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DEUTSCHLAND Wo Hexen und Teufel ihre Heimat haben

Insgesamt 122 Kilometer Wanderwege vernetzen Thale mit dem Hexentanzplatz. Zur Walpurgisnacht am 30. April herrscht dort Hochbetrieb.

Von Deike Uhtenwoldt

Thale

Das achtjährige Mädchen läuft fröhlich den Wanderweg entlang – so schnell, dass die Erwachsenen kaum mithalten können. Der „Grand Canyon des Harzes“ und das Naturschutzgebiet zwischen Treseburg und Thale scheinen die Kinder mehr anzutreiben als ihre Eltern. Thale ist ein Wanderzentrum – aber auch eine Region der Hexen und Geister. In der Jugendherberge Thale begrüßt eine Herbergs-Hexe die Kinder und verteilt schrill grüne Gummischlangen. Die Jugendherberge lebt von Programmangeboten wie „Walpurgis“ oder „Sagen und Mythen“.

Es sind überwiegend Schulklassen, aber zu 30 Prozent auch Familien, die Hexen, Mythen und Naturwunder entdecken wollen. Rucksack-Wanderer machen dagegen nicht mal zehn Prozent der Gäste aus, sagt Jugendherbergsleiter Ronald Krause. Doch ums Wandern kommt keiner der Thale-Gäste herum. Insgesamt 122 Kilometer Wanderwege vernetzen den Ort mit dem Hexentanzplatz hoch über der Stadt. Dort versammeln sich „Hexen“ und „Teufel“ in der Walpurgisnacht am 30. April vor dem Abflug zum Brocken.

Das Felsplateau in rund 450 Metern Höhe gilt als heilige Stätte der alten Germanen – und ist damit ein Muss für jeden Besucher. Das sind im Jahr bis zu eine Million Menschen, sagt Kathrin Friedling von der Touristinformation Thale.

Der Besucherstrom hat Folgen: am Startplatz der Harzer Hexen auf ihrem Weg zum Brocken geht es rummelig zu. Eine Rodelbahn, ein Tierpark und eines der ältesten deutschen Naturtheater gehören ebenfalls zum Angebot. Wanderer sind hier oben dagegen selten: Der Weg ist steil und steinig, da nehmen die meisten Besucher lieber Parkplatz- oder Liftgebühren in Kauf.

Ähnlich sieht es auf der anderen Talseite aus: Auf dem Weg von der Jugendherberge am Eingang des Bodetals zur Roßtrappe, einem sagenumwobenen Felsvorsprung gegenüber dem Hexentanzplatz, begegnen Besucher kaum einem Menschen. Sie können ungestört neben brodelnden Stromschnellen, funkelnder Gischt und wenig bekannten Pflanzen einherschreiten.

Das ändert sich, sobald sie sich der Attraktion nähern, der die Roßtrappe ihren Namen verdankt: Fotografen und Glücksmünzenwerfer drängeln sich um den sagenumwobenen Hufabdruck, den das Pferd der Königstochter Brunhilde auf ihrer Flucht vor dem Riesen Bodo hinterließ. Bodo gab dem Tal, das ihm zum Verhängnis wurde, seinen Namen: Er stürzte mit der Königskrone hinab und bewacht, verwandelt als schwarzer Hund, den Schatz in den Tiefen des Bodekessels.

Soweit die Sage: Der Kessel ist aber auch ohne Krone eine Wanderung wert. Nur zu Fuß ist die schmalste Stelle der Bode zu erreichen. Wer das gewaltige Brodeln und Schäumen erleben will, startet am besten in Treseburg, rät Gästeführer Harald Watzek. „Dann kommt der schönste Teil am Schluss.“

Der Lokalhistoriker hat in Thale einen Mythenweg ins Leben gerufen, der moderne Darstellungen der germanischen Götterwelt verbindet: Auf Wanderer mit viel Ausdauer wartet der fast 100 Kilometer lange und vom Deutschen Wanderverband ausgezeichnete Qualitätsweg „Harzer Hexenstieg“ von Osterode über den Brocken bis nach Thale.

Infos

: Touristinformation Thale,

03947/47 00

thale.eckpunkt.de

www.treseburg.de

www.mythenweg-thale.de

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