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NWZonline.de Ratgeber Reise

Schritt für Schritt auf dem Weg der Lava

25.05.2019

Garachico Als wir das erste Mal ein Foto von Garachico sahen, wussten wir: Da wollen wir hin, diesen Ort an der Nordküste Teneriffas wollen wir sehen. In natura und von oben, wie auf den Fotos. Nun ist es endlich so weit. Unsere Wanderung startet an der Plaza von Garachico, die für uns in den nächsten Tagen geradezu zu einem Sinnbild für einen malerischen kanarischen Marktplatz werden wird.

Es geht bergauf, auf dem „Weg der Lava“, Schritt für Schritt. Hermano Pedro, der Inselheilige, grüßt ein letztes Mal aus einer Hauswand, dann lassen wir die Gärten mit Bananen, Avocados und Papayas hinter uns. Schon nach wenigen Minuten sind wir in Höhe des weißen Glockenturms von Garachico. Immer wieder bleiben wir stehen, fasziniert von diesem Halbrund aus weißen, gelben, grünen Fassaden und Dächern, das sich hinter jeder Kehre anders präsentiert. Links und rechts von Garachico: alles grün, alles Banane. Und weil wir noch im Netz sind, posten wir auch gleich all die schönen Panoramen hinaus in die Welt.

Sechs Ökosysteme

Garachico war mal der wichtigste Hafen auf Teneriffa. Von hier aus segelten Holzschiffe, beladen mit Malvasier-Wein, gen England und Flandern. Doch im Mai 1706 machte ein Ausbruch des Vulkans Arenas Negras die ganze Pracht binnen weniger Stunden zunichte, ein Ereignis, von dem sich der Ort nie wieder so richtig erholte.

Zu unserer Rechten sehen wir den erkalteten Lavastrom, häuserhoch – er lässt uns die zerstörerische Kraft erahnen. Aus dem Schwarz sprießt es grün. Nach eineinhalb Stunden haben wir 500 Höhenmeter überwunden und erreichen San Juan Del Reparo, unser Ziel, immer noch mit dem Rauschen des Meeres im Ohr. Ein Kaffee in der Bar unterhalb der kleinen Pfarrkirche, dann fahren wir mit dem Bus zurück nach Garachico, nicht ohne beim Umsteigen in Icod einen kurzen Blick auf den ältesten Drachenbaum der Insel zu werfen.

Dieser Drachenbaum, so konnte man noch vor Kurzem überall lesen und hören, ist rund 3000 Jahre alt. Das stimmt nicht, sagt Sandra Ramos, mit der wir uns am nächsten Tag treffen. „Der ist 500 oder 600 Jahre alt“, viel mehr aber auch nicht. Die 33-Jährige arbeitet für El Cardón, einen Veranstalter von Naturaktivitäten. Bei einer Inselrundfahrt beweist Sandra nicht nur Nervenstärke auf Serpentinen, sondern lächelt auch noch beim Einparken, was keineswegs selbstverständlich ist, wenn man so vielbesuchte Orte wie das Bergdorf Masca oder den Teide ansteuert.

Der Teide ist nicht nur der bekannteste der rund 300 Vulkane auf Teneriffa, sondern auch der mit 3718 Metern höchste Berg Spaniens. Und der am häufigsten besuchte Nationalpark Europas. Die Schönheit einer skurrilen Mondlandschaft und die Auswirkungen des Massentourismus – dort kann man beides studieren.

Sandra gelingt es tatsächlich, uns an einem Tag die sechs verschiedenen Ökosysteme der Insel näherzubringen, wobei die Vegetation immer auch abhängt von der Höhenlage. Fragt man Sandra, wo es auf Teneriffa am schönsten ist, dann ziert sie sich ein wenig und nennt am Ende doch immer auch das Teno-Gebirge im Nordwesten, einen der ältesten Teile Teneriffas.

Alte Hirtenwege

Sergio Flores Menéndez hat zwei Aufnäher auf seiner Jacke, einen von „der besten Bergsteiger-Schule Spaniens“ und einen, der ihn als Mitglied eines weltweiten Zusammenschlusses von Bergführern ausweist. Mit Sergio haben wir uns zu einer Wandertour durch das Teno-Gebirge verabredet – auf alten Hirtenwegen. Wir starten an einem Parkplatz auf einer Höhe von etwa 850 Metern, am Fuße des Vulkans „Baracán“. Um uns herum lauter Vulkane mit mehr als 1000 Metern Höhe. Schon nach kurzer Wanderung sind wir umgeben von Baumheide, genauer: Erica Arborea, „der größten Erica der Welt“. Sergio bückt sich: „In deiner Heimat ist sie so klein“.

Der Passat jagt weiße Wolken übers Land, die immer dichter werden. Ein Pessimist würde sagen: schlechtes Wetter. Sergio sagt: „Das ist authentisch, du kannst den Passat-Wind fühlen.“ Der Passat trägt die Feuchtigkeit des Nordatlantiks in die Höhen des Teno-Gebirges. Dort kondensieren die Wolken, „Millionen von Tropfen, viel gutes Wasser“, das vom vulkanischen Boden filtriert wird und über ein von Menschenhand geschaffenes Leitungssystem dorthin fließt, wo es gebraucht wird. Dank des Passats können selbst an kargen Lavawänden Farne, Flechten und Moose gedeihen, ohne ihn gäbe es dort weder Ginster noch Distel noch Natternkopf und auch nicht all die verschiedenen Lorbeerarten, über 20 sollen es auf Teneriffa sein. Oft auch endemische Pflanzen, die nur hier und sonst nirgends auf der Welt gedeihen.

Kaum haben wir die Höhen des TF-51 – so die offizielle Abkürzung für den alten Hirtenweg – verlassen, weitet sich der Blick: Vor uns liegt die Hochebene von Teno Alto mit der kleinen Ortschaft Los Bailaderos. Erst spät, 1971, wurde das Dorf durch eine Straße erschlossen.

Ländlicher Naturpark

Jose Regalado Regalado hat sie also noch erlebt, die Zeiten, in denen alle Lasten mit Pferd oder Maulesel über die Höhen transportiert werden mussten. Regalado ist 86 Jahre alt und der älteste Schäfer von Teneriffa, sagt Sergio. Früher hatte er über 40 Ziegen, jetzt hält er noch zwölf.

Nach einem kurzen Plausch kehren wir ein in der Bar mitten im Ort. Aus Solidarität mit den geplagten Hirten müssten wir jetzt eigentlich ein Kaninchen verzehren, denn die fressen alles weg und machen auch keinen Unterschied zwischen endemisch und invasiv. Doch Justiniano Acevedo Martin, der Junior-Chef, hat für uns Ziegenfleisch vorbereitet, mit kleinen runzeligen Kartoffeln, eben typisch kanarisch.

Auf dem TF-57 wandern wir zurück ins Tal von El Palmar. Das ganze Teno-Gebirge steht inzwischen unter Schutz, als „ländlicher Naturpark“. Und genau das ist auch der Wunsch von Sandra, Sergio und vielen anderen: dass es gelingt, die Natur und die Traditionen in dieser Ecke Teneriffas zu bewahren.

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