Dubuque/St. Louis - Üppig sprießen Petunien aus kniehohen Pflanzkübeln. Ältere Paare schlendern über den Boulevard. Im Hintergrund fließt träge der Mississippi. Es ist die reinste Idylle, die der Riverwalk von Dubuque im Osten von Iowa an diesem Sommerabend verströmt. Kleinstadt-Amerika von seiner schönsten Seite.
Flache Landschaft
Szenen wie diese bleiben im Kopf nach einer Reise an den Mittellauf des Mississippi, in die US-Bundesstaaten Iowa, Illinois und Missouri. Ebenso aber bleiben Erinnerungen an leerstehende Lagerhäuser, zugenagelte Läden und eingestürzte Wohngebäude.
Der Mississippi ist noch immer ein wichtiger Transportweg vor allem für Agrarprodukte aus dem Mittleren Westen. Doch manche Städte an seinen Ufern haben bessere Zeiten gesehen. Einige sind so einladend wie Dubuque. Andere wie Cairo im äußersten Süden von Illinois wirken in Teilen so, als seien sie sich selbst überlassen worden.
Es ist die Great River Road, die dabei hilft, links und rechts des Mississippi ein in vielerlei Hinsicht widersprüchliches Amerika zu erkunden. Die gut ausgeschilderte Route schlängelt sich durch die meist flache Landschaft, vorbei an endlos erscheinenden Mais- und Sojabohnenfeldern, ab und zu durch kleine Wälder und nicht immer mit direktem Blick auf den Fluss.
Eine Reise zwischen Dubuque im Norden und Cairo im Süden führt einmal die komplette Westgrenze von Illinois entlang, die der Mississippi bildet. Auf Highways abseits des Flusses wären das acht Stunden. Auf der Great River Road sind drei bis vier Tage ein angemessener Zeitraum. Sonst bliebe keine Zeit für die kleinen Attraktionen am Wegrand.
Einer der schönsten Orte an der Great River Road ist Galena in Illinois. Kurz vor dem US-Bürgerkrieg erlebte die Stadt ihren Boom – noch heute zu erkennen an den vielen Rotziegelgebäuden und bunten Holzhäusern. Damals kamen manchmal gut 500 Reisende am Tag in Galena an, auf Durchreise in den Norden und Westen des Landes. Heute sehen sich gut eine Million Besucher im Jahr die Stadt an.
Zurück an den Fluss. Viele Lagerhäuser in Städten wie Davenport, Burlington und Keokuk in Iowa oder Moline in Illinois stehen heute leer oder sind in Büros verwandelt worden. Die Städte haben Teile ihrer Flussufer in Parks verwandelt. An der Riverfront in Davenport treffen sich die Angler, Entenfütterer und Jogger. Kleinstadt-Amerika von seiner ganz alltäglichen Seite.
Südlich der Grenze von Iowa und Missouri liegt Hannibal. Es ist der Ort der Kindheit von Samuel Langhorne Clemens, der unter dem Namen Mark Twain weltberühmt wurde und dessen Verbundenheit mit Hannibal in klingende Münze verwandelt wird. Vom Hotel bis zur Besucherhöhle: Viele Plätze locken mit Twains Namen.
Tor zum Westen
Nach einer langen Überlandfahrt wartet etwas südlich die größte Stadt am Mittellauf des Mississippi: St. Louis. Einst wichtigster Ort auf dem Weg in den Westen, ist sie in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich in Verruf gekommen, wegen der Kriminalität. All das erscheint allerdings weit weg, wenn man unter der größten Attraktion in St. Louis steht: dem 192 Meter hohen Gateway Arch, der 1963 bis 1965 als Teil des Jefferson National Expansion Memorials gebaut wurde. Der gewaltige Bogen symbolisiert das Tor zum Westen, das sich mit der Expedition von Meriwether Lewis und William Clark öffnete. Sie drangen im Auftrag von US-Präsident Jefferson von 1804 bis 1806 von St. Louis aus bis zum Pazifik vor und legten damit den Grundstein für die Eroberung des Wilden Westens.
Anreise: Ein guter Ausgangspunkt für eine Reise zum Mittellauf des Mississippi ist Chicago. Nonstop-Flüge dorthin gibt es von mehreren deutschen Flughäfen aus. Von Chicago aus sind es per Auto etwa 270 Kilometer nach Dubuque in Iowa, etwa 480 Kilometer nach St. Louis in Missouri und etwa 620 Kilometer nach Cairo im Süden von Illinois. Umsteigeverbindungen nach St. Louis gibt es von vielen US-Flughäfen.
Einreise: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum, müssen sich unter https://esta.cbp.dhs.gov aber eine elektronische Einreiseerlaubnis (Esta) besorgen. Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre lang.
Reisezeit: Kalte Winter und heiße, oft schwüle und regnerische Sommer bestimmen das Klima in der Region. Gute Reisezeiten sind September/Oktober sowie Ende April bis Mitte Juni.
Informationen: Die US-Staaten, die der Mississippi berührt, betreiben gemeinsam die Info-Website https://experiencemississippiriver.com. Für Illinois: Great Rivers Country, c/o Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt/Main,
