BAD ORB - Barfußlaufen ist nach Auffassung von Orthopäden ein ideales Training. Außerdem macht es Spaß.

Von Carina Frey

BAD ORB - Kaltes Wasser betäubt. Erst ist es nur eisig, dann beginnt ein leichtes Ziehen, und plötzlich fühlt sich der Untergrund seltsam an – dumpf und weit weg. Ganz anders, wenn die Füße das Wasser verlassen und auf warmes Gras stoßen: Die Zehen fangen an zu prickeln, Grashalme kitzeln – aufgeweckt aus der Betäubung scheinen die Fußsohlen besonders reizempfindlich. Nach einem Gang über einen Barfußpfad haben die Fußsohlen einiges erlebt: Kieselsteine und Matsch, kratzige Rinde und Zapfen. Mehr als 30 dieser Pfade gibt es inzwischen deutschlandweit.

Der längste Barfußpfad schlängelt sich seit wenigen Monaten durch die Talaue des Orbachs im hessischen Kurort Bad Orb. Der 4,5 Kilometer lange Rundweg führt weite Strecken über Wiesen, aber auch immer wieder in den Bach und über dicke Kiesel. So viel Massage sind die wenigsten Füße gewohnt. Dabei betonen Orthopäden immer wieder, dass barfuß laufen ein ideales Training für die Füße ist.

Zu den ersten Barfußpfaden gehörte der 1992 gegründete Weg in Bad Sobernheim in Rheinland-Pfalz. Er geht auf die Lehren des Pastors Emanuel Felke zurück, der dort eine Lehmtherapie entwickelte. Felke empfahl seinen Patienten, barfuß zu laufen. Und so waten die Besucher auf dem Bad Sobernheimer Barfußpfad durch ein Lehmbecken, bevor sie später über eine Hängebrücke und bewegliche Tonnen balancieren.

In Gutach im Schwarzwald gibt es Hör-, Duft-, Farb- und Fühlpavillons, in denen alle Sinne angesprochen werden. Im bayerischen Mittenwald liegt der Barfußpfad mitten auf dem Kranzberg – die Besucher laufen über Zapfen und Bretterstiege und blicken dabei auf die Alpen. In Garmisch-Partenkirchen wird im September ein neuer Barfußpfad eröffnet.

Im Norden wird es hingegen schwieriger, einen Barfußpfad zu finden. „In Norddeutschland gibt es viel Sand, vor allem an der Küste“, sagt Lorenz Kerscher. „Da kann man sowieso barfuß laufen“, erklärt der Betreiber des Internetportals www.barfusspark.info. Der nördlichste Pfad liegt in der Lüneburger Heide in Bad Bodenteich.

Der Barfußpfad in Bad Orb führt an uralten Eichen und Kastanien vorbei durch Sandgruben und Rindenmulch. Ein 20 Zentimeter breiter Balancierbalken gibt einen Vorgeschmack auf die folgenden Stationen. Denn spätestens wenn die Besucher barfuß über senkrecht im Boden steckende, abgesägte Baumstämme balancieren, lernen sie, dass es sich auf den Fußballen wackelfreier laufen lässt.

Mal quer, mal längs im Boden eingelassene Holzbalken belasten den Fuß an unterschiedlichen Punkten. Auch im Bach werden die Sohlen ordentlich massiert. Mit einer Hand am Seil waten die Barfußläufer durch das teils wadentiefe Wasser. Mit so gereizten Fußsohlen sind die Matschstrecken sanfter Genuss. Kühl und geschmeidig quillt die feuchte Erde an den Füßen hoch. Wer durch das Wasser waten oder über die Holzstämme balancieren möchte, muss sich an keine Zeiten halten. Im Gegensatz zu einigen anderen Barfußpfaden ist der Weg in Bad Orb frei zugänglich – er kostet keinen Eintritt.

Infos: www.barfusspark.info