, dass alles wirkt wie aus einem Guss.
Wer Ursprünglichkeit sucht, ist in den Feriendörfern nach dem Al-Gouna-Prinzip an der falschen Adresse. So hört man zum Beispiel in Taba Heights nicht einmal den Muezzin zum Gebet rufen. Und auch die häufig etwas angeschmuddelten typischen Teehäuser sucht man in den Sawiris-Anlagen vergebens. Dafür sorgt Orascom aber dafür, dass nichts dem Zufall überlassen bleibt. Der Service ist deutlich besser als in den meisten ägyptischen Hotels der oberen Preisklasse.
Halbpension-Gäste, denen es zu langweilig ist, jeden Abend in dem gleichen Hotel zu Abend zu essen, können mit einem Coupon-System in allen Hotels des Ferienortes speisen. Sogar den Wein, den die Gäste in der Minibar finden, produziert der Sawiris-Clan selbst.
Auch der kleine Hafen der von Sawiris in Jordanien gebauten Feriensiedlung Tala Bay am Roten Meer trägt eindeutig die Handschrift des Ägypters. Weitere Projekte im Oman, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf Mauritius sind noch in der Pipeline.
Außerdem ist Sawiris einer der wenigen Investoren, die ein in der arabischen Welt entwickeltes Konzept nach Europa exportieren. Getreu dem Motto „Nicht kleckern, klotzen“ hat der ägyptische Business-Tycoon Pläne für ein Luxus-Feriendorf im Schweizer Kanton Uri vorgelegt, durch das sich die Siedlungsfläche des Dorfes Andermatt fast verdoppeln würde. Auch hier soll der Orascom-typische Mix aus Hotels, Apartments, Ferienhäusern und Freizeitanlagen entstehen. Die lokalen Behörden hoffen auf 2000 neue Arbeitsplätze, während Umweltverbände noch Bedenken anmelden.
Infos: Ägyptisches Fremdenverkehrsamt, 069/25 21 53
