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Aktualisiert vor 15 Minuten.

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NWZonline.de Ratgeber Reise

Im Stollen wartet die ganz große Ruhe

28.01.2017

Berchtesgaden In dem schwarzen Schutzanzug mit weißen Warnstreifen kommt man sich vor wie ein Grubenarbeiter. Die kleine grüne Elektrobahn fährt 650 Meter in den Berg hinein. Kurz ein Stück zu Fuß, dann auf einer Holzrutsche weitere 34 Meter hinab. Das Salzbergwerk Berchtesgaden ist das älteste aktive Bergwerk Deutschlands – und bietet Einblick in 500 Jahre Geschichte.

Im Jahr 1517 wurde der erste Stollen angeschlagen. Noch 50 aktive Bergleute arbeiten heute unter Tage, weiß Peter Botzleiner-Reber, Tourismus-Leiter beim Salzbergwerk. Kein Vergleich zu den rund 360 000 Besuchern pro Jahr.

Die Zeitreise unter Tage führt zum Spiegelsee. Sein Salzgehalt: knapp 30 Prozent. Das Meer hat drei bis vier. Auf eine mystische Floßfahrt folgt mehr Wissenswertes zu Salzentstehung, Bergknappenuniformen, endlosen Pipelines und Wetterschächten. Noch eine Rutsche und ein Aufzug. Schon spuckt die Grubenbahn die Freizeitbergleute wieder aus. Eines bleibt bei all den Infos hängen: Salz ist kostbar.

Weniger abenteuerlich, aber nicht weniger schön ist ein Besuch im Salzheilstollen des Bergwerks. Der wurde 1990 für die Behandlung von Atemwegsbeschwerden gebaut. Mit Kuscheldecke geht es auf eine der rund 70 Liegen am Solebrunnen. 14 Grad hat der Heilstollen, immer. Kleine Lichtquellen schimmern gelb und rot. Wärmflasche? Danke, gern.

Es folgt Tiefenentspannung. Wasserrauschen, Sphärenklänge. So mancher muss sanft am Schnarchen gehindert werden. Strecken, aufstehen. Ein Glas Wasser mit Sole. Wie Bouillon, nur kalt. Neben Entspannungs- gibt es Gesundheitseinfahrten. „Als unterstützende Therapie“, sagt Jan von Werthern vom Heilstollen-Marketing. Abgeschirmt vor Elektrosmog unter Tonnen reinem Steinsalz ist die Luft fühlbar pollenfrei.

Durchatmen geht in Berchtesgaden auch außerhalb des Heilstollens. „Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land“, schrieb der Schriftsteller Ludwig Ganghofer einst. Gott und Engelbert Aigner dürften sich einig sein. Das Berchtesgadener Land – für Aigner ist es Heimat, Brauchtum, Kultur und Leben. „Total verwurzelt“ sei er mit seiner Region. Dass er einen der ältesten Berufe Bayerns wählte, scheint logische Konsequenz. Aigner ist Säckler, genauer gesagt Lederhosenmacher. Seine beiden Söhne tun es ihm nach.

Die Tradition lebt auch in der ältesten Enzianbrennerei Deutschlands, die kostenlose Brennereiführungen, hochprozentige Kostproben und eine Museumsbrennhütte bietet. Seit 1692 hat man bei Grassl Brennrecht auf Wacholder, Enzian und Meisterwurz. Ein Teil des Sortiments wird im Tal und vieles auf Brennhütten erzeugt, in denen so mancher Wanderer sich Kostproben mitnimmt. Inmitten einer der Hütten zündet Bergbrenner Hubert Ilsanker gerade Holz unter einem Kupferkessel an. Ein Auszug aus Lavendel, Zitrone, Wacholder, Gebirgswasser und geheimen Zutaten gärt daneben. Gin ist der neuste Coup der Gebrüder Martin und Florian Beierl, die bei Grassl die Geschäfte lenken.

Destillateur Florian Beierl ist auch Historiker. Er hat ein Buch geschrieben über den Berchtesgadener Obersalzberg, der zwischen 1923 und 1945 vom Bergbauernidyll zum Führersperrgebiet wurde. Reminiszenz dieser Zeit ist das Kehlsteinhaus auf 1834 Metern Höhe. Dem Felsen abgerungen bringt ein Aufzug aus hochpoliertem Messing heutzutage Touristen im Minutentakt zum „Adlerhorst“.

Einkehr im „Gasthof Auzinger“ direkt am Nationalpark in Ramsau. Es gibt Gekochtes und Gebratenes aus einem 150 Jahre alten Holzofen – und die ungewöhnlich musikalische Wirtsfamilie Hillebrand. An Silvester spielt sie für die Gäste auf – vom Seniorchef bis zum Enkelkind. Das ist noch so eine Tradition im Berchtesgadener Land.

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