Hannover - Wenn eine Fluggesellschaft einen Flug kurzfristig annulliert, muss sie gute Gründe dafür haben – oder den Passagieren eine Entschädigung zahlen. Schlechtwetter auf dem Vorflug ist jedoch kein solcher Grund, entschied das Amtsgericht Hannover (Az. 461 C 9188/16). Über das Urteil berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“.
Im verhandelten Fall ging es um eine Reise von Hannover nach London. Die Airline musste den Flug kurzfristig absagen, weil die Maschine am Vorabend gar nicht erst von London nach Hannover fliegen konnte – wegen Schlechtwetter und Nachtflugverbot in Heathrow. Die Kläger verlangten je 250 Euro Ausgleichszahlung, weil der Ersatzflug das Ziel mit deutlicher Verspätung erreichte.
Das Gericht gab den Klägern Recht. Die Fluggesellschaft habe nicht alle zumutbaren Maßnahmen getroffen, um die Annullierung zu verhindern. Sie konnte zum Beispiel nicht erklären, warum keine Ersatzmaschine in Hannover bereitstand.
München - In Nordafrika können Urlauber die Königsstädte Marokkos oder die antiken Tempel am Nil besichtigen. Solche Gruppenrundreisen mit klassischem Sightseeing-Programm finden sich in den Katalogen vieler Veranstalter. Doch es geht auch anders.
Hauser Exkursionen aus München ist zum Beispiel in Algeriens Wüsten mit echten Touareg unterwegs. „Das ist keine eingekaufte Mannschaft, die machen das nicht jede Woche oder jeden Monat und nur mit uns, weil wir den Ältestenrat der Region kennen“, versichert Geschäftsführer Ovid Jacota. Der Reiseleiter sei entweder selbst Touareg oder habe einen guten Draht zu den Einheimischen, als eine Art Brückenbauer. „Das ist ein extrem authentischer Austausch zwischen den Kulturen.“
Viele Veranstalter setzen verstärkt auf Begegnungen mit Einheimischen. Meist findet der Kontakt mit den Menschen vor Ort dabei eher dosiert statt. Und die Klassiker unter den Sehenswürdigkeiten wollen die Urlauber trotzdem abhaken.
Authentizität sei das Schlüsselwort, sagt der Tourismusforscher Prof. Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. „Urlauber wollen das echte Leben kennenlernen.“ Es gehe um einen Kontrast zum Alltag daheim, aber auch ums Besondere, das nicht jeder erlebt.
Auch Marco Polo Reisen aus München setzt auf authentische Erlebnisse. „Solche Erlebnisse sind etwas fürs Gefühl – und das bleibt“, sagt Holger Baldus, Geschäftsführer des Veranstalters. In Shanghai zum Beispiel nimmt Marco Polo die China-Reisenden mit auf eine morgendliche Radtour durch die Millionenmetropole, mitten durch den Stadtverkehr. „Man sieht, wie Menschen morgens im Park Tai Chi machen oder in Garküchen frühstücken“, sagt Baldus. Der Alltag als Sehenswürdigkeit: „Das haut einen einfach um.“
Warum sind solche Erlebnisse gefragt? Zum einen sind viele Länder zugänglicher geworden. Vor 20 bis 30 Jahren seien Rundreisende in Nepal glücklich gewesen, überhaupt sicher durchs Land und wieder nach Hause zu kommen, erzählt Hauser-Chef Jacota. Heute ist das nichts Besonderes mehr.
Aber ohne die Klassiker geht es nicht. „Erst wenn die Must-Sees abgehakt sind, kommt das Eintauchen in den Alltag der Menschen vor Ort. Den Gruppenreisenden, der auf das konventionelle Programm verzichtet, gibt es nicht“, sagt Baldus.
