KOPENHAGEN - It‘s Showtime in der dänischen Hauptstadt: Das Kopenhagener Jazzfestival im Juli wirkt alljährlich wie ein Spinnennetz improvisierter Klangfäden, das die ganze Stadt zehn Tage in einem Kokon größtmöglicher öffentlicher Lockerheit vibrieren lässt. An über 100 Spielorten werden Dänen und Touristen vom 6. bis 15. Juli in über 1000 Konzerten mit Jazz infiziert.
Topstars wie Wayne Shorter, Anoushka Shankar und Tony Allen werden wieder im Tivoli und Schauspielhaus auftreten, während draußen auf der Straße Newcomer der Szene sich mit etablierten Dänen wie Jakob Bro zusammen versuchen.
Täglich werden Plätze zwischen Universität und Vor Frue Kirche, am Schauspielhaus, im Ausgehhafen Nyhavn und am Kulturhafen Islands Brygge bespielt. Die große Mehrzahl der Konzerte kostet nichts, wie etwa im Stadtpark Kongens Have.
Die kinderfreundliche Stadt hat sogar ein tägliches Programm „Jazz for Kids“, wo angesagte Bands gern für ausgelassenes Spektakel sorgen etwa vor dem Staatlichen Kunstmuseum. Gleichzeitig musiziert im Museum der improvisatorisch-lyrische Saxofonist Torben Snekkestad aus Norwegen mit dem englischen Topbassisten Barry Guy, dem Dänen Søren Kjæergaard am Flügel und dem drummenden Altmeister Andrew Cyrille. Snekkestad trifft man später in den Backsteinställen des alten Schlachterviertels als schrägen Multibläser wieder, während Cyrille im Schauspielhaus Solo-Schlagzeug spielt.
„Kopenhagen wird mit Jazz echt sexy“, kommentiert ein Einheimischer die Mischung aus High Heels auf Kopfsteinpflaster, Bier und Swingtanzen. Wie sexy und romantisch-lyrisch dänischer Jazz auch klingen kann, beweist die Band „Girls in Airports“ vor Tausenden auf dem Vor Frue Plads. Martin Stender, Saxofonist in einer heißen Fünfer-Boygroup ohne Bass und Gitarre, findet: „Das ist die unjazzigste Jazzband, in der ich bislang gespielt habe.“ Noch intensiver geben sich spätabends Bands wie Grammofunch im Hof der Kunstakademie. Während der Tag am anderen Ende der Stadt, zwischen den beiden Hafenfreibädern, bigbandgewaltig mit dem Konzertmotto „Jazz by the Sea“ ausklingt.
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