DENPASAR - Bali ist stark vom Hinduismus geprägt. Mehr als 20 000 Tempel soll es dort geben.

Von Georg Alexander

DENPASAR - Für Indonesiens Tourismus war 2006 bisher kein einfaches Jahr. Ein heftiges Erdbeben erschütterte die Insel Java und ein Tsunami tötete mehr als 350 Menschen an Javas Südküste. Solche Meldungen animieren nicht gerade dazu, dem Inselstaat am Äquator einen Besuch abzustatten. Wer sich dennoch aufmacht, entdeckt eine Welt voller Geheimnisse, in denen sich Menschen und Götter begegnen.

Aus der Ferne betrachtet, leuchten die Sarongs wie Blumen aus dem Reisfeld. Die Bäuerinnen umfassen die Halme und schneiden die Rispen ab. Ihr kleines Messer ist kaum zu sehen. „Die Frauen verstecken das Messer beim Schneiden in der hohlen Hand. So verhindern sie, dass der Reis das Messer sieht und sich möglicherweise erschrickt“, erklärt Touristenführer Wayan. Reis gilt in Indonesien schließlich nicht einfach als Nutzpflanze, sondern als Geschenk der Götter. Allein 20 000 Tempel will man auf Bali gezählt haben.

Auf Bali beginnt kein Tag ohne Opfergaben. Sogar in der lärmenden Touristen-Hochburg Kuta legen in der Frühe Frauen an den Straßenkreuzungen, vor Geschäften und Kneipen winzige, aus Bananenblättern gefertigte Opferkörbchen mit Blumen und Reis ab. Anders als im übrigen, islamisch geprägten Indonesien bekennen sich die Balinesen zum Hinduismus. Naturkräfte haben aber bis heute ihre Bedeutung.

Auch auf Java herrscht kein reiner Islam. Mag Bali auch Tausende Tempel vorweisen – die wichtigsten hinduistischen und buddhistischen Anlagen befinden sich auf Java. Wenn irgend möglich, sollte man Borobudur (gr.Bild), das größte buddhistische Denkmal der Welt, bei Morgengrauen besuchen. Es überstand bereits mehrere Naturkatastrophen, darunter auch das jüngste schwere Erdbeben Ende Mai. Um 5.30 Uhr ist es schon hell genug, um die Stufen des Tempels hinaufzusteigen.

Zauber und Symbolik dieses Ortes am frühen Morgen machen den Besuch zum fast spirituellen Erlebnis. Und als sei das alles nicht genug, ragt im Osten der 2911 Meter hohe Merapi in den Tropenhimmel. Er steht ständig unter Dampf, der Berg zählt zu den aktivsten Vulkanen Indonesiens.

Beide Inseln sind gesegnet mit Naturschönheiten und Kultur. Ein Paradies ist Bali allerdings nicht mehr, seit im Oktober 2002 in Kuta zwei Autobomben explodierten und 202 Menschen in den Tod rissen. Seitdem geht auf Bali die Angst um, dass der Tourismus langfristig leidet. Heute kämen mehr Urlauber aus Malaysia und Südkorea, sagt ein Hotelmanager.

www.tourismindonesia.com

www.indonesian-embassy.de