Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Deutschland Auf den Spuren des Verbrechens

Bernd F. Meier

Münster - Am Straßenzug Drubbel lässt Patrick Gurris die Besuchergruppe zum ersten Mal anhalten. „Wissen Sie, was ein Drubbel ist?“, fragt der Stadtführer die Krimifans. „Drubbel nennt man im westfälischen Platt eine Ansammlung von kleinen Häusern.“ Die standen an dieser Stelle noch bis zum Jahr 1906 und wurden dann abgerissen.

„Den Namen Drubbel könnte man auch für die Fernsehkrimis aus Münster anwenden. Denn im Zentrum zwischen Rathaus, Lambertikirche, Universität und Dom drubbeln sich die Drehorte“, meint Gurris mit einem verschmitzten Lachen.

Echter Fall

Seit beinahe 20 Jahren ist Münster Schauplatz für mörderische Fernsehunterhaltung: Im ZDF sorgt Privatdetektiv und Antiquitätenhändler Georg Wilsberg (gespielt von Leonard Lansink) am Sonnabendabend für Spannung. In der ARD jagen seit Oktober 2002 Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl), Gerichtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und seine Assistentin Silke Haller (Christine Urspruch) im „Tatort“ aus Münster den fiktiven Mörder.

Fernsehen alleine reicht vielen Zuschauern nicht: Immer mehr Fans gehen bei speziellen Stadtführungen in der Universitätsstadt auf Krimitour. „Leichen – Waffen – Kommissare“ ist das Motto eines 90 Minuten dauernden Stadtrundganges. Er führt an sieben Stationen nicht nur zu den verschiedenen Drehorten der „Wilsberg“- und „Tatort“-Fernsehfilme mit fiktiven Mordfällen, sondern beleuchtet auch ein grausiges echtes Verbrechen.

„Im Jahr 1957 gab es in Münster den Fall Rohrbach, der bundesweit für viel Aufsehen gesorgt hat“, erzählt Gurris. Sanft und friedlich fließt das Flüsschen Münstersche Aa am Spiekerhof vorbei. Gurris berichtet Schauriges: „Leichenteile von Hermann Rohrbach wurden am Aasee gefunden, durch den dieser kleine Bach fließt.“

In Verdacht sei schon bald Rohrbachs Frau Maria geraten. 1958 verurteilte sie das Gericht in einem aufsehenerregenden Indizienprozess wegen Mordes zu lebenslangem Zuchthaus. 1961 wurde das Verfahren wieder aufgenommen und Maria Rohrbach mangels Beweisen freigesprochen. Wer Hermann Rohrbach nun ermordet und so grausam zerstückelt hat, wurde bis heute nicht geklärt.

Münster – die Hauptstadt des Verbrechens? „Ach was!“, winkt Patrick Gurris ab. Die Besuchergruppe schaut dennoch etwas ängstlich drein. In der Realität gilt Münster laut Statistik als eine der sichersten Städte in Nordrhein-Westfalen. Allerdings hat sie in Deutschland einen Spitzenplatz beim Diebstahl von Fahrrädern, was jedoch nicht weiter erstaunen muss: In der Stadt mit mehr als 290  000 Einwohnern gibt es nach Schätzungen rund 500  000 Zweiräder.

Studio bei Köln

Die nächste Station der Krimitour führt im Schatten der gotischen Überwasserkirche zum Antiquariat von Michael Solder, die Basisstation aller Ermittlungen des kantigen ZDF-Privatdetektivs Wilsberg. Patrick Gurris erläutert den staunenden Besuchern: „Nur der Verkaufsraum des Antiquariates mit den vielen alten Büchern dient als Fernsehkulisse. Wilsbergs Küche steht in einem TV-Studio bei Köln.“ Bis zu 30 TV-Leute sind während der Aufnahmen einer Wilsberg-Folge in Münster unterwegs – Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Maskenbildnerinnen und viele Assistenten. Pro Jahr werden in Münster zwei „Tatort“-Folgen und drei Wilsberg-Filme gedreht.

Mehr als zehn Millionen Zuschauer sehen die in Münster gedrehten „Tatort“-Fälle. Die Folge Ende November war mit 12,11 Millionen Zuschauern gar der meistgesehene „Tatort“ seit 19 Jahren. Damit zählen sie zu den erfolgreichsten Produktionen der ARD-Krimireihe.

Entsprechend beliebt sind auch die verschiedenen Krimi-Stadtführungen, die das ganze Jahr über angeboten werden. Fachmann Gurris, der als Drehbuchautor sogar eine Folge des Kölner „Tatort“ mitverfasste (Folge 605 „Erfroren“, aus dem Jahr 2005), sagt: „An jedem Rundgang nehmen bis zu 40 Gäste teil. Die meisten Besucher wollen die verschiedenen Drehorte der Fernsehkrimis einmal selbst sehen.“

Etwa 75 Meter hoch über dem Prinzipalmarkt blickt am Abend Türmer Wolfram Schulze auf die vielen Fernseh-Drehorte und sagt: „Hier oben wurde noch keine Szene zu einem Münster-Krimi gedreht.“

Kein Wunder – bis in die kleine Kammer des Türmers von Sankt Lamberti sind 300 Stufen einer engen Wendeltreppe zu überwinden.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Hoffen auf reges Interesse für die Schmetterlingswochen: Landschaftsökologe Felix Närmann (l.) und Thorsten Kuchta von der Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050.

SCHMETTERLINGSWOCHEN IN MOORMERLAND Forschungen förderten eine große Vielfalt an Faltern zutage

Axel Pries
Moormerland
Fordert Verbesserungen für die Opfer des SED-Regimes: Evelyn Zupke (62), frühere Bürgerrechtlerin und SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag

STREIT UM ANGEKÜNDIGTE VERBESSERUNGEN Warum SED-Opfer der Bundesregierung „Wortbruch“ vorwerfen

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Der Klosterpark Oestringfelde ist sozusagen die „grüne Lunge“ von Schortens und beliebtes Ausflugsziel. Dort stehen unter anderem mehrere alte Eiben.

FÖRDERMITTEL FÜR KLOSTERPARK Juwel der Stadt Schortens soll mit 1,387 Millionen Euro weiterentwickelt werden

Jeversches Wochenblatt
Schortens
„Darüber müssen wir nochmal reden“
Pro-palästinensische Proteste vor der US-Botschaft in Jakarta (Indonesien): Im Hintergrund ist das KI-generierte Bild „all eyes on Rafah“ zu sehen. Dieses geht zurzeit in den „sozialen Medien“ viral.

KOLUMNE ZU „ALL EYES ON RAFAH“-KI-BILD Erst recherchieren, dann teilen

Luise Charlotte Bauer
Der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums Wilhelmshaven, Reinhold Keil.

PROZESS GEGEN WILHELMSHAVENS EX-KLINIKUMS-GESCHÄFTSFÜHRER Fehlende Qualifikation bei Bewerbung nicht überprüft

Lutz Rector
Wilhelmshaven