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Deutschland Radeln auf Rezept rund um Haselünne


Beschauliche Kulturlandschaften: Das Hasetal hat viel davon zu bieten.
Liane Ehlers

Beschauliche Kulturlandschaften: Das Hasetal hat viel davon zu bieten.

Liane Ehlers

Haselünne - Was macht eine Radreise, die ohnehin schon für viel Bewegung und frische Luft sorgt, noch gesünder? Radurlaub „auf Rezept“, verbunden mit autogenem Training und einem Kurs für gesunde Ernährung.

Wie sagte der britische Premierminister Winston Churchill einst: „Man muss dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Das haben sich wohl auch die 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des fünftägigen Kurzurlaubs gedacht, die an diesem Sonntagnachmittag im stilvoll restaurierten, historischen „Burghotel“ in Haselünne von Fremdenführer Willi Kötter (66) begrüßt werden. 1000 Kilometer umfasst das Hasetal-Radwegenetz, davon werden wir 180 zurücklegen.

Haselünne liegt im Herzen der Emslandroute und Willi Kötter ist ein emsländisches Urgestein. Er kennt sich aus mit Land und Leuten und ist immer gut gelaunt. Willi wird uns täglich 35 bis 50 Kilometer durch die beschaulich-erholsame Natur des Hasetals führen, die schönsten Cafés, gemütliche Lokalitäten und Attraktionen zeigen. Bereits am Anreisetag steigen wir aufs Rad, aufs eigene oder gemietete, alle haben E-Bikes gewählt. Willi hilft bei der Einstellung, und selbst Neulinge haben sich schnell orientiert.

Gepflegt und friedlich

Über komfortable Radwege und fast autofreie Straßen fahren wir die kommenden Tage durch urwüchsige Kultur- und Torflandschaften, vorbei an der einzigen Wind- und Wassermühle des Emslandes und einem Riesenfindling, dem Koloss von Hüven. Schmucke Einfamilienhäuser, Bauern- und Reiterhöfe säumen unseren Weg. Alles sieht so gepflegt und friedlich aus. Der Ruf „Auto beziehungsweise Radfahrer von vorn“ oder „Trecker von hinten“ wird uns auf den schmalen Landstraßen die Tage über begleiten, wenn auch nur selten erschallen.

Unsere erste Tour führt über Bawinkel, vorbei an gelb-orange leuchtenden Kürbisbergen, zum „Kräuterhof Rosen“ in Geeste. Der versteckt am Waldrand gelegene Hof bietet Besuchern nicht nur Kaffee und selbst gebackene Torten, sondern bei einem Rundgang auch eine Sammlung antiker Haushaltsgeräte in der sogenannten Kräuterküche und einen kleinen Hofladen mit hausgemachten, regionalen Köstlichkeiten.

Kurse für Gesundheit

Draußen wie drinnen sitzt man sehr gemütlich. Damit Heidelbeer- und Stachelbeersahnetorte sich nicht als Hüftgold verewigen, schwingen wir uns für den Rückweg noch einmal 20 Kilometer aufs Rad. Beruhigend für weniger geübte Radler ist, dass das „Jagdhaus Wiedehage“, wo das Abendessen stattfindet, direkt neben dem „Burghotel“ liegt.

Am nächsten Tag wird es dann ernst mit der Gesundheitsvorsorge. Immerhin geben die meisten Kassen ja 150 Euro für die beiden Präventionskurse „Autogenes Training“ und „Gesunde Ernährung“. Nach einem leckeren Frühstück erwartet uns um 9 Uhr Christine Egbers im „kleinen Rittersaal“ des Hotels.

Die gelernte Krankenschwester hat einst durch ihren eigenen Stress zum autogenen Training gefunden und dann die Therapeuten-Ausbildung gemacht. Insgesamt viermal wird sie uns, Neulinge wie Erfahrene, jeweils 90 Minuten lang einfühlsam in die bewährte Entspannungstechnik einführen. Selbst anfängliche Skeptiker haben nach vier Tagen für sich einen Weg gefunden, um mit der suggestiven Kraft der Gedanken umzugehen. Für den einen ist es die imaginäre Käseglocke, für den anderen das neu gekaufte rote Fahrrad-Regencape, unter dem er Schutz findet, woran aller Stress abprallt.

