• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Reise

Spanien: Ein Campingplatz für echte Abenteurer

29.02.2020

Yecla „Ich könnte heulen. Ich bin müde, ich kann nicht mehr“, stöhnt Franze Marschall. Zum vierten Mal hat ihm die sogenannte „Gota Fria“ (kalter Tropfen), dieses Monster des spanischen Unwetters, seine Open Air Küche auf der „Finca Caravana“ zerlegt. Nichts ist heil geblieben.

Nachts um zwei ging es los. Windböen um die 120 Stundenkilometer waren übers Gelände gefegt, ein Gewitter hatte das andere gejagt. Mehr als 400 Liter Wasser pro Quadratmeter hatten die ausgedörrte Erde im Nu überschwemmt. Aber statt aufzugeben fängt der gelernte Zimmermann aus der Oberpfalz nach jedem Orkan immer wieder von vorne an.

Er weiß, es ist Sisyphosarbeit. Hinwerfen wäre einfach, ist aber nicht sein Ding. „Dafür ist es zu sehr mein Herzstück geworden“, sagt Marschall.

Persönliches Afrika

Seit fast vier Jahren bewirtschaftet der 58-jährige Aussteiger ein 20 Hektar großes Ödland in der Provinz Murcia. Sein Traum war eigentlich ein Leben in Afrika, doch die Reise des Weltenbummlers endete in Spanien, als sein Partner ausstieg. Im Hinterland der Costa Blanca, zwölf Kilometer nahe der Stadt Yecla, entdeckte der fahrende Zimmermann sein persönliches Afrika.

Es ist eine unwirtliche Gegend am Naturpark Oliva, mit ockerfarbenem Felsboden, die meiste Zeit des Jahres staubtrocken. Der Deutsche übernahm einen heruntergekommenen und verlassenen Wohnmobil-Stellplatz, der zum Verkauf stand. Marschall bot dem deutschen Besitzer an, sich in der Zwischenzeit um den Platz zu kümmern. Franze Marschall hauchte dem rauen Fleckchen Erde Stück für Stück eine afrikanische Seele ein. Weil letztlich doch niemand den Platz kaufen wollte erwarb der Aussteiger ihn selbst und errichtete hier seine europäische Dependance des schwarzen Kontinents mit dem Namen „Finca Caravana“. Frei nach dem Motto „Wenn ich selbst nicht nach Afrika kann, dann kommt es eben zu mir“.

Und wer schon einmal in Marokko war, entdeckt hier durchaus landschaftliche Parallelen. Das Auge wird mit Weite verwöhnt, das Ohr mit Ruhe. Ringsum nur wüstenähnliche Steppe und Berge. Und beim Sonnenuntergang ist es für ihn die perfekte Kopie des Originals. Wer eine Zeit lang aussteigen möchte oder schlicht seine Ruhe braucht ist hier am richtigen Platz. Die „Finca Caravana“ ist ein Öko-Stellplatz für Outdoorfreaks und Afrikafreunde. Ohne Toilette, ohne Strom, das Wasser kommt aus einer Quelle.

Generatoren hat der Deutsche verboten, denn Grillenzirpen ist für ihn schon Lärm genug. Das alles muss man wollen. „Die Leute müssen mit den Ressourcen auskommen, die wir haben. Und wir haben nur das, was uns die Natur freiwillig gibt. Mehr will ich nicht erzwingen“, meint Marschall. Niemanden, der hier herkommt, schockt seine Aussage. Im Gegenteil, der Platz ist gut besucht. Die besondere Atmosphäre hat sich herumgesprochen.

Die Gäste kennen sich mittlerweile und es hat sich herumgesprochen, dass der Franze immer etwas Besonderes kocht. Der Herd steht unter einem Strohdach, die Zutaten für Schmortopf und Co. kommen aus eigenem Anbau. Am Abend sitzen alle am Lagerfeuer, wie früher bei den Pfadfindern. Musik aus der Konserve ist verpönt, stattdessen spielt jemand Gitarre.

Echte Herausforderung

In der wüstenähnlichen Umgebung zu leben ist eine echte Herausforderung. Von morgens bis abends gibt es immer was zu tun und das meiste muss der Deutsche allein bewerkstelligen.

Vor ein paar Monaten hat der Weltenbummler 3700 Quadratmeter benachbartes Land hinzugekauft. Auf dem karstigen Untergrund soll eine Oase entstehen. „Sie soll so groß sein, dass man sie vom Weltraum aus sehen kann“, sagt Marschall lachend und man hört raus, dass er es ernst meint. Das alles will er allein und ohne eine einzige Landmaschine bewerkstelligen, nur mit Spaten und Harke. Es soll ein Mix werden aus Pinien, Zypressen, Pappeln und Oliven. 800 Bäume sind schon gepflanzt. Das Gießen übernimmt Marschall selbst. Mit Komfort hat seine ökologische Vision wahrlich nichts zu tun. Warum er trotzdem bleibt? „Das Leben hat mir vorerst diesen Platz als meine Aufgabe zugeteilt“.

NWZ-Leserreisen
Traumhafte Urlaubsreisen - bestens organisiert und betreut mit deutscher Reisebegleitung ab Oldenburg.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.