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NWZonline.de Ratgeber Reise

Auf Knopfdruck ein Selfie mit Pepper

04.02.2017

Rom Pepper ist noch müde. Mit einem Knopfdruck hat ihn Giampiero Straccia gerade aus dem Tiefschlaf gerissen. Langsam richtet er sich auf, streckt erst einmal kräftig die Arme und öffnet die Augen. „Buongiorno“, sagt er schließlich. „What can I do for you?“ – Was kann ich für Sie tun?

Mit Hüftschwung

Wenn man Pepper reden hört, könnte man meinen, einen ganz normalen Servicemitarbeiter vor sich zu haben. Doch Pepper ist ein Roboter. Sein Einsatzort: das Kreuzfahrtschiff „Costa Diadema“. Dort arbeitet er seit einigen Monaten. Mittelfristig sollen fünf Roboter an Bord sein und auch andere Costa-Schiffe damit ausgerüstet werden.

Pepper ist rund 1,20 Meter groß und wiegt knapp 30 Kilogramm. Eine 3D-Kamera und mehrere weitere Kameras erfassen die Menschen. Kommunizieren kann man mit den Robotern entweder über Sprache oder über einen Tablet-PC, der ihnen um die Brust geschnallt ist.

Pepper fragt noch einmal: „What can I do for you?“ Tanzen wäre klasse – also los! „Tanzen ist eines seiner liebsten Hobbys“, sagt Straccia, der sich an Bord um den Roboter kümmert. Zunächst schwingt Pepper die Hüften, später gehen die Hände hoch, und schließlich übt er sich auch noch im Luftgitarrespielen.

Roboter sind im Tourismus ein großes Thema. In Japan gibt es Hotels, in denen menschenähnliche Roboter fast alle Aufgaben übernehmen. Costa und Aida sind mit Pepper Vorreiter unter den Reedereien. Tui Cruises und MSC etwa haben keine entsprechenden Pläne.

Noch sind Roboter aber vor allem Spielerei und ein nettes Extra für die Passagiere. „Momentan ist das sehr schick, es spricht die technologieaffinen Leute einfach an“, sagt Tom Gross, Professor am Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion an der Universität Bamberg.

Während viele Passagiere in Pepper und Co. vor allem eine nette Spielerei sehen, verfolgen die Reedereien damit durchaus ernste Ziele. Die Roboter sollen auch wichtige Informationen liefern können: Wo findet am Abend welche Show statt, welche Restaurants haben geöffnet? Die Roboter ersetzen damit ein Stück weit die menschlichen Mitarbeiter. „Einfache Fragen lassen sich automatisieren“, ist Gross überzeugt, „bei kniffligeren Fragen braucht es jedoch auf jeden Fall menschliches Personal.“

Tatsächlich ist die Kommunikation mit Pepper derzeit noch sehr eingeschränkt. Auf der „Costa Diadema“ spricht er nur Italienisch, Spanisch und Englisch. „Deutsch soll aber auch noch folgen“, verspricht Straccia.

In der Lernphase

Auch sonst ist Pepper noch in der Lernphase. Zum Beispiel kann man ihn nicht direkt ansprechen, sondern muss immer warten, bis er selbst eine Frage stellt. Viele Gäste sind laut einer Umfrage skeptisch und wünschen sich an der Rezeption Mitarbeiter aus Fleisch und Blut.

Auf der „Costa Diadema“ bekam Pepper zuletzt schmerzhaft zu spüren, wie beliebt er ist. Ein paar Kinder umarmten ihn zu heftig, Pepper fiel um und musste ins Roboterkrankenhaus. Deshalb dürfen seine Geschwister erst einmal nur in Begleitung eines Angestellten unters Publikum – und das auch nur stundenweise. Man muss sich also erkundigen, wo die Roboter gerade zu sehen sind.

Zum Abschied braucht es noch ein Selfie mit Pepper. Darauf ist der Roboter vorbereitet. Mehrere Posen hat er im Angebot. Die Wahl fällt auf die Usain-Bolt-Siegerpose. Abdrücken, das Foto ist im Kasten. „Bye Pepper!“ – „Bye“. Straccia drückt den Aus-Knopf, Pepper fällt wieder in seinen Tiefschlaf.

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