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NWZonline.de Ratgeber Reise

Spanien: Unterschätztes Juwel an Costa Brava

04.04.2020

Girona Lange Zeit galt die größte Stadt Nordkataloniens als trostlose, graue Industriestadt. Hinter der französisch-spanischen Grenze sah man das Hinweisschild auf der Autobahn AP 7 fuhr daran vorbei, 100 Kilometer weiter, zur schöneren Schwester Barcelona. Die Filmemacher der amerikanischen Fantasy-Saga „Game of Thrones“ beendeten das Schattendasein Gironas und katapultierten die 100 000 Einwohner Stadt quasi über Nacht auf die Liste der „places to be“. Nach der Ausstrahlung der weltweit beliebtesten TV-Serie ist Girona aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und hat sich mächtig herausgeputzt. Wer sich durch den äußeren Industriering nicht abschrecken lässt landet in einem mittelalterlichen Stadtkern mit bunten Häusern, arabischen Bädern, einer monumentalen Kathedrale und einer Stadtmauer, auf der man spazieren gehen kann.

Girona liegt im Ter-Tal, am Zusammenfluss von vier Flüssen. Das historische Girona, von den Römern Geronda genannt, lag damals auf der Route von Rom ins südspanische Cádiz. Die Stadt war reich und daher ständigen Invasionen ausgesetzt, weshalb sie auch „Stadt der tausend Belagerungen“ genannt wird.

Von der Placa de la Independencia ist Gironas Vergangenheit nur einen Schritt entfernt. Über fünf kleine Brücken, die über das Flüsschen Onyar führen, gelangt man in die Altstadt Bari Vell mit holprigem Kopfsteinpflaster und zahllosen engen Gassen, in denen man sich staunend verlieren kann. Römische, maurische und jüdische Einflüsse verwischen das Hier und Jetzt. Über schiefen Steintreppen hinauf und hinab schlendernd, vorbei an verwitterten Holztüren, in deren Ritzen Pflanzen wuchern, gelangt man schließlich zum bekanntesten Wahrzeichen Gironas: Die Kathedrale Santa Maria. Das Gotteshaus thront über der Altstadt auf einem Hügel. Hinauf gelangt man über eine gigantische Freitreppe mit 86 Steinstufen. Oben steht man vor einer reich verzierten Barockfassade. Das Kirchenschiff ist 23 Meter breit und damit eines der beiden größten des gesamten Christentums.

Von oben schaut man auf ein quirliges Durcheinander von Selfie-Fotografen, Sightseeing-Gruppen und Game of Thrones Führungen. Teile der Staffel sechs der TV-Serie wurden hier gefilmt. Guide Sergio zeigt gestenreich, wie genau sich die Filmarbeiten in Girona abspielten. „Das Drehbuch hat unsere Stadt kurzerhand in die freie Stadt Braavos verwandelt und hier auf den Stufen vor unserer Kathedrale war der Drehort für die Große Septe von Baelor“, erklärt Sergio. Köpfe nicken wissend und diejenigen, die nicht wissen, worum es genau geht, schauen auf die Fotos mit Originalausschnitten, die Sergio herum reicht.

Game of Thrones Touren sind in Girona der Renner. Neun Filmstationen sind in der Altstadt zugänglich. Das Tourismusbüro hat eine spezielle Karte herausgegeben, damit man die Tour auch auf eigene Faust machen kann. Auf der Rückseite sind die dazu gehörigen Filmszenen abgedruckt. „Natürlich haben wir viele Gäste aus der ganzen Welt, die gerade wegen dieser Serie nach Girona kommen. Darüber freuen wir uns. Aber wir wissen, dass Girona auch ohne die Serie schon immer etwas Besonderes war. Nur jetzt haben es die Leute auch verstanden“, sagt Marc Sanchez von Girona Experience.

In knapp fünf Stunden führt er Touristengruppen durch die Stadt. Längere Stopps an den wichtigsten Gebäuden eingeschlossen. Los geht es am Riu Onyar, der die Stadt in zwei Teile teilt. Den historischen Teil Bari Vell und den modernen Teil, Mercadal. Das Ufer säumen zahlreiche bunte Häuser in kräftigen Farben. Morgens und abends ist das Licht hier am besten und die Farben leuchten noch mehr als sonst. Den besten Blick hat man vom knallroten Pont de les Peixeteries (Fischerbrücke). Der berühmte Gustave Eiffel hat die Brücke 1876 entworfen, sie wirkt jedoch, als sei sie erst vor kurzem entstanden. Jedes Jahr im Mai wird sie zum Festival Temps de Flors, dem Blumenfest der Stadt geschmückt. Am Ende der Brücke geht es auf die Rambla de la Libertat. Es ist die Shopping-, Café- und Restaurantmeile Gironas. Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb.

Nur wenige Gehminuten entfernt beginnt das alte jüdische Viertel „El Call“. Es ist das am besten erhaltene jüdische Viertel in ganz Europa. Bis zum 15. Jahrhundert lebten Juden und Christen friedlich zusammen, die Synagoge war früher sogar einmal direkt neben der Kathedrale. Ein Spaziergang durch die winzigen labyrinthischen Gassen und Bogengänge lässt diese andere Zeit erahnen. Mitten drin die Doppeltreppe an der Kirche Sant Martí Sacosta.

Verzaubert wird man in den Banys Árabs, den arabischen Bädern. Sie sind nach dem Vorbild muslimischer und römischer Badehäuser entstanden, trotzdem kommen sie aus der Zeit des mittelalterlichen und somit christlichen Spaniens. Insgesamt fünf Räume mit ganz unterschiedlichen Funktionen sind zum Teil sehr gut erhalten und reich ausgestattet. Die Anlage liegt innerhalb eines Kapuzinerklosters.

Und wenn man sowieso schon dort ist, ist der Aufstieg zum „Passeig de la Murella“, zur begehbaren Stadtmauer nicht weit. Wie ein Ring liegt sie um die gesamte Altstadt. In etwa 30 Minuten schlendert man gemütlich von einem Ende zum anderen. Von hier aus kann man die manchmal noch schneebedeckten Pyrenäen sehen. Wenn sich die Sonne langsam in die Dunkelheit verabschiedet verliert das Hier und Jetzt für diesen einen Moment seine Wichtigkeit.


     www.girona.cat/turisme 

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