Brennerei-Besuch

Anschließend geht‘s mit dem Rad über die umliegenden Dörfer Flechum, Felsen, Dohren und Andrup. In Dohren im Caféstübchen Meyers erwartet uns für nur acht Euro ein Brunch, der jedem Nobelhotel zur Ehre gereichen würde. Inhaberin Bärbel Meyers sei das wohl bewusst, erzählt Willi, aber für sie ist auch ein Kuchen unter 300 Gramm nur ein Keks, wie ein Spruch an der Wand den Besuchern kundtut.

Weil die mittelalterliche Hansestadt Haselünne durch ihr hervorragendes Wasser, gebranntes Wasser, bekannt geworden ist, darf natürlich auch ein Besuch in einer Kornbrennerei nicht fehlen. Haselünne, die älteste Stadt im Emsland, „wurde früher auch Fuselünne genannt“, erzählt Guide Annette Pelz bei einem Rundgang durch Heydt. Rosche, die älteste Brennerei, und Heydt befinden sich noch in Privatbesitz und stellen ihre hauseigenen Kornprodukte her. Beide bieten regelmäßig Besichtigungen an. Die Firma Berentzen hat ihre Produktion 2008 zwar nach Minden verlegt, es gibt aber immer noch Führungen im Brennerei-Museum.

Bei Touristen sind „Kornseminare“ sehr beliebt. Natürlich dürfen die hochprozentigen Getränke auch verkostet werden. „Alle zwei Jahre findet ein gut besuchter historischer Korn- und Hansemarkt statt“, strahlt Annette Pelz.

Spaß beim Kochen

Am nächsten Morgen steigen wir wieder für 40 Kilometer aufs Rad. Erstes Ziel ist diesmal die alte Dorfschule in Lohe, die vom Verein für Heimat- und Brauchtumspflege liebevoll renoviert wurde und vielfältig genutzt wird. Heute wartet dort auf uns Ernährungsberaterin Martina Dröge, die wir am nächsten Tag im Heimathaus Haselünne noch einmal treffen werden.

Nach der Theorie – „eine Schwarzwälder Kirschtorte hat dieselbe Energiedichte wie eine Schubkarre voll Blumenkohl“ – und „die Dosis macht das Gift“ (Dröge) geht es für alle in die Küche. In Dreiergruppen wird an beiden Tagen gewaschen, geputzt, geschnippelt, gekocht – und natürlich gegessen und abgewaschen. Selbst Bernhard (74), der noch nie in der Küche gestanden hat, stellt am zweiten Kurstag fest, „dass Kochen auch Spaß machen kann“.

Am letzten Tag stehen noch einmal autogenes Training und eine Tour Richtung Meppen-Bokeloh auf dem Programm. Im historischen „Alten Gasthaus Giese“, direkt an der Hase, gibt es gute deutsche Küche. Wer möchte, kann im Herbst noch einige Äpfel von einem der 2500 Apfelbäume pflücken, die vor 30 Jahren am Hasetal-Radweg gepflanzt wurden. Zahlreiche „Mundräuberbänke“ sollen den „Dieben“ die Arbeit erleichtern, eine Leiter als Rücklehne ragt bis in die Baumkrone. So können wir noch etwas Gesundes für die Heimfahrt und den kleinen Hunger zwischendurch mitnehmen– dafür waren wir doch angereist!

In der Regel findet der Radurlaub „auf Rezept“ zwischen April und Oktober jeweils von sonntags bis donnerstags statt. Anbieter kommen aus dem Emsland, Rastede, Leer und Münster.

Voraussetzungen: Interessenten klären vor der Buchung des Radurlaubs „auf Rezept“ mit ihrer Krankenkasse, ob diese die wohnortfernen Präventionskompaktkurse nach § 20 SGB V bezuschusst. Danach können sie den Termin und das Reiseziel des Radurlaubs „auf Rezept“ buchen und zahlen zunächst vor Reiseantritt den Gesamtbetrag. Nach dem Urlaub erhalten die Teilnehmer eine Bescheinigung, mit der sie den Zuschuss für die Präventionskurse direkt mit der Krankenkasse verrechnen können. Für eine Rückerstattung müssen mindestens 80 Prozent der Kursprogramme absolviert werden.

Preisbeispiel Haselünne: Fünf Tage Radurlaub „auf Rezept“: 425 Euro, abzüglich möglicher Zuschüsse der Krankenkassen: Präventionskurs autogenes Training minus 75 Euro; Präventionskurs Ernährung minus 75 Euro. Weitere Informationen: t  05432/599599, E-mail: info@hasetal.de

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