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NWZonline.de Ratgeber Reise

Wo die Römer baden gegangen sind

17.03.2018

Badenweiler Ein mächtiges Glasdach wölbt sich im Kurpark von Badenweiler. Vom Ort aus gesehen liegt es nahezu verborgen hinter der modernen Cassiopeia Therme, scheinbar ohne Zweck. Erst wer näher kommt und darunter späht, kann eine ausgedehnte Steinlandschaft erkennen. Sorgsam beschirmt wartet dort in Südbaden eine römische Badruine auf Besucher – die bedeutendste und besterhaltene nördlich der Alpen.

Stege durch Ruinen

Karl-Heinz Zink, viele Jahre im Aufsichtsrat der Badenweiler Thermen und Touristik GmbH, führt heute die Gäste herum. Die Ruinenlandschaft kann zwar jederzeit besichtigt werden, doch in die geheimen Gänge kommt man nicht ohne einen Touristenführer.

Zunächst wandert die Gruppe über Stege durch die Ruinen. Genau lassen sich die beiden Becken erkennen, in denen die Römer vor knapp 2000 Jahren dem Badevergnügen frönten. Eines davon diente als Vorbild für das Marmorbad der nebenan liegenden Therme, es ist dort das Becken mit dem wärmsten Wasser und gerade im Winter sehr begehrt. Die Becken der römischen Badruine sind wiederum mit Kalksandsteinplatten ausgelegt, die Oberflächen noch heute original verputzt.

Das heilsame Thermalwasser nutzten schon die Kelten, doch erst die Römer bauten die prächtige öffentliche Anlage mit zunächst zwei Badebecken im Jahr 75 nach Christus. Später kamen Empfangs- und Umkleideräume, Schwitzräume mit Kaltwasserbecken und steinumfriedete Terrassen dazu. Dort konnte man die frische Luft genießen, plaudern und Geschäfte machen. Die Römer verstanden es, zu bauen.

Und sie schätzten den Komfort. Das Hypokaustum ist die antike Form der Heißluftheizung, ein Vorläufer unserer modernen Fußbodenheizung.

Im Lauf des 3. Jahrhunderts ging das rechtsrheinische Gebiet der Provinz Obergermanien für das römische Imperium verloren, und die Rheingrenze wurde erneut befestigt, beispielsweise mit dem Kastell auf dem Münsterberg von Breisach. Bis zum 5. Jahrhundert bestand diese spätantike Grenze. Mit dem Ende des römischen Reiches endete auch die Badekultur, und die Thermalanlagen gerieten in Vergessenheit.

Erst unter Markgraf Karl Friedrich von Baden wurde die Therme 1784 wiederentdeckt. Zuerst fand man etliche große Steine im heutigen Kurpark und überlegte, diese für den Bau des großherzoglichen Palais zu verwenden. Als aber immer mehr zum Vorschein kamen, stoppte man den Abtransport und grub die Bad­ruine systematisch wieder aus. Weit mehr als 100 Jahre war sie anschließend Wind und Wetter ausgesetzt, bis sie 2001 die spektakuläre Glasüberdachung bekam. Ein Stuttgarter Ingenieurbüro entwarf die mehrfach preisgekrönte Konstruktion.

Nun aber endlich in den Untergrund. Zink schließt eine Eisentür auf, die einen gut erhaltenen Gang schützt. Hoch und schmal ist er, oben halbrund gewölbt, die Steine sitzen seit bald 2000 Jahren in Reih und Glied. Nur an einer einzigen Stelle war der Drainagetunnel eingebrochen. Er diente dazu, das vom Hang her drückende Wasser abzuleiten, um die Fundamente der Badeanstalt trocken zu halten.

Finanziert vom Staat

Erst 1998 wurde der Tunnel wiederhergestellt, so dass man nun ringsherum gehen kann. Die modernen Baumeister, die sich um die antiken Mauern mühten, haben eine Sandsteinplatte mit ihren Namen eingelassen: Herbert Keindl und Bernard Schneider steht da. Auch wieder ein Zeichen, das bleiben wird.

Betreut wird die Römische Badruine Badenweiler von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württembergs. Sie ist also wieder in öffentlicher Hand, genau wie die Cassiopeia Therme ein Stück höher am Hang gelegen.

Thermenleiterin Heike Kleber erklärt die Parallelen: Auch die erste Therme in Badenweiler wurde als öffentliches Bad gebaut, finanziert vom römischen Fiskus. Die Besucher kamen vor allem aus Augusta Raurica, dem heute schweizerischen Kaiseraugst, und den römischen Gutshöfen der Umgebung. Die Gemeinde hatte zu ihrer Blütezeit im 2. und 3. Jahrhundert bis zu 20 000 Einwohner – und Rathaus, Forum, Ladenpassagen und ein großes Amphitheater. Aber eben keine Thermalquelle. Und so fuhr man zum Baden ins heutige Badenweiler. Damals wie heute.

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