• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Reise

Alte Steine und junge kreative Köpfe

09.12.2017

Hebron /Ramallah „Besuchen Sie nicht nur die alten Steine, sondern auch die Menschen“, lautete die Empfehlung von Khouloud Daibes, ehemals Tourismusministerin der Palästinensischen Autonomiebehörde und heute Botschafterin in Berlin. Es ist ein guter Ratschlag.

Vor der Reise sollte man wissen: Während für Gaza eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes existiert, hält das Ministerium für Besucher des Westjordanlandes ausführliche Sicherheitshinweise bereit. Darin wird die Lage in einigen Teilen des Gebiets als „angespannt“ bezeichnet. Immer wieder komme es „zu Anschlägen, Angriffen und Auseinandersetzungen zwischen israelischen Sicherheitskräften, jüdischen Siedlern und palästinensischer Bevölkerung mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten“.

Mit diesem Wissen geht es nun also auf die Reise, nach Hebron, Nabi Musa, Ramallah und Bethlehem – und zu Begegnungen besonderer Art.

 Hebron

Cooles Ambiente, freies WLAN und Gäste mit Laptops: Das Café „Q Candy“ könnte sich auch in Berlin befinden. Doch es steht in Hebron, einem Hotspot politischer Konflikte. „Das Café ist ziemlich beliebt bei jungen Leuten“, sagt Ajat, die nach ihrem Tourismusstudium auf einen Job als Reiseführerin hofft. „Wir blenden die angespannte Situation so weit wie möglich aus und versuchen, ein normales Leben zu führen.“

Beim Besuch des Basars wird die 29-Jährige dann allerdings doch emotional: „Hier hat meine Oma ein Geschäft für Bettwäsche betrieben“, sagt sie. Doch damit war es irgendwann vorbei: „Nach der zweiten Intifada, den Aufständen gegen Israel von 2000 bis 2005, sind alle Hauseingänge auf einer Seite verschweißt.“

 Ramallah

Das politische Zentrum des Westjordanlandes präsentiert sich als Szenetreff: „Ramallah hat ein lebendiges Nachtleben“, sagt Haneen aus dem zwölf Kilometer entfernten Taybeh. Die 26-Jährige trägt Jeans und einen modischen Kurzhaarschnitt. Zu den Klängen arabischer Popmusik wabern Schwaden süßlichen Dufts über Garten und Pool in der „Snow Bar“. Auch Haneen raucht die Schischa, die dort Nargile heißt. Cafés, Restaurants und Discos sind voll. Der „Freedom Train“ mitten in der Stadt erinnert allerdings auch in Ramallah an die schweren Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern.

Besuchern die Höhepunkte ihrer Heimat zu zeigen, ist das Anliegen der Palästinenserin Noor. Sie hat in Bethlehem Tourismus studiert. Wie Noor emanzipieren sich immer mehr junge Frauen im Westjordanland. Rund 20 setzen mit der Al-Dschalameh Women’s Cooperative ein Zeichen und bauen auf vier Hektar Gemüse wie Kürbisse und Hopfen an – für den Export und für sich selbst.

 Nabi Musa

Als eine Oase der Stille erleben Besucher Nabi Musa, das Mausoleum des Propheten Moses, bei Jericho. „Es heißt, dass die Gebeine von Moses, der in Moab im heutigen Jordanien gestorben ist, durch ein Wunder hierher geweht wurden“, erzählt Margo Tarasi, die mit Aschraf Bakri die ehemaligen Pilgerunterkünfte zu 58 Gästezimmern mit Lokalkolorit umbaut.

„Ich habe Nabi Musa bei Vollmond erlebt. Es war Magie!“ Jetzt will sie die besondere Stimmung dieser Stätte mit Jeep-Safaris und Kamelritten durch die Wüste kombinieren.

Gemeinsam mit seiner italienischen Frau Viviana betreibt der ehemalige IT-Student Aschraf das „Auberg-Inn“ in einem Landhaus mit üppigem Obstgarten. Dort tauchen Gäste tief ein in die Beschaulichkeit rund um Jericho – bei Radtouren, Fahrten im Eselskarren und Besuchen der Ruinen von Hischams Palast.

 Bethlehem

Tourismus um jeden Preis? „Nein“, findet der Filmemacher Ibrahim. Der 22-Jährige wohnt gleich um die Ecke des „The Walled Off Hotel“ in Bethlehem. Das Haus an der israelischen Sperrmauer wurde vom englischen Street-Art-Künstler Banksy konzipiert und wirbt mit dem Spruch „Das Hotel mit der schlimmsten Aussicht der Welt“. Rund 1000 US-Dollar kostet die Nacht in der Präsidentensuite. Im angeschlossenen Wall Mart werden Spraydosen und Vorlagen von Banksy-Graffiti verkauft. Dann können sich Sprayer an der Mauer versuchen. An den trostlosen Hauswänden im Flüchtlingslager dürfte dagegen jeder zu Werke gehen – kostenlos.

Anreise und Formalitäten: Es gibt Nonstop-Flüge von Frankfurt/Main, Berlin und München nach Tel Aviv in Israel und Amman in Jordanien. Von dort Weiterfahrt mit Bussen oder Mietwagen. Bei Mietwagen lohnt eine genaue Überprüfung der Versicherungsbedingungen. Der Reisepass muss sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein.

Währung und Geld: In den Palästinensischen Gebieten wird mit dem Neuen Israelischen Schekel bezahlt. Für einen Euro gibt es etwa 4,15 Schekel. Geld kann in Banken und Wechselstuben eingetauscht und an Geldautomaten per Kreditkarte abgehoben werden.

Sicherheit: Unter www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit informiert das Auswärtige Amt ausführlich über die aktuelle Lage an Reisezielen weltweit. Besucher der Palästinensischen Gebiete sollten die Seite vor der Abreise und auch unterwegs regelmäßig aufrufen.

Informationen: Visit Palestine Center in Bethlehem, E-Mail: info@visitpalestine.ps, www.visitpalestine.ps; HLITOA (Vereinigung inländischer Reiseveranstalter), E-Mail: info@holylandoperators.com, www.holylandoperators.com

Genießen Sie erholsame Tage in fantastischen Hotels. Bei uns finden Sie Städtereisen, Wellnessurlaub oder Familienferien mit bis zu 67% Ermäßigung. Testen Sie uns!

NWZ-Reisedeals ab 99,99 €
Genießen Sie erholsame Tage in fantastischen Hotels. Bei uns finden Sie Städtereisen, Wellnessurlaub oder Familienferien mit bis zu 67% Ermäßigung. Testen Sie uns!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.