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Deutschland Riesen-Whirlpool und dicke Pötte

Liane Ehlers

Berlin/Kiel - Flusskreuzfahrten erfreuen sich steigender Beliebtheit, Veranstalter und Urlauber entdecken zunehmend auch in Norddeutschland kleinere Nebenflüsse und Kanäle.

Müßiggang ist angesagt auf einem Flusskreuzfahrtschiff mit fast familiärer Atmosphäre wie der „MS Thurgau Chopin“, das bis zu 80 Passagiere beherbergen kann und wegen der Schleusen und Schiffshebewerke nicht größer sein dürfte. Schon vor Jahren haben Forscher der Rotterdamer Erasmus-Universität festgestellt, dass der bewusste Leerlauf fürs Gehirn nicht nur sehr produktiv, sondern auch lebenswichtig ist und gegen Burnout vorbeugen hilft.

Neben allem süßen Nichtstun und Sterne-Genuss, den Küchenchef Nemanja Tascovic für uns bereit hält, gibt es auf dieser 578 Kilometer langen Reise von der Spree an die Kieler Förde auch viele interessante Ausflugsziele.

Schiff im Grandhotel-Stil

Unsere Kreuzfahrt beginnt am Anleger in Berlin-Spandau, der nur zehn Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt liegt. Das einstige Deilmann-Boutique-Schiff ist im Grandhotel-Stil konzipiert. 2018 komplett renoviert, sorgt es mit Jugendstilelementen und einer sehr freundlichen Crew für Wohlfühlgefühl. Die Treppengeländer sind kunstvoll geschmiedet, die Metalleinfassungen und Leuchten aus reinem Messing, was heute kaum noch bezahlbar wäre.

Abends nimmt die „MS Thurgau Chopin“ Kurs auf Potsdam. Während die 47 Passagiere das erste Mehrgänge-Menü an Bord genießen, werden Havel und Himmel durch einen grandiosen Sonnenuntergang in ein tiefes Orangerot getaucht. Zwei Stunden später legt das Schiff in Brandenburgs Hauptstadt nahe dem Zentrum an.

Ohne Sorgen in Potsdam

Als Friedrich II. im 18. Jahrhundert seinen Sommersitz Sanssouci (Ohne Sorge) mit einer riesigen Parkanlage erbauen ließ, hat er wohl im Traum nicht daran gedacht, dass zwei Jahrhunderte später das kleinste und berühmteste seiner Schlösser Millionen Touristen anziehen und zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt werden würde. Die 160 000 Einwohner zählende ehemalige „Soldatenstadt“ ist eingebettet in eine einzigartige Kulturlandschaft des Havellandes. Mehr als drei Jahrhunderte bauten die besten Architekten, Landschaftsplaner und Kunsthandwerker im Auftrag der preußischen Herrscher.

Fast ebenso berühmt ist der Neue Garten im Nordosten, in dem unter anderem das Schloss Cecilienhof steht. Das Holländische Viertel und die Holzhäuser-Siedlung Alexandrowna, in der bis heute die Nachkommen russischer Chorsänger wohnen, die der russische Zar seinem Freund Friedrich Wilhelm III. einst geschenkt hatte, sind ebenfalls einzigartig.

Wasserstraßenkreuz

Durch „Berlins Obstgarten“, wie das fruchtbare Havelland auch genannt wird, in dem Herr von Ribbecks Birnbaum (Theodor Fontane) stand, gleitet das Schiff über den Plauer See zum Elbe-Havel-Kanal. Die Fahrt führt unter niedrigen Brücken hindurch, bei denen es auf dem Sonnendeck öfter mal „Kopf einziehen“ heißt.

Die Nacht verbringen wir im Städtchen Burg am Elbe-Havel-Kanal, der mit dem Mittellandkanal und der Havel eine durchgehende Wasserstraße vom Ruhrgebiet über Berlin nach Polen bildet. Wer die Doppelsparschleuse Hohenwarthe und das Wasserstraßenkreuz Magdeburg erleben will, muss am nächsten Morgen früh aufstehen.

Dort überquert seit 2003 der Mittellandkanal auf einer Trogbrücke die darunter fließende Elbe und das weite Elbtal. Mit der Magdeburger Kanalbrücke (918 m L./32 m B.) durchfahren wird nicht nur die größte Trogbrücke, sondern auch den größten Whirlpool der Welt. Nur so kann das Wasser in kalten Wintern eisfrei gehalten werden.

Kostbare Architektur

In Calvörde startet der Bus-Ausflug in die VW-Autostadt, die durch ihre futuristischen Pavillons und das ZeitHaus der Automobilgeschichte beeindruckt. Auf dem Elbe-Seitenkanal setzt die „MS Thurgau Chopin“ ihre Fahrt durch die Lüneburger Heide bis Uelzen fort. Das leise Stampfen der Motoren, das Plätschern der Wellen und die vorbeigleitenden Ufer haben etwas zutiefst Beschauliches.

Ein kurzer Foto-Stop am Hundertwasser-Bahnhof und weiter geht es mit dem Bus in die Salz- und Hansestadt Lüneburg. Im 16. Jahrhundert gehörte die Stadt zu den reichsten Norddeutschlands. Bis heute spiegelt sich das im Stadtbild in unzähligen Gebäuden aus Spätgotik und Renaissance im Stil der Backsteinbaukunst wider.

Fahrstuhl für Schiffe

Das schlossähnliche Rathaus, eindrucksvolle Treppengiebel und der Alte Kran am Fluss Ilmenau sind nur einige der architektonischen Kostbarkeiten. In der Hansestadt ist aber auch die Spaltung zwischen Arm und Reich bis heute unübersehbar. In den Arbeitervierteln über der ehemaligen Saline haben sich Straßen und Gebäude großflächig abgesenkt. Manche Häuser sind in den Kopfsteinpflaster-Gassen fast beängstigend schief.

Spannend wird es abends noch einmal an Bord. Das Schiffshebewerk Scharnebeck ist das höchste Deutschlands. In zwei parallelen mit Wasser gefüllten Trögen werden die Schiffe senkrecht um 38 Meter auf das Niveau der Elbe gesenkt. Die Senkung dauert nur fünf Minuten, der gesamte Schleusenvorgang circa 20 Minuten – ein einzigartiges Erlebnis!

Einem umfangreichen Programm in Hamburg folgt am nächsten Morgen die Fahrt auf der Elbe, vorbei an Blankenese, durch die Schleuse Brunsbüttel in den Nord-Ostsee-Kanal. Auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt, wo uns große Pötte entgegen kommen, erreichen wir den Hafen von Rendsburg, direkt nach der legendären Schwebefähre. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur Endstation an der Kieler Förde.

Anreise: Mit dem Zug bis Berlin-Spandau.

Das Schiff: Die „MS Thurgau Chopin“ fährt unter Schweizer Flagge. Sie ist 83 m lang und bietet für 80 Gäste 42 Außenkabinen mit Mini-Bar. Bordsprache ist Deutsch, Bordwährung: Euro. Auf dem Oberdeck haben alle Kabinen einen französischen Balkon.

Bordeinrichtung: Panorama-Restaurant, Panorama-Salon mit Bar, Bibliothek, Sonnendeck. Im Restaurant werden internationale Spezialitäten und regionale Speisen zu einer Tischzeit serviert. Zum Abendessen ist gepflegte Kleidung erwünscht. Geraucht werden darf nur auf dem Sonnendeck. Gratis-WLAN nach Verfügbarkeit.

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