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NWZonline.de Ratgeber Reise

Entdeckungen unter dem Marktplatz

02.11.2019

Krakau Der Krakauer Marktplatz, morgens, kurz vor zehn: Die Tuchhallen in der Mitte des Platzes werfen noch einen langen Schatten, die Blumenfrauen und Tauben sind schon da und die weißen Touristenkutschen auch, lauter Zweispänner, in Reih und Glied. Und so langsam trudelt auch die Kundschaft ein. Der „Rynek“ ist Pflicht bei einem Krakau-Besuch, er ist das Zentrum der Stadt, ein fast italienisch anmutendes Ensemble mit Marienkirche, Tuchhallen und Rathausturm.

Auch wer Krakaus Unterwelt kennenlernen möchte, sollte sich morgens ab zehn auf dem Marktplatz einfinden, und zwar an der Ostseite der Tuchhallen, denn dort befindet sich der Eingang zum „unterirdischen Marktplatz“. Vier Meter unter dem Pflaster des Hauptmarktes entstand auf einer Fläche von 3400 Quadratmetern ein Museum, in dem man geradezu durch die Jahrhunderte spaziert.

Durch einen Vorhang aus Dampf betritt der Besucher zunächst einen mittelalterlichen Marktplatz. Die Krakauer waren mehr Händler als Produzenten, lag ihre Stadt doch an einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen Ostsee und Mittelmeer: der Bernsteinstraße. Andere Routen führten ans Schwarze Meer und zu den großen Hansestädten im Westen.

Und so versetzte der Handel mit Kupfer, Blei oder Salz manch einen Krakauer in die Lage, sich auch mit mittelalterlichen Luxusartikeln wie Seide oder Gewürzen einzudecken, an die im Museum die Gasse der „Reichen Stände“ erinnert. Zunftwesen und Handwerkskunst, Schmuck und Spielwaren, Waffentechnik und Bestattungskultur – die Ausstellung ist eine Art begehbares Geschichtsbuch. Da darf es draußen ruhig mal ein paar Stunden regnen.

Welt aus Salz

Fast wünscht man dem Krakau-Besucher sogar ein kleines meteorologisches Tief, damit er sich auf keinen Fall das Salzbergwerk in Wieliczka entgehen lässt, etwa zehn Kilometer südöstlich vom Krakauer Zentrum. Wieliczka ist seit 1978 Unesco-Weltkulturerbe, ein gigantisches unterirdisches Labyrinth, bestehend aus neun Ebenen, 2391 Kammern und einem gut 300 Kilometer langen System von Gängen, die bis zu 327 Meter in die Tiefe führen.

Vom Mittelalter bis 1996 wurde hier Salz abgebaut. Die polnischen Könige erzielten daraus 30 Prozent ihrer Einkünfte, erzählt Marzena Chwast, die uns durch diesen „Emmentaler“ führt. Die Touristenroute endet 135 Meter unter Tage. Unterwegs lernen wir mehrere der insgesamt 26 unterirdischen Kapellen kennen. Zweimal am Tag gab es für die Bergleute einen Gottesdienst, angesichts ihrer gefährlichen Arbeit und wiederholter Todesfälle suchten sie himmlischen Beistand.

Die größte Kapelle ist die der Heiligen Kunigunde, 54 Meter lang und bis zu zwölf Meter hoch – eine unterirdische Kirche und zugleich ein Konzertsaal für das mineneigene Orchester, ausgestattet mit Kronleuchtern, Skulpturen und Flachreliefs aus Salz. Ein Relief zeigt das Letzte Abendmahl, ein anderes den zwölfjährigen Jesus mit einem Lehrer, der – kleiner historischer Irrtum – bereits im Besitz von Büchern ist.

Die Kapelle ist in weiten Teilen das Werk von nur drei Bergmännern – sie erschufen diese fantastische Welt aus Salz in fast 70 Jahren, von 1895 bis 1963. Später kam dann noch der in Polen sehr beliebte Papst Johannes Paul II. hinzu. Er wurde ebenso in Salz gehauen wie Goethe, der 1790 seine Unterschrift im Gästebuch hinterließ.

Gut zwei Stunden dauert unsere Runde durch diese Mine mit ihrem gesunden Mikroklima und einer konstanten Temperatur von etwa 15 Grad (Pullover mitnehmen). Der Rückweg ist leicht: zwei Glockenschläge, und schon ruckelt der Fahrstuhl los – 40 Sekunden später sehen wir wieder Tageslicht.

Krakau rühmt sich (wie ein paar andere Städte auch), die höchste Kneipendichte der Welt zu haben. Mehrere Hundert sind es auf jeden Fall. Allein die Zahl der Kellerkneipen soll dreistellig sein. Die meisten liegen rund um den Marktplatz. Im Mittelalter häuften die Krakauer hier Abfall, Sand und Mist auf. So wuchs die Stadt allein in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts um zwei bis drei Meter – sonst gäbe es heute keine Keller.

Berühmte Kellerkneipen

Großer Beliebtheit erfreuen sich vor allem die Jazz-Keller. Jeden Abend Live-Musik gibt es zum Beispiel im „U Muniaka“. Die Luft ist zum Schneiden, jedenfalls im Sommer, doch was juckt das einen echten Fan, die schweren Ledersessel an den elf Tischen sind alle besetzt. Ebenfalls in einem alten Kellergewölbe spielt die Musik im „Piano Rouge“. Hier versackt der Gast im plüschigen Sofa unter roten Lampen mit langen Fransen – ein Ort, dem man sich zunächst mit einer gewissen Skepsis nähert, das aber ohne Grund.

Auch Polens vielleicht bekanntestes Kellerlokal befindet sich am Markt. Das „Pod Baranami“ („Keller unter den Widdern“) war anfangs ein Treff von kunstinteressierten Studenten und entwickelte sich dann zur ersten Adresse in Sachen Jazz und Kabarett. Im Untergeschoss eines Hauses, in dem sich im Mittelalter eine Metzgerei befand, wurden schon zu kommunistischer Zeit die scharfen Messer der Satire gewetzt.

Wer dann zu später Stunde den Keller wieder verlässt, wundert sich, dass noch Hunderte von Menschen auf dem Marktplatz sind und die weißen Kutschen immer noch ihre Runden drehen. Die eisernen Tore der Tuchhallen sind längst geschlossen, nur die hell erleuchteten Zinnen heben sich vom dunklen Abendhimmel ab. Vor den Lokalen ist in der wärmeren Jahreszeit selbst gegen 23 Uhr noch fast jeder Tisch besetzt, vielleicht aber auch, weil die Leute in dieser Stadt, die noch so viel mehr zu bieten hat, tagsüber vor lauter Staunen einfach ihren Hunger vergessen haben.

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