HAMBURG - Vor den Toren Hamburgs werden alte Tierarten und Häuser gezeigt. Hier entsteht bald der Regionalpark Rosengarten.
Von Silvia Kusidlo
HAMBURG - Leben wie vor 100 Jahren und heimische Tiere zum Anfassen: Wer in die Schwarzen Berge südlich von Hamburg fährt, kann dort auf einen Streich gleich zwei Sehenswürdigkeiten besuchen, die weit über diese niedersächsische Region hinaus bekannt sind: das Freilichtmuseum am Kiekeberg und den benachbarten Wildpark Schwarze Berge in Vahrendorf. Beide gehören zu einem Naherholungsgebiet, das in den kommenden Jahren noch mehr Besucher anlocken soll.„Wir haben hier etwa 100 Tierarten verteilt auf 1000 Tiere“, sagt der Geschäftsführer des Wildparks, Hartmut Müller. In der hügeligen Waldlandschaft gibt es Elche, Wölfe und Füchse ebenso zu sehen wie Zwergottern, Eulen oder giftige Aspisvipern. „Das sind alles Tiere, die in Deutschland vorkommen, hier einst lebten oder zumindest aus ähnlichen klimatischen Breiten stammen“, erläutert Müller. Bis zu 350 000 Besucher kommen pro Jahr in den Park, der mit 50 Hektar größer als die Insel Mainau im Bodensee ist.
Die Lieblinge der meisten Besucher sind die Vietnamesischen Hängebauchschweine, die nicht nur in Asien, sondern inzwischen auch in Europa verbreitet sind. Der Wildpark, der über ein Streichelgehege mit Zwergziegen, einen Kinderspielplatz und Grillhütten verfügt, beteiligt sich auch an Projekten zur Wiederansiedelung. So wurden Luchse aus den Schwarzen Bergen im Nationalpark Harz ausgewildert.
Ebenfalls in der Gemeinde Rosengarten liegt das Freilichtmuseum Kiekeberg. Hier stehen fast 30 historische Gebäude aus der Lüneburger Heide und der Winsener Marsch. „Das ist kein Museum im Stillstand. Es kommen immer wieder neue Gebäude hinzu, die mit großem Aufwand hierher gebracht werden“, sagt Pressesprecherin Marion Junker. Während die Häuser aus der Lüneburger Heide sehr einfach seien, könne man an den größeren und reich verzierten Gebäuden der Winsener Marsch den Wohlstand der einstigen Bauern und Fischer ablesen.
Zu den Prunkstücken gehört der 1612 erbaute Silberhof. „Lange haben wir uns gefragt, wie der Besitzer sich ein so aufwendiges Haus leisten konnte. Wir haben herausgefunden, dass es einem Ziegelmeister gehörte, der es durch Betrügereien zu Geld gebracht hatte“, erläutert Junker. „Lebendige Geschichte“ lautet das Motto des Museums: Deshalb leben dort alte Nutztierrassen wie Bunte Bentheimer Schweine, Darsteller zeigen an Aktionstagen, wie beschwerlich das Leben auf dem Land früher war.
Mit einem Kombi-Ticket – zehn Euro für Erwachsene, fünf für Kinder – können beide Ausflugsziele binnen zehn Tagen besucht werden.
Beide Einrichtungen sollen bald zum „Regionalpark Rosengarten“ gehören. „Das Projekt will einen zusammenhängenden Erholungsraum über die Landesgrenzen hinweg schaffen“, sagt die Sprecherin des Hamburger Bezirksamtes Harburg, Sonja Wichmann. Zu dem Park sollen auch das Naturschutzgebiet Fischbeker Heide und ein kleines Wintersportgebiet gehören.
