• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Reise

In dieser Burg geben Bürger den Ton an

08.06.2019

Hagen Mein Navi im Auto ist ahnungslos. Den Ort Hagen im Bremischen im niedersächsischen (!) Landkreis Cuxhaven kennt das Gerät nicht. Ich versuche es mit der Postleitzahl 27628 und siehe da: Das Navi hat im Nu einen Plan und leitet mich problemlos zur Burg in Hagen im Bremischen. „Da haben Sie aber Glück gehabt. Das Navi hätte Sie auch nach Bramstedt, ein paar Kilometer weiter führen können“, sagt Friedel Zittlosen. Er ist 2. Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, der seit gut 30 Jahren der Burg mit Kunst und Kultur Leben einhaucht, und kennt solche Navi-Erlebnisse von Besuchern zur Genüge.

Es war der Bremer Erzbischof Hartwig II. (um 1145–1207), der die Burg um das Jahr 1200 errichten ließ – zur Verteidigung der Bramstedter Kirche gegen die aufmüpfigen Stedinger auf der anderen Weserseite. Die Holzburg, auf einem künstlich angelegten Hügel im morastigen Flusstal der Drepte gelegen, war nahezu uneinnehmbar.

Sinn für Schönes

Nach der Niederschlagung der aufständischen Stedinger in der Schlacht bei Altenesch 1234 wird die Burg Verwaltungssitz. Ein Drost oder Vogt führt im Auftrag der Bremer Erzbischöfe die Amtsgeschäfte. Dazu gehören die kirchliche und die weltliche Verwaltung und die Gerichtsbarkeit. „Das blieb bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges so“, erzählt Zittlosen.

Die heutige Burg zu Hagen entsteht zwischen 1502 und 1507 im Auftrag von Erzbischof Johann Rode (1497–1511), der die letzten fünf Jahre seines Lebens dort verbringt. Man baut solide. Die Wände im 30 Meter langen und zehn Meter breiten Backsteingebäude sind bis zu 1,50 Meter dick.

Und der Bauherr hat Sinn für Schönes: Die Kapelle, heute das Trauzimmer des Standesamtes der Gemeinde Hagen, wird mit Wandmalereien in Fresco-Secco-Technik geschmückt, die bei der umfangreichen Renovierung der Burg zwischen 1984 und 1988 freigelegt werden. „Das war damals eine Sensation“, erinnert sich Elke zum Felde, im Vorstand für das Kulturprogramm zuständig.

Im Jahr 1575 ist die Burg zu Hagen Schauplatz eines Skandals – zumindest aus damaliger Sicht. Der 25-jährige Bremer Erzbischof Heinrich von Sachsen-Lau heiratet dort am 25. Oktober Anna von Broich, Tochter des Bürgermeisters von Köln. Die Trauung findet im kleinsten Kreis statt, der Papst darf davon nichts wissen. Die Heiratsurkunde unterzeichnet der Schlossprediger. Heinrich von Sachsen-Lau ist Inhaber mehrer Bistümer, katholischer wie protestantischer, und umstritten. Als er 1585 vom Pferd stürzt und in seiner Residenz in Beverstedtermühlen stirbt, wird seine Frau bezichtigt, ihn vergiftet zu haben. Sie wird aber freigesprochen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg, den die Burg unbeschadet übersteht, wird der schwedische Diplomat Schering Rosenhane (1609–1663) Hausherr. Die schwedische Königin Christina schenkt ihm die Burg, die nun zum Herzogtum Bremen und Verden gehört, als Dank für seine Verdienste bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück. Rosenhane legt mehrere Gärten und Fischteiche an. Aus der ursprünglichen Verteidigungslage wird ein herrschaftliches Gut. „Es ist keine Burg, wie sie sich Klein Fritzchen vorstellt“, gibt Zittlosen zu.

Die Zeit der Schweden ist 1720 vorbei, die Burg zu Hagen kommt an das Kurfürstentum Hannover. Die hannoversche Herrschaft regiert bis 1866 in Hagen, dann übernehmen die Preußen. Über die Jahrhunderte hinweg ist die Burg immer Dienstsitz des Amtsrichters – bis zur Justizreform 1974. Das stattliche Gebäude wird nicht mehr benötigt und ist dem Verfall preisgegeben.

Helfer im Hintergrund

Als die Burg abgerissen werden soll, formiert sich eine Bürgerinitiative und kämpft für den Erhalt der Anlage. „Das war ein hartes Stück Überzeugungsarbeit“, sagt Elke zum Felde. Nach zähem Ringen kauft der Landkreis Cuxhaven die Burg zum symbolischen Preis von einer D-Mark von der Samtgemeinde Hagen und lässt das Haus für rund fünf Millionen D-Mark umfangreich renovieren. Im Juni 1988 wird die idyllisch gelegene Burg wiedereröffnet.

Die Wiedereröffnung ist auch die Geburtsstunde des Kultur- und Heimatvereins. Das Veranstaltungsprogramm mit Theateraufführungen, Autorenlesungen, Konzerten und Kunstausstellungen, das er auf die Beine stellt, kann sich sehen lassen, die Besucherzahlen sind erfreulich.

Beliebt ist das Landfrauencafé, das sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet hat, und von vielen Ausflüglern angesteuert wird. „Kultstatus“, so Elke zum Felde, haben der Sommerabend im Burghof, immer am letzten Wochenende im August, und der Adventszauber Anfang Dezember.

„Wir haben jeden Monat eine Veranstaltung“, erzählt Elke zum Felde. Dafür, dass alles reibungslos über die Bühne geht, sorgen rund 100 ehrenamtliche Helfer im Hintergrund. „Manche sind noch nicht mal Mitglied bei uns, sie tun das für ihr Dorf“, sagt Friedel Zittlosen.

Genießen Sie erholsame Tage in fantastischen Hotels. Bei uns finden Sie Städtereisen, Wellnessurlaub oder Familienferien mit bis zu 67% Ermäßigung. Testen Sie uns!

NWZ-Reisedeals ab 99,99 €
Genießen Sie erholsame Tage in fantastischen Hotels. Bei uns finden Sie Städtereisen, Wellnessurlaub oder Familienferien mit bis zu 67% Ermäßigung. Testen Sie uns!

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2065
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.