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NWZonline.de Ratgeber Reise

Lebenslustig und ein bisschen verrückt

03.03.2018

Cádiz Erinnern Sie sich noch an den James Bond Film, in dem sich die Schauspielerin Halle Berry in einem Hauch von Nichts aus den Fluten des Atlantiks erhebt? In „Stirb an einem anderen Tag“ flieht Pierce Brosnan, alias James Bond, ins kubanische Havanna. Am Strand beobachtet er, wie Halle Berry, alias NSA-Agentin Jinx, hüftschwingend auf ihn zu schwebt. Die Filmproduktion verlegte diesen Teil der Geschichte nach Kuba, der Film wurde ein Kassenschlager und sorgte für einen touristischen Boom im Heimatland Fidel Castros.

Kleines Havanna

Was kaum einer weiß, diese Filmszene, sowie eine weitere halbe Stunde des Bondstreifens wurde 2002 in der südspanischen Stadt Cádiz gedreht. Die Szene mit Halle Berry, so erzählt uns Kellnerin Jolanda beim Espresso mit Milch, dem „Cortado“, wurde am Strandabschnitt „La Caleta“ gedreht. Das ist der sogenannte Arme-Leute-Strand. Er grenzt direkt an die Altstadt.

Noch 16 Jahre nach den Dreharbeiten zehren die Menschen dort von diesem großen Ereignis und bekommen beim Erzählen leuchtende Augen. Sie sind stolz darauf, dass Cádiz seitdem auch gerne „Habanita“, das kleine Havanna, genannt wird. Mit seinem morbiden Charme und seinen lebenslustigen Einwohnern steht die andalusische Stadt dem Original in nichts nach.

Cádiz ist mit seinen rund 120 000 Einwohnern die südlichste Provinzhauptstadt Spaniens und vermutlich die älteste Stadt Europas. Historiker bescheinigen Cádiz eine fast 3000 Jahre alte Geschichte. Angeblich soll die Stadt von Herkules gegründet worden sein. Am dreieckigen Giebel des Rathauses ist sein Bildnis in Stein gemeißelt, darunter die Inschrift „Hercules Fundator Gadium Dominatorque“ (Herkules, Gründer und Herrscher von Cádiz).

Phönizier, Griechen, Römer, Mauren, viele haben im Verlauf der Zeiten versucht, der Stadt ihren Stempel aufzudrücken, und alle hinterließen ihre Spuren. So hieß Cádiz früher Gadir, was so viel bedeutet wie „ummauerte Stadt“ und dazu führte, dass die heutigen Einwohner von Cádiz sich als Gaditanos bezeichnen.

Cádiz führt ein insulares Leben, jeder kennt jeden. Die Stadt liegt am Atlantik und ist an drei Seiten von Wasser umspült. Sie besteht aus Alt- und Neustadt, wobei man Letztere vernachlässigen kann. Die Altstadt ist dagegen ein Kleinod, das sich wie eine Perle in einer Muschel präsentiert. Sie ragt auf einer Landzunge weit ins Meer und ist nur durch einen schmalen Streifen mit dem Festland verbunden.

Kommt man von der Autobahn, passiert man die Brücke „Puente de La Constitución de 1812“. Die längste Schrägseilbrücke Spaniens erinnert an die erste spanische Verfassung, die in Cádiz verabschiedet wurde, und führt in den Hafen. Von dort geht es zum Stadttor „Puertas Tierras“. Ein paar Schritte dahinter beginnt der Küstenweg, der „Campo del Sur“. Er ist die Flaniermeile der Gaditanos. Abends, wenn das Licht auf den Kai scheint und alles in Bonbonfarben taucht, hat man den Eindruck, dass sich ganz Cádiz dort trifft.

Von dort hat man einen fantastischen Blick auf den glitzernden Atlantik und auf die beiden Castillos, die vor der Stadt im Meer liegen. Die ehemaligen Verteidigungsanlagen „Castillo de Santa Catalina“ und „San Sebastian“ zeugen davon, dass die Stadt gut geschützt war. Cádiz galt in früheren Zeiten als wohlhabend und lockte jede Menge Feinde an. 1587 überfiel der englische Freibeuter Sir Francis Drake den Hafen, kaperte und versenkte auf einen Schlag fast die gesamte spanische Armada. Mehr als zwei Jahrhunderte später kamen die Briten wieder, abermals in kriegerischer Mission. Am Cap Trafalgar, 30 Seemeilen südlich von Cádiz, ereignete sich 1805 die wohl bedeutendste Seeschlacht der Geschichte, die den Briten einhundert Jahre Vormachtstellung auf See sicherte. Cádiz hat also nicht nur berühmte Agenten wie James Bond zu bieten, sondern auch Piraten und Abenteuergeschichten. So war Cádiz auch ausschlaggebende Enklave für den Entdecker Christopher Kolumbus. Zwei Reisen, die den italienischen Seefahrer im Auftrag der spanischen Krone in die neue Welt führen sollten, begannen in Cádiz.

