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NWZonline.de Ratgeber Reise

Geldmangel erweist sich als Glücksfall

04.03.2017

Ribe Wie man sich „Europas schönster Kleinstadt“ am besten nähert, ist eine Frage der Zeit. Es gibt ein Ribe für Ungeduldige, ein Ribe für Romantiker und ein Ribe für wahre Fans. Wer nur auf der Durchreise ist, sollte einfach einen der zentrumsnahen Parkplätze ansteuern und ein paar Schritte gehen – und schon wähnt man sich im Mittelalter.

Krumme Gassen

Krumme Gassen mit Kopfsteinpflaster, schiefes Fachwerk mit Stockrosen davor, die älteste Kirche des Landes – in Ribe tun sie viel dafür, dass sich nicht viel tut. Nach ein paar Stunden wird man die Stadt dann vermutlich mit einem schlechten Gewissen verlassen.

Vorher sollte man aber auf jeden Fall noch schnell einen Blick in den Dom werfen und die 248 Stufen des Turmes erklimmen. Dann kann man zu Hause wenigstens erzählen, dass man die ganze Stadt gesehen hat. Denn groß ist Ribe nun wirklich nicht.

Romantiker dagegen sollten mindestens eine Nacht einplanen und sich am Abend davor auf dem „Torvet“ am Dom einfinden. Dort steht Nachtwächter Ole Bang oder einer seiner vier Kollegen, in der einen Hand eine Laterne, in der anderen ein Morgenstern. Gemeinsam führen sie eine alte Tradition fort. Denn schon im 14. Jahrhundert gab es in Ribe einen Nachtwächter. Bei Brand oder Sturmflut – was leider öfter vorkam – schlug er die Glocke und warnte so die Bewohner. Heute hält Ole Bang seine Gäste mit Geschichten „aus guten alten Tagen“ und dem einen oder anderen Liedchen bei Laune.

Im milden Licht alter Laternen umrunden wir den Dom, passieren das ehemalige Gefängnis, heute ein Hotel, und das Wohnhaus von Maren Splids, die 1641 als Hexe ihr Leben lassen musste. Und ahnen so langsam, dass es mit den guten alten Zeiten so weit her auch nicht war. Was Bang nicht verschweigt: Die Lebenserwartung war gering, die Kindersterblichkeit hoch. Ribe kannte wahrlich auch schlechte Zeiten. Doch um mehr über das Auf und Ab dieser Stadt zu erfahren, muss man sich Zeit nehmen.

Der wahre Ribe-Fan besucht auch das Wikinger-Museum, das den Alltag in der um 710 gegründeten Siedlung dokumentiert. Oder besorgt sich die Broschüre „Stadtwanderung auf eigene Faust“, in der auf 15 Seiten alles Wissenswerte über Ribe zusammengetragen wurde. Oder lässt sich gleich von einem kundigen Menschen wie Richard Kværnø durch die Straßen führen. Bis etwa 1400, sagt Kværnø, war Ribe die größte und reichste Stadt Dänemarks, dank Kirche und König, dank auch eines florierenden Handels.

Dann ging es bergab. Die Reformation von 1536, der Stadtbrand von 1580, die Sturmflut von 1634, die Pest von 1659 – das sind die Eckdaten. Ribe wurde „von Dörfern im Osten Dänemarks überholt“, zum Beispiel Kopenhagen. Der König zog um und ließ sich nur noch tageweise blicken, sein Palast wurde zum „Baumarkt“, in dem sich die Leute selbst bedienten.

Es fehlte an Geld, um neue Häuser zu bauen. Im Nachhinein ein Glücksfall, denn schon früh, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, erkannte man den touristischen Wert des alten Baubestandes. Heute müssen alle Fenster aus Holz sein, mit Sprossen und Kitt, erzählt Kværnø. Und wenn eine alte Tür auseinanderfällt, muss die neue die gleichen Verzierungen aufweisen.

Kuchen im Rosengarten

Steht irgendwo ein Tor offen, darf man hineingehen. Dahinter verbirgt sich nicht selten ein gastronomischer Betrieb mit musealem Charakter, zum Beispiel das „Weis Stue“, eine Schänke aus dem Jahre 1704 mit Balkendecke, holländischen Kacheln und traditioneller Kost. Oder der „Queedens Gard“, ein alter Kaufmannshof, den man allein schon aufsuchen sollte, weil es hausgemachten Kuchen und einen tollen Innenhof mit Rosengarten gibt.

Wenn man sich dann sattgesehen hat an dieser Stadt, dann fährt man zur Nordsee, die gerade mal sechs Kilometer entfernt ist. Oder nach Mandø, Dänemarks einziger Gezeiteninsel mit 35 Einwohnern und ein Vielfaches an Schafen. Das allerdings geht nur bei Ebbe. Man ist also gut beraten, wenn man für Ribe genügend Zeit mitbringt.

Unterkunft:Danhostel Ribe, einfache saubere Zimmer, nur wenige Fußminuten vom Zentrum entfernt, sehr gutes Frühstücksbüfett, Umwelt-Label.

Nachtwächterrunde: Von Mai bis Oktober täglich um 20 Uhr ab „Torvet“, in den Monaten Juni bis August auch um 22 Uhr. Ohne Anmeldung und kostenlos.

Weitere Infos: VisitRibe, Torvet 3, vermittelt Führungen, dort gibt es auch die Broschüre „Stadtwanderung auf eigene Faust“.


     www.visitribe.dkwww.danhostel-ribe.dk 
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