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Deutschland Es grünt und blüht auch auf Schiffen

Daniela David

Ribbeck - Malerisch scharen sich die wenigen Häuser um die Kirche von Ribbeck, dem wohl bekanntesten Dorf im Havelland. Theodor Fontanes (1819–1898) legendärer Reim auf den Ribbeckschen Birnbaum lernten Generationen von Schulkindern auswendig. So bescherte die Birne dem Ort eine anhaltende Blütezeit, nicht nur im April. Eigentlich dreht sich in Ribbeck das ganze Jahr alles um die Birne.

„Wir haben 200 Rezepte für Birnentorten, wie die mit Schokolade und Pfeffer“, erzählt Marina Wesche vom „Alten Waschhaus Ribbeck“. Das mit historischer Unterwäsche und allerlei Waschgerätschaften aus vergangenen Zeiten dekorierte Lokal befindet sich direkt neben der Dorfkirche, davor wächst der Nachfolger des berühmten Birnbaums. Auch im renovierten Schloss Ribbeck werden Birnenvariationen in Form von hausgemachtem Senf, Schmalz oder Fruchtgummis angeboten.

Weinberg in Stadtmitte

Früchte wachsen im fruchtbaren Havelland überall. In Brandenburg an der Havel wird anlässlich der Bundesgartenschau (Buga) sogar wieder Wein kultiviert. „Der Marienberg im Zentrum der Domstadt mutiert somit erneut zum Weinberg, wie vormals im Mittelalter“, erklärt der Buga-Chefgärtner Rainer Berger. Und mit der spätmittelalterlichen St.-Johannis-Ruine ganz aus Backstein bildet erstmals eine Kirche die Kulisse für die Blumenschauen.

Die Stadt Brandenburg, Geburtsstadt von Loriot (1923–2011), ist allseitig von Wasser umspült. „Einige Besucher kommen auf der Havel mit dem Boot an oder umrunden das Buga-Gelände per Kanu oder Floß“, sagt Christiane Dietrich. Sie hat Flöße zum Übernachten entwickelt und vermietet sie. Die Boote liegen im Hafen, gleich bei der ehemaligen Schiffswerft. Dort finden in stilisierten Schiffsrümpfen 33 Themengärten Platz.

Wasser ist das verbindende Element im Havelland. Der flache, feuchte Landstrich voller Biotope zieht Kraniche, Wildgänse und Reiher an. Im Naturpark Westhavelland am Gülper See verfolgt Rangerin Sabine Clausner mit dem Fernglas gerade einen Seeadler am Himmel. Ein Entenschwarm fliegt auf und flüchtet. „Allein 50 000 Gänse rasten im Herbst hier.“

Ein Radweg führt durch das Naturschutzgebiet. „Für die Buga-Route haben wir landschaftlich besonders schöne Strecken durch Felder und Auen, an Flüssen und Seen ausgeschildert“, erklärt Katja Richarz von der Buga-Fahrradstation. Insgesamt durchziehen über 300 Kilometer Radwege die Havelregion. Vorbei an Storchennestern radeln die Besucher durch verträumte Dörfer wie Ketzür am Beetzsee.

Bepflanzte Flugzeuge

Der märkische Gutsgarten von Schloss Klessen nordöstlich von Rathenow bietet ein Kontrastprogramm zu den Buga-Parks. In jahrelanger Gestaltungsarbeit hat Sabine Thiedig mit Bäumen, Hecken, Blumen und Kräutern ein harmonisches Gartenensemble geschaffen, abgestimmt auf die symmetrische Form des klassizistischen Herrenhauses, in dem Gäste übernachten können. „Ich bin stark von der englischen Gartenkultur beeinflusst“, verrät die Gutsbesitzerin. „So kam es zu einer Verschmelzung von märkischer und englischer Gartentradition.“

Erstmals wird auch Technik für die Buga ein Thema. Am Rande des Dorfes Stölln sind auf dem Gollenberg mit Pflanzen bestückte „Steppengleiter“ verteilt – flache Gefäße, die an die flügelartigen Fluggeräte von Otto Lilienthal (1848–1896) erinnern.

Die nördlichste Station der Gartenschau ist die Hansestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt – denn die Buga findet in diesem Jahr in zwei Bundesländern statt. Die Altstadt liegt auf einer Havelinsel, den Dom zieren noch die Originalfenster aus dem Mittelalter. Der Bau aus dem 12. Jahrhundert thront hoch über der Stadt – und bietet einen weiten Blick über das grüne Havelland.

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