KUALA LUMPUR - Jill Yeoh hat einen festen Griff und ein gutes Gedächtnis. Während sie kraftvoll meinen linken Fuß massiert, gibt sie Annabell von Tourism Malaysia, die neben mir behandelt wird, zu verstehen, dass sie sie wiedererkannt hat – nach fast zwei Jahren. Die beiden chinesischen Masseurinnen in orangefarbenen Polohemden arbeiten in einem der vielen 24-Stunden-Fußmassagestudios an der Einkaufsstraße Jalan Bukit Bintang im Herzen Kuala Lumpurs, meist nur „KL“ genannt.
Blick über die Stadt
Fußmassage ist Kult – für Männer und Frauen – und nach einem zwölfstündigen Flug von Frankfurt nach KL genau das Richtige, um anschließend die gigantischen Shopping-Malls mit ihren internationalen Designer-Marken zu erkunden. Schlafen ist später.
Geschäftsleute, Touristen und Rucksackreisende aus aller Welt zieht es nach Kuala Lumpur mit seinen berühmten Petronas-Twin-Towers (452 Meter). Vom Skybridge genannten gläsernen Verbindungskorridor hat man einem hervorragenden Blick über die ganze Stadt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Sri Mahamariaman, der wohl prächtigste Hindu-Tempel von ganz Malaysia, sowie das Sultan- Abdul-Samad-Gebäude mit seinen maurischen Stilelementen und der Königspalast „Istana Negara“.
Wer sich die exklusiven Designer nicht leisten kann, findet in Chinatown, das niemals schläft, oder in Little India schöne Dinge zum kleinen Preis. Dort gibt es auch schon ab 20 Euro pro Nacht ein Hotelzimmer. Preiswerte Fortbewegungsmittel zu vielen Sehenswürdigkeiten sind der Hop-on-hop-off-Bus, der 40 Stationen anfährt, die Magnetschwebebahn Monorail und Taxis.
Der Duft von Gewürzen in den Garküchen am Straßenrand macht Appetit. Annabell führt uns ins „Precios Old China Restorant“ im Central-Market, wo feinste Baba-Nyonya-Küche (chinesisches Essen mit malaiischen Gewürzen) serviert wird.
Baba-Nyonya sind die Nachkömmlinge chinesischer Männer und malaiischer Frauen. Sie werden auch Straits-Chinesen genannt (nach der Straße von Malakka). Denn in der Hafenstadt – 40 Kilometer südlich von KL –, die seit 2008 Weltkulturerbe ist, gingen die Arbeiter und Kaufleute zuerst an Land. Dort gibt es auch ein sehenswertes Baba-Nyonya-Heritage-Museum.
Große Gastfreundschaft
Malakka, dessen Glamour ein wenig verloren gegangen war, erstrahlt in neuem Glanz. Museen und Häuser wurden renoviert, neue Luxushotels gebaut. Ein „lebendiges Museumsdorf“ zieht sich am Fluss entlang, auf dem eine abendliche Bootsfahrt lohnt. Malaysias Herz schlägt in der holländisch-portugiesisch geprägten Altstadt.
Die multikulturelle Gesellschaft des „Paradieses im Südchinesischen Meer“ spiegelt sich in der Architektur, in den zahlreichen farbenfrohen Festivals und in der hervorragenden Küche wider. Die malaysischen Bevölkerungsgruppen – Malayen, Chinesen, Inder und Europäer – leben friedlich miteinander und zeichnen sich durch eine große Gastfreundschaft aus.
Die jährliche Straßenparade „Colours of Malaysia“, an der auch der König teilnimmt, repräsentiert den Schmelztiegel der Kulturen. Sie findet in Kuala Lumpur auf dem Dataran Merdeka (Platz der Unabhängigkeit) statt. Das Gelände gehörte einst dem angrenzenden noblen Royal Selangor Club von 1884. Eine der letzten Männerbastionen, die auch der Prinz von Wales besuchte. Frauen und Kinder unter 18 Jahren haben bis heute keinen Zutritt.
Da bevorzugen Annabell und ich doch den Massagesalon an der Jalan Bukit Bitang, den wir nach acht Tagen quer durch Malaysia vor unserem mitternächtlichen Heimflug noch einmal aufsuchen. Jill Yeoh hat schon Feierabend, aber zwei männliche Kollegen in orangefarbenen Polohemden nehmen sich nun gekonnt unserer müden Füße an.