Labyrinth aus Gassen

Noch heute zeugen die unzähligen barocken Gebäude und vor allem die Kathedrale davon, dass Cádiz durch seine gute geografische Lage einmal Dreh- und Angelpunkt für alles war, was mit der Neuen Welt Handel trieb.

Ein Spaziergang durch die Altstadt ist wie ein Zeitsprung. Bröckelnder Putz an klassizistischen Bürgerhäusern, Überreste eines römischen Theaters, der „Mercado Central“, wo die Gaditanos frischen Fisch und Gemüse kaufen. Nicht zu vergessen die alles überragende Kathedrale direkt an der Uferpromenade. Die Altstadt von Cádiz besteht aus drei Vierteln, die ein labyrinthisches Gewirr aus Gassen und Gässchen bilden. Zwecklos, sich dort mit einem Stadtplan abzuquälen. Besser ist es, sich treiben zu lassen. Irgendwann kommt schon wieder eine Plaza, an der man sich sortieren kann.

Das Leben in Cádiz spielt sich auf der Straße ab. Und wenn man schon mal dort ist, muss man unbedingt eine Pause in der „Freiduria Las Flores“ einlegen. Der Ort ist Kult, nicht nur für die Gaditanos. Samstagsmittags ist es dort so rappelvoll wie in Hooksiel an der Fischbude. Man trinkt Bier aus Plastikbechern und isst dazu frittierten Fisch aus der Papiertüte. Allerdings braucht man Geduld, denn 30 Minuten Wartezeit sind die Regel. Man zieht eine Nummer und stellt sich brav in die Warteschlange. Gegessen wird notfalls im Stehen, denn die wenigen Tische drinnen und draußen sind immer voll.

Von den übrigen Spaniern werden die Gaditanos augenzwinkernd als „loco“, als verrückt bezeichnet. Einer der Gründe dafür ist der weltberühmte Karneval. Seine Wurzeln hat er im 16. Jahrhundert, und selbst Francos Diktatur schaffte es nicht, den Frohsinn zu unterbinden. Beendet in Deutschland der Aschermittwoch das närrische Treiben, ist in Cádiz noch lange nicht Schluss. Die sogenannte Humorparade verwandelt die Altstadt in eine riesige Partyzone. Es wird getanzt und gesungen. Spott, Ironie und Humor, in lauten Gesängen verpackt, stehen im Mittelpunkt des Karnevals. Einen Monat lang treten vier bekannte Gesangsgruppen im „Gran Teatro Falla“ zu einem Wettbewerb der einfallsreichsten Darbietung an. Zum Finale feiert die ganze Stadt ein gigantisches Volksfest.

Studieren mit Meerblick

Wer dieser Tage durch Cádiz schlendert, könnte unter Umständen auf einen Oldenburger treffen. Die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg unterhält nämlich seit zehn Jahren eine Kooperation mit der Universidad de Cádiz. Zwei Studierende können dort im Rahmen des Erasmus-Plus-Programms ein Jahr lang studieren. Einer der Oldenburger Koordinatoren ist Dr. Ferdinand Esser vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres. Pro Jahr begleitet er etwa 20 Studierende seines Instituts, die ein Auslandssemester planen. Selbst war er noch nicht in Cádiz. „Ich muss ja zugeben, dass ich die Studierenden ein wenig beneide, wenn sie mir berichten, dass Sie in Cádiz tauchen und surfen waren“, bedauert Esser.

Für viele junge Leute ist dieses Auslandssemester in Cádiz auch deshalb so attraktiv, weil man dort nicht nur gut studieren, sondern vor allem gut leben kann. Ein Erasmus-Student schrieb kürzlich in seinem Erfahrungsbericht „Hier trifft man seinen Vermieter im Supermarkt, seinen Professor in einer Bar und seinen Friseur am Strand“.

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