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NWZonline.de Ratgeber Reise

Portugal: Vulkane und Seebären auf Azoren

06.08.2022

Horta Unzählige Hortensien machen Faial zu einer der schönsten Inseln der Azoren. Eine Mondlandschaft und ein Leuchtturm mit leeren Augen zeugen aber auch von der Naturgewalt, die hier schlummert.

Victor ist clever. Sein Englisch ist ziemlich holprig, auf Deutsch versteht er nur ein paar Fetzen und die Sprache des großen Nachbarn Spanien negiert der 40-Jährige von der Azoreninsel Faial aus Prinzip.

Der Portugiese besitzt ein Mobiltelefon. Dank Übersetzer erfahren seine Fahrgäste alles, was man über das 173 Quadratkilometer große Eiland wissen muss – und noch ein wenig mehr. 15 000 Menschen leben auf Faial, in dessen Mitte der mehr als 1000 Meter hohe Vulkangipfel Cabeço do Fogo thront.

Drei Jahreszeiten am Tag

Wer mindestens drei Jahreszeiten an einem Tag erleben möchte, ist auf dem Archipel mitten im Atlantik genau richtig. „Das Wetter wechselt alle zehn Minuten“, verkündet die metallisch klingende Stimme aus Victors Handy, während der Regen wie aus Kübeln auf die Windschutzscheibe klatscht. Sehr zur Freude der stets durstigen, mannshohen Hortensienbüsche, denen Faial seinen Beinamen Ilha Azul verdankt: blaue Insel.

Vor allem Wanderer, Walfans und Vulkanforscher kommen nach Faial. Portugals höchsten Berg, den 2351 Meter hohen Pico auf der gleichnamigen Nachbarinsel, hat man hier stets im Blick.

Sportliche Naturen steigen zur Caldeira hinauf, einem Vulkankrater im Zentrum der Insel, dessen steil abfallende Wände unter einem grünen Kleid aus Zedern, Wacholderbüschen und Farnen verschwinden.

Auf der Spur der Wale

Schwindelfreie stapfen über den schmalen Pfand am gigantischen Kessel entlang, auf dessen Grund einst ein tiefblauer See schlummerte. Von dort genießen sie den Blick in die Ferne, wo bei gutem Wetter die Silhouetten von São Jorge und Graciosa auftauchen, zwei weitere der insgesamt neun Inseln des Archipels.

Vor der Küste ziehen Blau- und Pottwale sowie Delfine ihre Bahnen. Harpunen verfolgen sie nicht mehr, nur die Kameras der Touristen. Der kommerzielle Walfang wurde in den 1970er Jahren eingestellt, die alte Walfabrik an der sichelförmigen Bucht von Porto Pim in ein Informationszentrum umgewandelt.

Heute werden die kreisrunden Wachtürme, die der Jagd dienten, von den Anbietern von Whale-Watching-Touren genutzt, um nach den Riesen Ausschau zu halten.

Gefahr im Paradies

Auf den ersten Blick wirkt Faial wie ein Stück vom Paradies. In den langgezogenen Dörfern, die sich an der Küstenstraße aufreihen und deren Kirchen aus weißem Kalkstein und schwarzem Basalt hoffnungslos überdimensioniert wirken, scheint die Zeit stillzustehen. Ein paar Dutzend Heilig-Geist-Kapellen mit buntem Anstrich zeugen von der Religiosität der Insulaner.

Azaleen, Lilien, Winden und die allgegenwärtigen Hortensien mit ihren medizinballgroßen Blütenballen tauchen die Insel von Mai bis Dezember in einen Farbenrausch. Doch die Idylle täuscht.

Kleinere und größere Erdbeben reißen die Bewohner Faials regelmäßig aus dem Schlaf. Die Gefahr, von Vulkanausbrüchen heimgesucht zu werden, ist ständiger Begleiter der Menschen. Die jüngste Katastrophe liegt gerade einmal gut 50 Jahre zurück. Ein Jahr lang, von 1957 bis 1958, hatte der Vulkan Capelinhos Feuer und Rauch gespuckt.

Leuchtturm auf Geröll

Das bescherte der Insel einen Flächengewinn von rund zwei Quadratkilometern, dezimierte die Bevölkerungszahl aber um die Hälfte: Tausende in den schwer betroffenen Dörfern im Westen der Insel emigrierten nach dem Verlust von Haus und Hof in die USA.

Die Mondlandschaft an der Westspitze Faials rund um den alten Leuchtturm ist die Attraktion der Azoreninsel schlechthin. Das Leuchtfeuer ist das steinerne Fanal jener Katastrophe. Seiner Funktion beraubt steht es nun zwischen Aschehügeln und Geröllhalden, das Untergeschoss halb im Sand versunken. Wie leere Augen starren die Fenster aufs Meer hinaus. Die rot, braun und schwarz schimmernde Wüste wirkt wie von einem fremden Planeten.

Was für ein Unterschied ist diese Landschaft zum pittoresken Horta. In den 1930er Jahren setzten hier die Wasserflugzeuge der PanAm auf – Flugikone Charles Lindbergh höchstpersönlich hatte dem Inselhafen die höheren Weihen als Zwischenstopp bei Atlantiküberquerungen erteilt. Heute dümpeln hier Segelyachten aus aller Welt, die auf dem Weg in die Karibik sind oder von dort kommen.

Berühmtes Lokal

Abends treffen sich all die Seebären und Seejungfrauen im wohl berühmtesten Lokal der gesamten Azoren: im Peter Café Sport, dank des Wetterhahns in Gestalt eines Pottwals nicht zu übersehen.

Seit 103 Jahren ist der Treffpunkt eine Institution. Bei Peter, dessen Gründer mitnichten Peter, sondern Henrique Azevedo hieß, wird mächtig Seemannsgarn gesponnen, Fischsuppe gelöffelt und Bacalhau – getrockneter Kabeljau – verspeist. In der Kneipe bekommen Crews Hilfe, wenn ein Segel gerissen oder ein Mast gebrochen ist, wenn Ausrüstung fehlt und Proviant gebraucht wird.

Peter ist ein Fixpunkt der Insel, ein Kuriosum, wie es nicht mehr oft zu finden ist. Selbst Briefe werden aufbewahrt. Bis der Adressat irgendwann wieder auf Faial auftaucht.

Anreise:Direktflüge nach Faial ab Deutschland gibt es nicht. Sata Air Azores fliegt von Lissabon die Inselhauptstadt Horta an. Oder man fliegt Ponta Delgada auf São Miguel an, mit Flügen etwa ab Nürnberg oder Frankfurt/Main. Von dort gibt es Anschlussflüge nach Horta.

Erleben:Im Peter Café Sport kann man Whale-Watching-Touren, Tauchgänge zur Princess Alice Bank, einem Tiefseeberg im Atlantik, und weitere Ausflüge buchen. Die Preise richten sich nach der Teilnehmerzahl.

Informationen:Posto de Turismo do Faial, Rua Vasco da Gama 9900-117 Horta, Telefon   +351 292 292 237; E-Mail: pt.fai@azores.gov.pt


     www.petercafesport.com 
     www.visit-azoren.de 
Reise- und Sicherheitshinweise unter   http://dpaq.de/uadag 

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