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NWZonline.de Ratgeber Reise

Großbritannien: Der Deutschen liebster Fleck in London

22.05.2010

LONDON Wo läuft man Oasis-Sänger Liam Gallagher und Starkoch Jamie Oliver über den Weg? Wo steht man mit Herbert Grönemeyer an der Kasse? Wo kann man stundenlang durch Wald und Wiesen wandern und ist doch nur vier U-Bahn-Stationen von Big Ben entfernt? Natürlich in Hampstead, dem schönsten Fleckchen Londons.

So mancher heute unbezahlbare Stadtteil in der britischen Metropole war früher ein Slum, Notting Hill und Islington zum Beispiel. Doch Hampstead nördlich der Innenstadt war schon immer exklusiv: Im 18. Jahrhundert war es der Kurort von London, denn es liegt auf der Höhe und war nicht in den berüchtigten Nebel der weltweit ersten industrialisierten Stadt gehüllt.

Klassik zum Picknick

Die Höhe von Hampstead war für den Schriftsteller C.S. Lewis die Inspiration zu seiner Fantasyreihe „Die Chroniken von Narnia“. Bei gutem Wetter rückt halb London hierhin aus, schon der Wahl-Londoner Karl Marx kam mit seiner Familie regelmäßig her. Man kann sogar schwimmen gehen, es gibt einen Badesee für Männer, einen für Frauen und einen „mixed pond“. Ziel der meisten Spaziergänger ist der Herrensitz Kenwood House mit seiner exquisiten Gemäldegalerie.

Im Sommer ist dieser Teil des Heath an jedem Sonnabendabend Schauplatz von Konzerten mit wunderbar englischer Atmosphäre: Man sitzt auf Deckchairs oder auch auf Picknickdecken und lauscht bei einem Glas Champagner sehr gepflegt der meist klassischen Musik.

Von Kenwood aus ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Friedhof von Highgate, dem Schauplatz des neuen Romans von Audrey Niffenegger („Die Zwillinge von Highgate“). Es ist ein Ort von melancholischer Schönheit.

Das Gatter quietscht, ein gewundener Pfad führt in den Totenwald. Spärliches Sonnenlicht fällt durch das Blätterdach. Einzelne Strahlen beleuchten Engel mit gebrochenen Flügeln, schiefe Kreuze und Grabplatten unter Efeu und Farn. Mitten im Gestrüpp steht ein Konzertflügel aus Marmor. Ein schlafender Löwe bewacht das Grab eines Zirkusdirektors aus viktorianischer Zeit. Ein Hund hält seinem Herrn seit einer Ewigkeit die Treue, ein Pferd harrt seines Reiters im kniehohen Gras und ist darüber moosgrün geworden. Obelisken und Pyramiden erinnern an die Ägypten-Begeisterung der Zeitgenossen von Oscar Wilde und Charles Darwin.

Jetzt geht es durch ein Tor in eine Gruft, eine wahre Nekropolis. Völlige Stille – und zu beiden Seiten Kammern mit aufgestapelten Särgen. In den 70er Jahren wurden hier Okkultismus und Teufelskult zelebriert, Hollywood nutzte den Friedhof als preiswerte Kulisse für Horrorfilme mit Christopher Lee. Heute ist all dem ein Riegel vorgeschoben – der Friedhof wird von einer gemeinnützigen Vereinigung geschützt und gepflegt.

Der westliche Teil des Friedhofs war einst eine parkähnliche Anlage, in der sich nur die Reichsten eine Grabstätte leisten konnten. Vermutlich glaubten sie, damit ein Stück Unsterblichkeit zu kaufen. Aber ihre Gräber verwitterten schneller, als sie dachten, und sofern die Namen heute noch lesbar sind, kennt sie kein Mensch mehr. Parlamentsabgeordnete, Richter und Hochadelige – über alle ist die Zeit hinweggegangen.

Deutsche Konditoreien

Nur ein einziger vertrauter Kopf erhebt sich aus dem Dunkel der Geschichte: Es ist Karl Marx, der 1883 auf dem östlichen, dem armen Teil des Friedhofs seine letzte Ruhestätte fand. Der tonnenschwere Bronzekopf wurde dem Grab im Jahr 1954 in überdimensionierter Ostblock-Manier übergestülpt.

So wie Marx im 19. Jahrhundert nach London flüchtete, kamen nach ihm noch viele andere Deutsche in die Weltstadt, und Hampstead war immer erste Wahl. 1921 wurde hier Peter Ustinov geboren. Sein Vater war Presseattaché der deutschen Botschaft, er selbst wuchs mit deutschem Pass auf. Nach der Machtübernahme der Nazis setzte ein wahrer Emigrantenstrom ein; deutsche Konditoreien, Clubs und Restaurants entstanden. Zu den bekanntesten deutschsprachigen Zuzüglern gehörten Erich Fried, Elias Canetti und Sigmund Freud.

Hampstead ist heute nicht mehr die Künstlerkolonie, die es lange war – es ist dafür einfach zu teuer. Wohl aber ist es ein beliebter Wohnort für Popstars und Hollywood-Schauspieler. Helena Bonham Carter („Zimmer mit Aussicht“) wirft sonntagvormittags ihr Leergut in den Glascontainer in der England“s Lane ein, Liam Gallagher kommt mit imagegerecht verstrubbelten Haaren aus dem Supermarkt auf Rosslyn Hill. Und Herbert Grönemeyer – den hier keiner kennt – picknickt auf dem Heath. Oscar-Preisträgerin Emma Thompson lebt noch immer in derselben Straße, in der sie in den 60er Jahren aufwuchs.

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