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NWZonline.de Ratgeber Reise

Paläste aus Zarenzeiten und ein Schwalbennest

23.11.2019

Jalta „Stadt des Glücks“ steht auf dem Banner am steinigen Strand von Jalta. Ein Spruch wie aus einer anderen Zeit. Über dem Schwarzmeer-Kurort auf der Halbinsel Krim hängt an diesem Tag eine bleierne Hitze. Auf der Uferpromenade flanieren Besucher – vorbei an Cafés und Restaurants mit vielen freien Plätzen.

„Es kamen früher Touristen aus vielen Ländern mit riesigen Ausflugsdampfern“, sagt Swetlana an ihrem kleinen Stand mit großem Angebot. Sie verkauft Touren zu den einstigen Sommerresidenzen der Zarenfamilie und des russischen Adels – allerdings alles auf Russisch, weil Gäste aus dem Ausland heute eher selten sind. Seit Russland sich die Krim vor fünf Jahren einverleibte, ist vor allem das Reisen aus dem Westen schwieriger geworden.

Für 1400 Rubel (20 Euro) bietet Swetlana einen fünfstündigen Ausflug mit Minibus und Boot an geschichtsträchtige Stätten, zum Liwadija-Palast zum Beispiel. Hier legten 1945 der sowjetische Diktator Josef Stalin, US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die Nachkriegsordnung fest.

Ein neues Monument mit den drei Staatenlenkern erinnert an das historische Ereignis. Es ist auch ein Denkmal für den Sieg der Sowjetunion über den Hitlerfaschismus. Bis 1944 hatte die Wehrmacht die Krim besetzt. Mit der Annexion vor fünf Jahren holte sich Russland auch ein Stück seiner Geschichte zurück. Das Leben hier wird nun wieder komplett aus der russischen Hauptstadt gesteuert.

Touristen aus dem Westen müssen Bargeld bei sich haben, weil Bankautomaten, Läden, Hotels und Restaurants weder westliche Geldkarten noch Schecks akzeptieren. Der Massentourismus mit dem Zug vom ukrainischen Kernland ist weggebrochen. Zudem klagen viele Einheimische darüber, dass alles viel teurer geworden ist.

Die Reiseführerin Warwara spart diese konfliktreichen Punkte aus. Ihr Thema sind die schönen Seiten, die prachtvollen Paläste, die Gärten. Ein Höhepunkt der Tour ist der Ort Alupka mit dem Woronzow-Palast, wo Churchill einst übernachtete. Wie viele der Prachtbauten an der Küste diente auch dieser Palast dem sowjetischen Arbeiter- und Bauernstaat einst als Sanatorium. Heute ist die Anlage als Museum geöffnet.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang geht es weiter mit dem Minibus auf der holprigen Straße. Die Luft ist wegen der vielen Autos und Schiffe mit ihren wabernden Abgasen dick in Jalta. Der Luftkurort sei nicht mehr, was er mal war, sagt die Gästeführerin.

Dann taucht es auf über dem Meer: das märchenhafte Schlösschen „Schwalbennest“. Im mittelalterlichen Stil mit seinen spitzen Türmen ist es das Wahrzeichen der Südküste. Ein Ausflugsschiff wartet unter dem Schloss auf die Gäste – für die Rückkehr in den Hafen. Die Schiffstour geht vorbei an hohen Bergketten mit gigantischen Hotelburgen aus Sowjetzeiten. Am Pier in Jalta erinnern Wracks und Ruinen alter Bootsstege daran, dass es hier schon glücklichere Zeiten gab.

Informationen: Tourist portal of the Republic of Crimea (Telefon  +7 978 9110385, E-Mail: info@travelcrimea.com)


     https://en.travelcrimea.com/ 
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