Tortuguero - Langsam gleitet das Kanu auf dem Seitenarm des Tortuguero durch den Regenwald. Barbara Hartung schaut in die Baumkronen und schnuppert. „Ich kann Brüllaffen riechen“, flüstert die Touristenführerin. Und tatsächlich, hinter der nächsten Biegung hängen zwei Brüllaffen in den Bäumen. Willkommen im Tortuguero-Nationalpark in Costa Rica.
In dem Schutzgebiet an der Karibikküste bekommen Touristen das Spektakel einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt geboten: Laut schreiende Papageien fliegen über die Baumwipfel, Klammeraffen schwingen sich von Ast zu Ast. Im dunklen Wasser schwimmen lautlos Kaimane, und ab und zu döst ein Krokodil auf einer Sandbank.
„Das Besondere hier ist die Kombination aus Wasser, Wald, Strand und Schildkröten. Außerdem gibt es hier keine Autos, sondern nur Boote“, erklärt Diplom-Biologin Hartung. Die Deutsche ist 1995 nach Costa Rica ausgewandert und hat dort ihre Berufung gefunden. Die 55-Jährige bietet überwiegend deutschsprachigen Touristen Kanutouren und Wanderungen an und zeigt ihnen die Wunder der Natur.
Die Reize des abgeschiedenen Tropengebiets haben sich herumgesprochen. Viele Reiseveranstalter bieten inzwischen Touren in den Nationalpark an – obwohl die Anreise immer noch beschwerlich ist. Mit dem Auto kommt man bis Pavona. Von dort fährt man rund 90 Minuten in einem kleinen Motorboot zum Nationalpark. Dort haben sich viele Lodges und Hotel angesiedelt, mit eigenen Anlegeplätzen am Fluss.
Mit den Touristen hat sich die Infrastruktur verbessert: Während früher nur einmal in der Woche ein Arzt in die Gegend kam, ist die medizinische Versorgung heute komplett gewährleistet. Das beschauliche Dorf Tortuguero mit rund 600 Einwohnern liegt an der Karibikküste, besteht aus Restaurants, Geschäften und Unterkünften.
Ein Besuchermagnet für den 1975 eingerichteten Nationalpark sind die Meeresschildkröten, die an dem schmalen Küstenstreifen ihre Eier im Sand vergraben.
Der eigentliche Star von Tortuguero aber ist der Regenwald. Doch auch dieses geschützte Paradies ist in Gefahr. „Wir haben hier zunehmend Probleme mit Wilderern, ich habe schon ausgelegte Köder gesehen, mit denen illegal Kaimane gejagt werden“, sagt Hartung. Zudem versuchten Leute von außen eine illegale Straße durch den Nationalpark zu bauen. Zwar gibt es Ranger, die den Park bewachen und vor Wilderern schützen sollen, „aber definitiv zu wenig.“
