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NWZonline.de Ratgeber Reise

Meditation in stiller Mondlandschaft

26.08.2017

Hobas Die Zahlen, die Pieter Van Wyk vor der Kulisse des Fish River Canyons herunterbetet, sind unvorstellbar. Vor zwei Milliarden Jahren haben Vulkanausbrüche die Berge geschaffen, die im Südwesten Namibias am Horizont thronen. Der Biologe (28) spricht von 2000 Millionen Jahren, so als wäre diese ungeheure Zeit damit greifbarer – was natürlich nicht stimmt.

Erosion ließ im Laufe der Zeit die bis zu 550 Meter tiefen Canyons entstehen. Schon morgens brennt die Sonne unerbittlich über der kargen Steinwüste, nur vereinzelt sträuben sich Büsche mit kleinsten, knochenharten Blättern gegen das Vertrocknen. Die Landschaft gehört zu einem Nationalpark mit dem etwas sperrigen Namen „/Ai/Ais-Richtersveld Transfrontier Park“.

Moderne Abenteurer

Die Einzigartigkeit der Region erschließt sich auf einer kurzen Stippvisite per Auto oder Reisebus kaum. Deshalb gibt es eine entschleunigte Variante: Desert Knights, eine Fahrradtour von Namibias Süden über den Grenzfluss Oranje in den südafrikanischen Norden. Zweimal jährlich, wenn die Temperaturen im April und September einigermaßen erträglich sind, durchqueren bis zu 100 moderne Abenteurer die fast unheimliche Stille der Wüste. Jeder in seinem Tempo.

„Die Absicht war, die touristischen Höhepunkte des Transfrontier Parks in eine Tour zu packen“, erklärt deren Erfinder Roland Vorwerk, Marketing-Manager bei der Agentur Boundless Southern Africa. Doch es sind nicht nur der Blick in den Canyon oder das Bad in den heißen Thermalquellen von „/Ai/Ais“, die diese Tour ausmachen. Auf den 300 Kilometern, 20 davon per Kayak auf dem Oranje, ist vielmehr der Weg das Ziel.

Nach einem Warmfahren am ersten Tag führt die Etappe am nächsten Abend von Hobas nahe des Canyons nach „/Ai/Ais“. „Heiß wie Feuer“ bedeutet der Name in der Sprache der Nama, der das 65 Grad warme Quellwasser meint.

Kaum kühler fühlt es sich in den späten Nachmittagsstunden jedoch auf der Schotterstraße an, die sich von Hobas gen Süden durch die welligen Weiten zieht. Ein erbarmungsloser, staubtrockener Gegenwind lässt selbst dann den Schweiß laufen, wenn es einmal leicht bergab geht.

Bedrohte Ökosysteme

Dann schiebt sich der runde Mond über die steilen Felswände der Gamkab-Schlucht, die nur zweimal jährlich zu den Fahrradtouren von Menschen betreten wird.

Bedroht sind die Ökosysteme des Parks dennoch. Am Grund des Oranje, dem einzigen ganzjährig Wasser führenden Fluss der Region, wimmelt es inzwischen von exotischen Schnecken, deren Vorfahren vermutlich von Aquariumbesitzern stromaufwärts „entsorgt“ worden sind. Der dünne grüne Uferstreifen leidet zudem unter der Überweidung durch die Ziegenherden.

Die für ganz Afrika so charakteristischen Hirtenbäume können im Park locker 1500 Jahre alt werden. Dort trifft man auch Pieter Van Wyk, der sonst in der Gärtnerei des Parks arbeitet, auf einer seiner morgendlichen Botanikwanderungen. Von den einst 2000 Kilometern Auenwald ist nur noch ein Zehntel erhalten.

Nach einer langen Vollmondfahrt über enge, steinige Pfade wartet schließlich das Ziel der sechstägigen Radtour am Grenzübergang Sendelingsdrift mit einem Glühwein. Wer dort ankommt und dann noch auf die Suche nach den 22 Gecko-Arten des Parks geht, der hat nicht einfach nur Urlaub gemacht. „Es ist die Möglichkeit, in einer der großartigsten Landschaften der Welt zu meditieren“, sagt Raymond Siebrits, ein Teilnehmer aus Kapstadt.

Anreise: Der von Hobas nächstgelegene Flughafen ist Upington im Norden Südafrikas (400 Kilometer entfernt). Die Flüge in die Kleinstadt sind meist recht teuer, hinzu kommt, dass die Mietwagenanbieter für Fahrten nach Namibia in der Regel eine Grenzübertrittsgebühr verlangen. Günstiger ist die Anreise über Namibias Hauptstadt Windhuk (650 Kilometer entfernt). Hobas ist nur per Mietwagen zu erreichen.

Einreise: Für die Einreise sowohl nach Südafrika als auch Namibia reicht für EU-Bürger ein Reisepass, der bei Reisebeginn noch sechs Monate lang gültig sein sollte.

Kosten: 15 000 südafrikanische Rand (etwa 1100 Euro) pro Person für die gesamte Tour mit Vollverpflegung und Übernachtung in Zelten. In Namibia gelten sowohl der südafrikanische Rand als auch der daran gekoppelte Namibia-Dollar, in Südafrika jedoch nur der Rand. Die jeweilige Landeswährung kann in allen Städten am Geldautomaten abgehoben werden.

Informationen: South African Tourism, Friedensstraße 6–10, 60311 Frankfurt Telefon  069 92 91 29 50,
E-Mail: info.de@southafrica.net


     www.southafricantourism.de www.desertknights-mtb.com 
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