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NWZonline.de Ratgeber Reise

Frankreich: Lieblingstochter als Namensgeberin

14.05.2011

NIZZA Ohne einen 1853 in Leipzig geborenen Herrn Jellinek gäbe es heute keinen Mercedes. Der Sohn eines jüdischen Rabbiners aus Wien war es nämlich, der im Jahre 1900 durchsetzte, dass das bis dahin schlicht „Daimler“ heißende Auto auf den Namen seiner Lieblingstochter Mercedes (Adrienne Ramona Manuela) umgetauft und damit weltberühmt wurde. Nach seinem Tod in Genf setzte sich Jellinek auf dem prominenten Schlossberg-Friedhof von Nizza, seiner zweiten Heimat, ein Denkmal, das bis heute von der Stuttgarter Daimler AG gepflegt wird, in das der 1918 Verstorbene aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg umgebettet werden konnte. So wurde verspätet seinem letzten Willen entsprochen, neben seiner ersten Frau Rachel Gogmann beigesetzt zu werden, der französischen Mutter von Mercedes.

Feine Kreise

Emil Jellinek war das schwarze Schaf seiner Familie. Im Unterschied zu seinen beiden älteren Brüdern brach er die Schule ab und drohte, auf die schiefe Bahn abzugleiten. Überraschend aber wurde er ein erfolgreicher Versicherungskaufmann, betuchter Börsenspekulant und einflussreicher Diplomat. Während seiner Zeit als Vizekonsul in Algier heiratete er 1874 in Tetuan die junge Rachel aus einer französisch-sephardischen Familie. 1893, als Mercedes vier Jahre alt war, starb ihre Mutter an einer Blutvergiftung.

Von nun an überwinterte die Familie oft an der Côte d’ Azur. Jellinek begann, sich für Autos zu begeistern. Er bewegte sich in immer feineren Kreisen der Gesellschaft, baute seine Kontakte zur internationalen Hochfinanz aus, warb dort für Daimler-Automobile und vertrieb sie mit wachsendem Erfolg.

Dabei war die enge Verbindung zwischen ihm und der „Daimler-Motoren-Gesellschaft“ (DMG) eher zufällig zustande gekommen, nachdem ihm eine Zeitungsanzeige der Daimler-Werke ins Auge gefallen war. 1893 reiste der 43-Jährige nach Cannstatt, lernte Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach kennen und bestellte sein erstes Auto, das ihm mit einer Spitzengeschwindigkeit von 24,4 Stundenkilometern jedoch viel zu müde erschien. Also orderte er bei Maybach zwei weitere Wagen, die mindestens 40 Sachen fahren sollten. 1896 bestellte er nochmals vier Automobile und erhielt 1898 endlich sein Traumauto mit dem Vierzylinder-Motor.

Mercedes Jellinek war zehn Jahre alt, als ihr Vater 1899 seinen 28 PS starken Daimler-Tourenwagen nach ihr benannte und zu Werbezwecken als Rennwagen anmeldete. Der nächste mit einem neuen 35 PS starken Motor ausgerüstete und von DMG-Chefkonstrukteur Maybach entwickelte Rennwagen wurde am 22. Dezember 1900 an Jellinek ausgeliefert und erregte großes Aufsehen. Jellinek war von dem Fahrzeug derart durchdrungen, dass er, der ab April 1900 im DMG-Aufsichtsrat saß, insgesamt 36 Automobile für 550 000 Goldmark zum Weiterverkauf erwarb.

Villen und Hotels

Von 1902 an trugen sämtliche Fahrzeuge aus der DMG-Produktion den Namen Mercedes. 1903 gründete Jellinek zusammen mit der DMG und mehreren Großbanken die „Société Mercédés“ in Paris. Im selben Jahr erhielt er von der Wiener Statthalterei die Genehmigung, sich Emil Jellinek-Mercedes nennen zu dürfen, was er mit den Worten kommentiert haben soll, „wohl zum ersten Male trägt ein Vater den Namen seiner Tochter“.

Villen und Hotels

Villen und Hotels

In den Namen Mercedes muss Emil Jellinek-Mercedes vernarrt gewesen sein: Er nannte nicht nur seine Tochter und seine Automobile so, sondern auch seine (inzwischen abgerissenen) Villen in Nizza (54, Promenade des Anglais, einen Steinwurf vom Negresco entfernt) und in Baden bei Wien sowie seine Yacht.

1907 wurde Emil Jellinek-Mercedes zum österreichisch-ungarischen Generalkonsul ernannt und wenig später zum Konsul von Mexiko. 1908/1909 beendete er seine Verbindung mit der DMG, um sich auf seine Arbeit als Leiter des österreichisch-ungarischen Konsulates in Monaco konzentrieren zu können.

Inzwischen hatte er auch angefangen, teure Immobilien zu „sammeln“. Ebenfalls an der Promenade kaufte er in Nizza die „Villa Mercedes II“, außerdem zwei Hotels. Dann erwarb er das riesige Château Robert zwischen Nizza und Toulon und ein Hotel in Paris.

Der Markenname Mercedes wurde auch nach der 1926 erfolgten Verschmelzung der Daimler-Fabrik in Stuttgart mit Benz & Cie. in Mannheim beibehalten.

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