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Schweden Delikatesse, die aus der Tiefe kommt

Claudia Schuh

Styrsö - Lennart Johansson spannt die Schnur über einen Seilzug und beginnt zu kurbeln. Als etwa 15 Meter Seil an Bord sind, kommt ein Metallkorb zum Vorschein. Doch verfangen in den Stäben haben sich nur zwei Seesterne. Er füllt den Korb mit gesalzenem Lachs. Der soll Krabben abschrecken, die Salz gar nicht mögen. Langsam gleitet das Drahtgehäuse wieder zurück auf den Meeresboden. Dann verschwindet Lennart Johansson wortlos in seinem Boot und wirft den Motor an.

Bester Hummer der Welt

Es geht von der Schäreninsel Styrsö aus aufs Meer hinaus, um die Hummerkäfige mit dem Schwarzen Gold einzuholen. Im September beginnt alljährlich an der Westküste Schwedens die Jagdsaison. Und das ist eine große Sache. Wie die Elchjagd. „Dann wimmelt es vor der Schärenküste vor bunten Booten, die bereits in der Morgendämmerung hinaus aufs Meer fahren, um die Hummerreusen auszulegen“, sagt Emelie Persson. Die Schwedin begleitet die Tour als Übersetzerin. Denn der Fischer spricht weder ein Wort Deutsch noch Englisch. „Eine Lobster-Safari ist etwas, das nicht nur Touristen buchen, weil sie an Bord sind, von dort aus die Landschaft genießen können und dabei noch was Tolles erleben. Auch wir Schweden machen das“, sagt Emelie. „Alle freuen sich darauf, wenn es Spätsommer wird.“

Was an dem westschwedischen Hummer so besonders ist? Emelie erklärt das so: Er profitiert von der hohen Meerwasserqualität und dem kalten, nährstoffreichen Wasser. Durch die schonenden Fangmethoden bleiben die Bestände stabil. Das Besondere sind die schwarze Farbe und der frische, salzige Geschmack. „Manche sagen, es sind die besten Hummer der Welt“, erzählt Emelie.

In 20 Metern Tiefe unten im kalten Wasser zwischen den Schären verbirgt sich der begehrte Hummer am liebsten. Bevorzugt unter Felsen, dort kann er sich verstecken. In den ersten drei Hummerkäfigen, die Lennart Johansson nach 20 Minuten Fahrt über eine Winde einholt, stecken Krabben, Seesterne und jede Menge Muscheln. Der Profi stopft frischen Köderfisch in ein grobes Netz, befestigt ihn im ausgeleerten Käfig und wirft ihn wieder ins Wasser. Eine Boje markiert seinen Standort. 14 Hummerkäfige hat Fischer Lennart Johansson in den Jagdgründen im westschwedischen Bohuslän in 10 bis 40 Meter Tiefe auf felsigem Boden versenkt. Das ist das, was jeder Schwede für Privatzwecke verwenden darf.

Das reicht dem 72-jährigen Rentner völlig. „Einiges an Hummer verkaufe ich an Lokale aus der Gegend, einiges behalte ich für mich“, sagt er. „Der erste Hummer in der Saison ist ein Gedicht, irgendwann kann ich ihn nicht mehr sehen.“

Sagt es und verstummt wieder für eine Weile. Johansson ist ein stiller, in sich gekehrter Mann. Ihm muss man die Worte ähnlich mühsam entreißen wie die schweren Käfige dem Meeresgrund. Eine seiner Bojen gerät ins Blickfeld. Sie hüpft auf dem Wasser auf und ab. Der Fischer bremst ab. Diesmal hat es geklappt. Gleich zwei Tiere liegen im Netz. Sie zappeln nicht, sie liegen fast wie gelähmt im Käfig, als wüssten sie, was mit ihnen geschieht.

Nur mit Salz gewürzt

Nach zwei Stunden haben wir drei gefangen. Jeder freut sich auf den heißen Tee, der gleich in der Unterkunft wartet. Und auf das Hummer-Menü am Abend in der Pension „Styrsö Skäret“. Das Hotel-Restaurant liegt auf der autofreien Schäreninsel Styrsö.

Beim Essen erfahren die Gäste von Ola Tulldahl, dass beim Kochen im heißen Wasser ein Proteinkäfig geknackt und dabei ein Farbpigment freigesetzt wird – das sorgt dafür, dass die eigentlich blauschwarzen Tiere auf dem Teller dann wie üblich rosarot erscheinen. Und die Zubereitung? „Wir nehmen keine Kräuter, nur Salz und kochen das Tier sechs Minuten. Wer mag, träufelt frischen Zitronensaft darüber“, erklärt der Chef des Hauses. Es schmeckt unvergleichlich.

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