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NWZonline.de Ratgeber Reise

Auch Piloten geraten ins Schwärmen

19.05.2018

Friedrichshafen Irgendwie ist alles anders als auf einem normalen Flug: viel leiser als gedacht. Viel geräumiger und entspannter. Vor allem die Perspektive ist eine andere. Fast schwerelos scheint man zu schweben – in einer Höhe von etwa 300 Metern. Der Blick aus dem Zeppelin schweift über die Schweizer Alpen, über Schlösser und Burgen am Bodensee, über die Blumeninsel Mainau. Sich an Bord frei zu bewegen, das ist problemlos möglich. Und wann hat man schon mal die Gelegenheit, dem Piloten im Cockpit über die Schulter zu schauen?

„Glauben Sie mir, ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt Kapitän Lars Pentzek. Fotografieren? Ein Muss! Aber am schönsten ist es, es sich auf seinem Sitzplatz bequem zu machen, sich zurückzulehnen und zu genießen.

Fliegen mit dem Zeppelin – nach wie vor ist das ein Mythos. Allein schon der Gedanke daran weckt Sehnsüchte. Im 21. Jahrhundert sind die am Himmel über dem Bodensee kreisenden Zeppeline wieder zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Die Flüge dauern zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Seit 2012 ist der Zeppelin gar zum Standesamt geworden. Brautpaare können sich in der Gondel das Ja-Wort geben und anschließend zusammen mit ihren Gästen abheben.

Auf Schritt und Tritt

Friedrichshafen ist eine Industriestadt mit rund 60 000 Einwohnern, die sich gern auch „Zeppelinstadt“ nennt. Zu Recht, trifft man doch auf Schritt und Tritt auf Ferdinand Graf von Zeppelin (1838–1917). Den Mann, dem man so viel zu verdanken hat. Das Kultur- und Kongresszentrum trägt seinen Namen, das Museum, ein Gymnasium, ein Tanzsportverein und so vieles mehr. „Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen.“ Dieser vielzitierte Satz des Grafen ziert auch das Zeppelin-Denkmal, eine 13 Meter hohe, massive Bronzesäule, die im Stadtgarten in den Himmel ragt.

Am 2. Juli 1900 gelang in der Manzeller Bucht vor den Augen von rund 12 000 Zuschauern am Ufer des Bodensees der erste Aufstieg des Luftschiffes LZ1. Ein Flug, der nur 18 Minuten dauerte und schließlich in einer Notlandung auf dem Wasser endete.

Fast ein ganzes Jahrhundert später, am 18. September 1997, stieg das erste Luftschiff Neuer Technologie (NT) wieder in Friedrichshafen auf. Entwickelt, gebaut und vermarktet werden die modernen Zeppeline von der in Friedrichshafen ansässigen ZLT Zeppelin Luftschifftechnik.

Helium als Treibgas

Heute ist ein Zeppelin NT das größte und einzige für den kommerziellen Passagierbetrieb zugelassene Luftschiff der Welt und verfügt über eine starre Innenstruktur. Antriebe, Leitwerke und Kabine sind direkt an die Tragstruktur montiert, um so dem Zeppelin NT das gewünschte Maß an Sicherheit, Komfort und Leistung zu verleihen. Als Traggas wird Helium benutzt, das im Gegensatz zum früher verwendeten Wasserstoff nicht brennbar ist. Heutige Zeppeline kommen nicht nur für Touristen, sondern auch für wissenschaftliche und industrielle Projekte und für Werbezwecke zum Einsatz.

Eine Stunde vergeht im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. Gelandet wird auf der freien Wiese. Nur ein Mann hält den Zeppelin an einem Seil fest. Zum Abschluss gibt es noch ein Gläschen Sekt.

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