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NWZonline.de Ratgeber Reise

Letterboxing: Schatzsuche mit Kompass und Köpfchen

20.02.2021

Kaiserslautern, Heilbronn Man nehme einen Kompass, ein Logbuch samt Stift, einen eigenen Stempel und lade sich im Internet eine Wegbeschreibung, den sogenannten Clue herunter. Und dann geht es los in die Natur, um eine versteckte Box zu finden – die sogenannte Letterbox. So lässt sich diese besondere Art der Schnitzeljagd oder Schatzsuche beschreiben.

Jochen Zimmermann aus Kaiserslautern ist schon seit zehn Jahren begeisterter Letterboxer. Der Informatiker schätzt es, mit seiner Frau nach stundenlanger Arbeit am Bildschirm in der Natur abschalten zu können, wie er erzählt. Seit der Corona-Pandemie beobachtet der 46-Jährige mehr Anmeldungen als sonst im Forum der Internetseite „Letterboxing-Germany“, die er mitbetreut.

Das Faszinierende für ihn: „Die Leute, die eine Letterbox verstecken, geben sich in der Regel viel Mühe. Dadurch wird man an Plätze geführt, an die man sonst nicht hinkommt“, sagt Zimmermann. Auch beim Ausdenken von Wegbeschreibungen in Rätselform seien viele kreativ.

In den Clues – den Wegbeschreibungen – finden sich beispielsweise Bilder- oder Kreuzworträtsel oder verklausulierte Erklärungen wie: „Am Parkplatz suche das weiße Schild mit grüner Schrift am elektrischen Zaun am Telefonmast. Die Zahl auf dem Schild ist die Variable A. Gehe in 30A = ?? Grad zum Wegweiser.“

Eine „Letterbox“ – zu Deutsch „Briefkasten“ – besteht aus einer wasserdichten Dose, die an einer schönen Stelle in der Natur versteckt ist. In ihr befindet sich ein Logbuch und ein Stempel. Wer sie findet, darf sich im Logbuch mit seinem mitgebrachten Stempel verewigen und kann dort auch eine kleine Nachricht über die Tour hinterlassen. In das eigene Logbuch kommt ein Abdruck des Stempels aus der gefundenen Box – als Beweis für den Fund und als Erinnerung.

Eine Letterbox muss allein mit Clue und Kompass, also ohne technische Hilfsmittel zu finden sein. Die Letterboxer verstehen sich als eine Gegenbewegung zu den Geocachern, die auf ihr Smartphone oder ein GPS-Gerät angewiesen sind, erklärt Zimmermann.

Ursprung in England

Außerdem sei die Geocacher-Szene um ein Zigfaches größer. Viele der eingefleischten „Jäger“, die im Letterbox-Forum aktiv sind, kennen sich persönlich und treffen sich einmal jährlich, um sich über ihre gefundenen Boxen und Touren auszutauschen.

Das Letterboxing soll bereits 1854 entstanden sein, als ein Engländer im Dartmoor, einer Hügellandschaft in Devon, eine Glasflasche mit seiner Visitenkarte versteckte und Wanderer ermutigte, dort ebenfalls ihre Visitenkarte zurückzulassen. Später wurde die Flasche durch eine Blechdose ersetzt und mit einem Buch bestückt, in das sich die Entdecker dieser Box – der Letterbox – eintragen konnten.

In Deutschland wurde 2002 die erste Letterbox im pfälzischen Bad Dürkheim versteckt. Bis heute gibt es in Rheinland-Pfalz die meisten Letterboxen: Rund 600 sind dort versteckt, weitere 400 sind in den anderen Bundesländern zu finden, erzählt Zimmermann, aber auch im Ausland – manch passionierte Letterboxer oder „Placer“ wollten schöne Routen in ihrem Urlaub mit anderen teilen.

Karolin Walter, Lehrerin an der Hölderlin-Grundschule in Lauffen am Neckar bei Heilbronn, hat seit der Corona-Zeit fast ihre gesamte Schule fürs Letterboxing begeistert. Speziell für ihre Schule hat sie sich zehn Touren ausgedacht, die sie unter dem Nicknamen „Grüne Pfoten“ auf der Letterboxing-Internetseite für alle zugänglich gemacht hat. Bei ihren Touren erleben die Kinder im Sommer ein Froschkonzert, kommen an einer Mineralwasserquelle vorbei, besuchen einen ehemaligen römischen Gutshof oder waten in einem Barfuß-Pfad durch den Matsch.

Lieblingsplätze zeigen

Die Lehrerin freut sich, ihren Schülern auf diese Weise ihre Lieblingsplätze in der Natur zu zeigen, die sie beim spazieren gehen mit ihren drei Hunden kennengelernt hat. Außerdem schätzt die Pädagogin, dass Kinder dabei auch lernen, mit dem Kompass umzugehen.

Wer mit dem Letterboxen anfangen will, dem rät sie, sich im Internetforum eine relativ neu versteckte Tour herauszusuchen und auch die Kommentare dazu gründlich zu lesen. „Dann weiß man, ob man tatsächlich ans Ziel kommt.“

Jochen Zimmermann empfiehlt außerdem Anfängern, genug Zeit einzuplanen und lieber eine kürzere Tour zu wählen. „Das Rätseln kostet auch Zeit.“ Ein wenig Übung ist manchmal nötig, weiß der begeisterte Letterboxer und lacht: „Meine erste Tour war ehrlich gesagt eine Katastrophe. Wir haben das Ding nicht gefunden.“

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