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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Städte-Hopping auf Spuren der Hanse

26.06.2021

Lübeck Wer an typische Hansestädte denkt, dem kommen Bilder aus Hamburg oder Bremen und vor allem aus Lübeck in den Sinn. Doch dem hansischen Städtebund gehörten fast 200 Städte an. So manche überraschen!

Das imposante Holstentor zeigt bis heute die alte Macht und den Wohlstand Lübecks. Die Stadt an der Trave schwang sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts zur Königin der Hanse auf. 200 Jahre später hielt Lübeck, damals die bevölkerungsreichste Stadt an der Ostsee, die Zügel des Städtebundes fest in der Hand.

Hierzulande spannte sich ein enges Wegenetz zwischen Hafen-, aber auch zahlreichen Binnenstädten. Die meisten der bis zu 200 Orte, die zeitweise dem Hansebund angehörten, gerieten nach dem Ende der Hanse im 17. Jahrhundert in Vergessenheit. Bis die niederländische Stadt Zwolle 1980 den historischen Städtebund mit der Gründung der Neuen Hanse wieder aufleben ließ. Bis heute haben sich 193 Städte aus 15 Ländern mit Hansevergangenheit dem Bund angeschlossen. Manche von ihnen verwundern Reisende zunächst.

Buxtehude: Apfelblüte und Backsteingotik

Bereits im 13. Jahrhundert wurde das heutige 40 000-Seelen-Städtchen an der Este zur Hafenstadt. In ihrer schmucken Altstadt rund um das Hafenbecken können Besucher noch heute hansische Geschichte hautnah erleben. Ob auf einer Fahrt durch den grachtenähnlichen Fleth oder bei einem Bummel durch mittelalterliche Gassen, geprägt durch Fachwerk und die für die Hansezeit typische Backsteingotik. Überragt wird das Städtchen von der eindrucksvollen Kirche St. Petri.

Buxtehudes Lage – unweit der Elbe und vor den Toren der großen Hanseschwester Hamburg – machte die Stadt einst zum idealen Umschlagplatz, besonders für Getreide. Seit dem Jahr 2014 trägt sie wieder ihren verdienten Namen: Hansestadt Buxtehude.

Herford: Leinwand bis nach London

Werre und Aa mäandern durch die einst bedeutsame Hansestadt Herford in Ostwestfalen, die sich seinerzeit einen Namen im Leinwandhandel machte und bis nach London lieferte. Seit in Herford 1983 der neue Westfälische Hansebund gegründet wurde, lebt die Geschichte in den über 40 Mitgliedsstädten wieder auf. Wer sich in Herfords gotischer Jakobi-Kirche umsieht, wird auf etwas für diese Region Eigenartiges stoßen: eine mehr als zwei Meter lange Walrippe. Sie stammt von einem Wal, gestrandet vor der Nordseeinsel Juist. Die Rippe ziert den Sakralbau seit Ende des 16. Jahrhunderts als Symbol des Hansebündnisses.

Halle: Salz an der Saale

Sie gilt als eine der südlichsten Hansestädte Deutschlands. Ihr „weißes Gold“ brachte frühen Wohlstand. Halle blickt auf eine jahrhundertelange Hansebeziehung zurück. Hier hat sich eine bemerkenswerte Tradition aus der Hansezeit erhalten: die Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle.

Seit 1491 sind die Halleschen Salzwirker, sogenannte Halloren, in einer eigenen Bruderschaft organisiert. In Schauvorführungen können Neugierige noch heute Siedeprozesse nach dem Pfannenverfahren bestaunen und einen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Bruderschaft hat es 2014 sogar ins Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes geschafft.

Köln: Weinhaus der Hanse

Stromabwärts über die Niederlande bis zur Nordsee war der Weg nach London nicht mehr weit. Bereits im 12. Jahrhundert, lange vor dem ersten offiziellen Hansetag im Jahr 1358, gründeten Kölner Kaufmannspioniere ihr Handelskontor Stalhof an der Themse. Sowohl sie selbst, als auch ihre Waren standen damals unter dem Schutz des Königs Heinrich II. Ihr Exportschlager: Wein.

Köln, um 1430 mit rund 40 000 Einwohnern die größte deutsche Stadt, wurde reich durch Reben. Das Marktrecht für den Weinhandel machte Köln zum größten Stapelplatz für edle Tropfen.

So verwundert es nicht, dass in dieser Rheinstadt noch heute der zweitgrößte Binnenhafen Deutschlands liegt. Übrigens: Das rot-weiße Kölner Wappen reicht ebenfalls zurück bis zur Hansezeit und darüber hinaus. Schon damals flatterten an den Mastenden deutscher Handelsschiffe längliche Wimpel in Rot und Weiß, in den Farben des Heiligen Römischen Reiches.

Korbach: Die Spur des Goldes

Eine doppelte Stadtmauer umgibt schützend das beschauliche Korbach im Waldecker Land. Kein Wunder: Hier in Hessens einziger Stadt mit Hansevergangenheit wurde bereits im 11. Jahrhundert nach einem edlen Gut geschürft: Gold. In den Tiefen des Goldbergs meißelten sich Bergbauer in Schweißarbeit durchs Gestein – und wurden fündig. Korbach gilt als eine der größten Goldlagerstätten Deutschlands.

Korbach war keine klassische Hansestadt, aber unterhielt dennoch Beziehungen zur Hanse. Dies lag unter anderem an zwei alten Fernhandelsstraßen, die sich hier kreuzen.

Wer heute durch Korbach flaniert, genießt Ausblicke auf prachtvolle gotische Kirchen und kann sich an hübschen Fachwerkhäusern sattsehen. Und auf welchem Altstadt-Spaziergang flanieren Besucher schon entlang goldener, in den Boden eingelassener Embleme? Hier zumindest tun sie es, nämlich auf der Goldspur Korbach.


Informationen zum Fleth unter   http://dpaq.de/ssz25 
Salzwirker Bruderschaft unter   http://dpaq.de/waqze 
Goldspur Korbach unter   http://dpaq.de/lpzdx 
Kulturroute des Europarates unter   http://dpaq.de/fdo3t 
     hanse.org 

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