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Deutschland Barfuß auf die Lokomotive

Michael Juhran

Hohnstein - Er ist überpünktlich: Bereits eine Viertelstunde vor der vereinbarten Zeit steht Bernd Arnold vor dem Bergsportgeschäft im sächsischen Hohnstein, das seine Frau Christine seit vielen Jahren betreibt. Mit seiner Schiebermütze, dem Halstuch, der Brille und einer Pfeife im Mundwinkel vermutet man in dem 65-Jährigen eher einen Maler als einen Kletterprofi. Doch mehr als 900 Routen erschloss Arnold in den 1970er und 80er Jahren durch Erstbegehungen. Sein Hauptrevier: die Sächsische Schweiz. Dort gibt er heute sein Wissen in Kletterkursen weiter.

Perfekter Überblick

Zusammen mit einer kleinen Gruppe macht er sich auf den Weg zu einem der bekanntesten der etwa 1100 Gipfel in der Sächsischen Schweiz: der Lokomotive. Sonne, Frost und Regen haben den Felsen zu einem kleinen Kunstwerk modelliert, das von fern wirklich wie eine Dampflok aussieht.

Über einen Bergrücken führt Arnold die Gruppe auf einen kleinen Felsen. Der Blick von oben ist atemberaubend. Direkt gegenüber liegt die Bastei – eine der bekanntesten Felsformationen der Sächsischen Schweiz.

Bereits wenige Wanderminuten später stoppt Arnold wieder. „Von hier haben wir einen perfekten Überblick über die Kletterroute auf die Esse der Lokomotive“, erklärt er und zieht sich die Schuhe aus. „Nur ohne Schuhe bekommt man ein Gefühl vom Fels“, sagt der passionierte Barfußkletterer.

Die Tour auf den Honigstein zählt sicher nicht zu den größten Herausforderungen des Spitzenkletterers. Der kleine Felsen muss vor der Lokomotive überwunden werden. „Für die Tour auf den Honigstein benötigen wir weder Seil noch Sicherungen“, erklärt Arnold und fügt hinzu: „Diese Route hat selbst mein Hund schon geschafft.“

Schlingen und Karabiner

Die kurze Kletterei lohnt sich. Jetzt liegt die Lokomotive direkt im Sichtfeld. Dann zeigt er auf die Südwestwand der Lokomotive: „Wir beginnen den Aufstieg rechts unten und queren links haltend zur Südkante. An der Kante geht es dann zum Gipfel.“ Mit dem Schwierigkeitsgrad VI in der von I bis XI reichenden sächsischen Skala gehört die Route nicht gerade zu den einfachen Wegen, doch Arnold beruhigt: „Die Kante gehört in ihrer Klasse zu den am besten gesicherten Routen.“

Arnold ist diesen Weg schon oft durchstiegen und weiß genau, welche Schlingen und Karabiner er zur Sicherung benötigt. Nach wenigen Zügen legt er eine erste Seilschlinge am Südwestrand.

Im sächsischen Fels gilt eine naturschonende Kletterordnung, die Hilfsmittel mit Ausnahme von wenigen Sicherungsringen auf felsfreundliche Seil- und Bandschlingen beschränkt. Auf dem Weg zur Südkante bringt Arnold eine Bandschlinge an und zieht sie fest. Wenig später ist er bereits auf halber Höhe angelangt. Dort hängt er sich ein und sichert den nächsten Kletterer.

Nach und nach erklimmen die anderen die Lokomotive. Der Blick von oben schweift über den Amselsee und die umliegenden Felsgruppen. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Gipfel geht es wieder ans Abseilen. Auf Arnold wartet unten schon die nächste Gruppe.

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