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NWZonline.de Ratgeber Reise

Tourismus: Mehr Sicherheit für Urlauber

26.05.2018

Kempten /Stuttgart Flugverbindung heraussuchen, ein Hotel wählen und vielleicht noch einen Mietwagen dazubuchen: Viele Urlauber stellen sich ihre Reise heute mit wenigen Klicks im Internet zusammen. Damit sie künftig weitreichender geschützt sind, gilt ab dem 1. Juli ein neues Reiserecht in Deutschland. Es handelt sich um die Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie. Ihr ursprünglicher Zweck: Online-Buchungen auf Portalen besser absichern. Die Reform hat jedoch unvorhergesehene Folgen – auch für Reisebüros.

Bisher hatte der Urlauber die Wahl zwischen einer Pauschalreise und einer Individualreise aus einzelnen Leistungen wie Flug, Hotel und Mietwagen. Das Pauschalpaket ist gut abgesichert: Der Urlauber bekommt bei Insolvenz des Veranstalters sein Geld zurück, kann bei Mängeln den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen. Wer dagegen alles einzeln bucht, hat dieses Recht nicht - dann gilt allgemeines Vertragsrecht, etwa Beherbergungsrecht bei Hotels und Mietvertragsrecht bei Ferienwohnungen.

Künftig gibt es eine dritte Kategorie: die verbundene Reiseleistung. Diese Rechtsform entsteht, wenn ein Vermittler – entweder Reisebüro oder Portal – dem Urlauber mindestens zwei Leistungen für dieselbe Reise binnen eines Tages verkauft und dabei verschiedene Rechnungen etwa der Airline und des Hotels entstehen. Die einzelne Leistung muss mindestens 25 Prozent des Gesamtpreises ausmachen. In diesem Fall muss der Vermittler für alle kassierten Kundengelder eine eigene Insolvenzabsicherung vorlegen, wie der Reiserechtsexperte Prof. Ernst Führich aus Kempten erklärt. Geht also etwa ein Portal pleite, bekommt der Urlauber das angezahlte Geld zurück.

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Doch das ist nicht alles: Welche Art von Reise der Urlauber bucht, darüber muss der Vermittler künftig mit einem Formblatt explizit informieren. Tut er das nicht, wird er automatisch zum Reiseveranstalter, erklärt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es gilt dann Pauschalreiserecht. Der Urlauber kann vom Portal zum Beispiel nachträglich einen Teil des Reisepreises zurückfordern, wenn im Urlaub Mängel aufgetreten sind.

Die Informationspflicht hat folgenden Sinn: Der Urlauber soll bei der Buchung einer Reise aus verschiedenen Bausteinen einzelner Anbieter nicht irrtümlich glauben, er kaufe eine Pauschalreise. Dabei hat der Gesetzgeber vor allem an Online-Buchungen gedacht, bei denen oft mit wenigen Klicks die Flüge und das Hotel gebucht werden.

Die Neuregelung zum Schutz des Verbrauchers gilt jedoch nicht allein für Online-Portale, sondern auch in den Reisebüros. Auch dort herrschte in den vergangenen Monaten große Unsicherheit. „Die Reisevermittler haben Angst, zum Veranstalter zu werden, wenn sie das falsche Musterformblatt verwenden“, berichtet Führich von seinen Erfahrungen in der Branche. Denn das Reisebüro muss künftig jede Einzelleistung separat buchen und abrechnen – und das richtige Formblatt aushändigen.

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