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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Kulturreise auf Ernst Barlachs Spuren

07.11.2020

Güstrow Heute verstellen Birken, Eichen und Buchen den Blick aufs Ufer. Doch als Ernst Barlach 1930 ein Gelände am Inselsee südlich von Güstrow erstand, konnte er auf das Wasser blicken.

Helligkeit und Platz suchte der norddeutsche Bildhauer, um an großformatigen Skulpturen arbeiten zu können. Also ließ er ein Wohn- und Atelierhaus errichten, in dem Besucher heute eine Vielzahl seiner Werke besichtigen können.

Es ist das Herzstück einer rund zwölf Kilometer langen Kulturroute. Die führt einmal quer durch die Stadt, um dem Künstler, der von 1910 bis zu seinem Tod 1938 in Güstrow wirkte, nahezukommen.

Dieses Jahr hätte der 1870 geborene Barlach seinen 150. Geburtstag gefeiert. Gleich mehrere Ausstellungen in verschiedenen Städten erinnern an sein Werk.

Universelle Skulpturen

Das Albertinum in Dresden, wo Barlach von 1891 bis 1895 an der Kunstakademie studierte, zeigt bis zum 10. Januar 2021 eine große Retrospektive mit rund 230 Skizzenbüchern, Zeichnungen und Holzskulpturen des Künstlers.

Doch vor allem in Norddeutschland, wo der Bildhauer, Dramatiker und Grafiker die meiste Zeit seines Lebens verbrachte, finden Kunstliebhaber eine Vielzahl von Barlach-Museen und -Ausstellungen: in Hamburg und Wedel, im schleswig-holsteinischen Ratzeburg, in Schwerin, aber vor allem in der historischen mecklenburgischen Residenzstadt Güstrow, wo sich ein Großteil seiner Werke befindet.

„Barlachs Skulpturen sind universell“, sagt Magdalena Schulz-Ohm, Leiterin der Ernst-Barlach-Museen in Güstrow. „Man versteht sie auch, ohne den Titel zu kennen oder Erklärungen zu lesen.“

Seine hölzernen oder bronzenen Figuren zeigen keine Herrscher oder Mächtigen, sondern einfache Menschen. Und sie zeigen Emotionen und Gemütszustände, die jeder rasch erfassen kann: Trauer, Entschlossenheit, Konzentration.

Einige seiner Werke wurden sehr von einer Russlandreise beeinflusst, auf der Barlach erschütternde Armut sah. Andere könnten norddeutsche Dorfbewohner darstellen, deren Gesichter von Wind und Wetter gezeichnet waren: Ein Wanderer, der festen Schrittes dem Sturm trotzt; ein Sänger, der unbeschwert ein Lied singt; Flüchtlinge, denen Krieg und Furcht ins Gesicht geschrieben stehen.

Individuelle Touren

Und so manche Skulptur lässt erahnen, dass sich Barlach auch von seiner Heimat inspirieren ließ. Etwa „Der Träumer“, eine liegende, in den Himmel blinzelnde Figur, die der Künstler noch am Totenbett bei sich stehen hatte. Beim Entwurf des wellenförmigen Körpers hatte Barlach vielleicht die hügelige Landschaft Mecklenburgs im Sinn.

Statt mehrerer größerer Events, die ursprünglich geplant waren, sah sich die „Barlachstadt Güstrow“ wegen Corona-Vorsichtsmaßnahmen dazu gezwungen, individuelle Entdeckungstouren zu ermöglichen.

„Wir haben deshalb für Besucher eine Radkarte erstellt, die es ihnen erlaubt, die bekannten Sehenswürdigkeiten allein zu erkunden“, sagt Magdalena Schulz-Ohm. Startpunkt der etwa halbtägigen Kulturroute ist der Inselsee, ein beliebtes Naherholungsgebiet im Süden von Güstrow mit Badestelle, Restaurants, Kurhaus, Boots- und Fahrradverleih.

Atelierhaus als Museum

In unmittelbarer Nachbarschaft steht das einstige Atelierhaus mit einer Dauerausstellung zum Leben und Werk des Künstlers. Vor rund 20 Jahren wurde es um ein Ausstellungsforum mit Grafikkabinett erweitert, um wechselnden Ausstellungen mit Barlach-Bezug sowie Zeichnungen und Handschriften Platz zu geben. Es war damals der erste Museumsneubau der neuen Bundesländer.

Entlang des Wassers führt der Barlachweg, auf dem bereits der Künstler seine Wanderungen nach Güstrow unternahm, Richtung Innenstadt. Dabei passiert er das herzogliche Renaissanceschloss mit Lustgarten bis zum gotischen Dom, in dem die vielleicht berühmteste Figur des Bildhauers hängt: „Der Schwebende“, ein überlebensgroßer Engel, dessen Gesicht die Züge seiner Künstlerkollegin Käthe Kollwitz trägt. 1927 hatte er das Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs geschaffen.

In einem Brief an seinen Bruder schrieb er: „Mein Bronzeengel hängt unter dem Domgewölbe und tut es so bewegungslos, als täte er’s schon hundert Jahre.“ Damals konnte er nicht ahnen, dass die Nationalsozialisten den Engel später als „entartete Kunst“ aus dem Dom entfernen und einschmelzen lassen würden. Seit den 50er Jahren hängt ein Nachguss am alten Platz.

Von Gotik geprägt

Das erste Barlach-Museum weltweit liegt wenige Hundert Meter weiter nördlich am anderen Ende der Güstrower Altstadt. In einem der ältesten Gebäude der Stadt, der gotischen Gertrudenkapelle, werden seit 1953 Holzfiguren und bildhauerische Werke des Künstlers ausgestellt.

Die Gotik, so der Kunsthistoriker Gerhard Graulich, war ein Stil, der Barlach nachhaltig geprägt hat. Tatsächlich schrieb der Bildhauer in einem Brief: „Gotische Holzskulpturen sind einfach Offenbarungen für mich.“

Inspiration fand er im Güstrower Dom, der Pfarrkirche St. Marien und der Gertrudenkapelle, allesamt Perlen der Backsteingotik, aber auch in der Mittelaltersammlung des Staatlichen Museums in Schwerin, das er in den 1930er Jahren besuchte.

Barlach inspiriert

Im Ernst-Barlach-Kabinett, das das Museum extra zum Jubiläumsjahr eingerichtet hat, sollen diese Zusammenhänge sichtbar gemacht werden. Barlachs Werke werden hier hölzernen Kirchenfiguren aus dem späten Mittelalter gegenübergestellt. „Daran kann man gut erkennen, dass er Haltung und Gestik einiger gotischer Skulpturen aufgegriffen hat“, erklärt Graulich, der die Ausstellung kuratiert hat.

Das Museum will zeigen, wie zeitlos Barlachs Skulpturen sind. Deshalb wirft es auch einen Blick in die Gegenwart und vergleicht sein Werk mit dem des zeitgenössischen Künstlers Matthias Kanter. „Barlach wird immer retrospektiv betrachtet“, sagt Graulich. „Aber er inspiriert bis heute junge Künstler und Kunstliebhaber.“ Viele Besucher seien regelrechte Fans und reisten von Ort zu Ort, auf seinen Spuren. Dieses Jahr haben sie besonders viel Auswahl.

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