Stuttgart/Rom - Touristen müssen sich um Vatikan-Reisen, die für die Zeit nach dem Papst-Rücktritt geplant waren, keine Sorgen machen. Die Trips finden trotz der Amtsaufgabe von Papst Benedikt XVI. statt. „Man muss schauen: Was ist dann möglich, was nicht?“, sagt Georg Röwekamp, Geschäftsführer von Biblische Reisen in Stuttgart, mit Blick aufs Reiseprogramm.
Höchstens einen Monat dürfte die Phase der Sedisvakanz dauern, also die Zeit, in der es keinen Papst gibt. Sie beginnt mit dem offiziellen Rücktritt am 28. Februar und endet spätestens Ostern Ende März. Denn bis dahin wollen die Kardinäle einen neuen Papst gewählt haben. Das Konklave, das den Papst wählt, muss 15 bis 20 Tage nach dem Beginn der Sedisvakanz zusammentreten.
„Wir haben genau parallel zum Konklave eine Reisegruppe dort“, sagt Röwekamp. Auf dem Programm stand eigentlich auch eine Audienz beim Papst – die muss entfallen. „Aber das passiert ohnehin manchmal.“ Eine Garantie auf die Begegnung geben Reiseveranstalter in der Regel nicht.
Dertour, in Deutschland Marktführer bei den Städtereisen, rechnet damit, dass der Rücktritt des Papstes eine „Rom-Reisewelle“ auslösen wird. Nach Überzeugung von Frank Götze, bei Dertour für die Kurzreisen verantwortlich, ist die Amtsübergabe von Papst zu Papst für Katholiken ein einmaliges Ereignis. Deshalb habe man das Angebot an Romreisen aufgestockt.
Und wenn der neue Papst erst auf dem Stuhl Petri sitzt, dürfte es noch nicht vorbei sein: „Rom ist bei uns sowieso unter den Top Ten bei den Städtereisen“, erklärt Götze. „Aber der Papst ist ein so riesiges Thema, da gibt es auch einen Nachzieheffekt.“ Und das soll heißen: Weil alle jetzt vom Papst reden, wird Rom als Reiseziel noch attraktiver.
Üblicherweise haben Veranstalter für Anfang März kaum Reisen in den Vatikan geplant. Denn die beliebteste Zeit für Besuche beim Papst sei Ostern, sagt Margareta Fesslmeier, Geschäftsführerin von FE Reisetouristik, die sich auf Vatikan-Reisen spezialisiert haben. Vielen Touristen macht es nach Einschätzung von Fesslmeier nicht so viel aus, wenn die Audienz nicht mehr bei Papst Benedikt XVI. ist. „Die Leute möchten ja den geistlichen Segen – und den bekommen sie, egal wie der Papst heißt.“
Anspruch auf eine Entschädigung oder auf die Erstattung eines Teils des Reisepreises haben Urlauber, die die Papstaudienz gebucht haben, nach Ansicht des Reiserechtlers Paul Degott aus Hannover nicht. „Es ist wie mit der Schneesicherheit.“ Sichert der Veranstalter etwas zu, das er nicht einhält, kann der Reisende das Geld dafür zurückverlangen. Ist die Audienz aber nur ein Programmpunkt, der nicht fest garantiert ist, muss der Veranstalter kein Geld erstatten.
Ein beliebtes Ziel für Papst-Fans ist Joseph Ratzingers Geburtsort Marktl am Inn. „Wir warten einfach mal ab, was da kommen wird“, sagt Elisabeth Schlosser, die im Tourismusbüro des Ortes arbeitet. „Marktl wird eine Stätte der Begegnung bleiben. Weil hier ja nun mal ein Papst geboren wurde. Das kann uns keiner mehr nehmen.“
