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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Camping in freier Natur mit Alpaka

03.07.2021

Lübz /Gerbstedt /Bingen Urlaub im Wohnmobil oder -wagen liegt im Trend. Bauernhöfe, Weingüter und Tierfarmen bieten Alternativen zu dicht gefüllten Campingplätzen.

Entspannt liegt Labrador Tristan zu Füßen seines Besitzers und hechelt im Schatten der Bäume die sommerliche Hitze weg. An die großen Vögel, die nur wenige Meter entfernt über die Wiese stolzieren, hat sich der Hundeveteran schon gewöhnt. „Ich war auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Das habe ich gefunden – und einen Anblick, den man hier nicht erwartet hätte“, sagt der 38-jährige IT-Programmierer Hendrik und streichelt dabei seinem Hund über das dunkle Fell.

Mit seinem Wohnmobil hat der Informatikfachmann aus Sachsen Station gemacht auf der Straußenfarm Riederfeld im mecklenburgischen Lübz. Von seinem bequemen Liegestuhl aus kann er das geschäftige Treiben der Straußenvögel in der von hohen Zäunen umgebenen Koppel gut beobachten. Wie Hendrik nutzen immer mehr Reisende mit Wohnmobil und Wohnwagen Angebote von Bauernhöfen, Weingütern oder Tierfarmen, um dort kurz Halt zu machen.

Freie Plätze finden

Für die Routenplanung greifen viele auf die Vorschläge von „Landvergnügen“ zurück, einem bundesweit agierenden Stellplatzvermittler. „Unser Reise- und Genussführer ist regelmäßig ausverkauft. In diesem Jahr trotz erhöhter Auflage schon weit vor Saisonbeginn“, berichtet Geschäftsführer Ole Schnack.

Zunächst habe der Katalog knapp 230 Betriebe aufgelistet, die Reisenden mit Wohnmobilen kostenlos für eine Nacht Stellplätze gewähren. Im Gegenzug werde erwartet, dass die Gäste dann auch im Hofladen oder im Weingeschäft einkaufen. Auf diese Weise sei ein Gastgebernetzwerk entstanden, das inzwischen bundesweit etwa 1300 Höfe unterschiedlichster Ausrichtung umfasse.

Auch auf einer Alpakafarm beobachten Herbert und Sabine Wisböck das Treiben der frisch geschorenen Lama-ähnlichen Tiere. Sie haben mit ihrem selbst ausgebauten Wohnmobil auf der Rückreise nach Bayern einen Zwischenstopp in Gerbstedt, einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt gemacht. Über den kostenpflichtigen Anbieter „Alpaca-Camping“ haben sie den Stellplatz in freier Natur gebucht.

Weiter Ausblick

„Es ist die Zufriedenheit und Ruhe, die man hier spürt. Man kann von der Arbeit abschalten und am Abend den Sonnenuntergang genießen“, sagte Herbert Wisböck. Auf rund 18 Hektar Fläche bietet Alexandra Scheffler ihre Wiese als Stellplatz an – direkt neben dem Alpakahof auf einem Hügel mit weitläufiger Aussicht auf Wälder und Ackerflächen.

Das Konzept ähnelt dabei dem von „Landvergnügen“: Statt im Hofladen einzukaufen, zahlen Gäste pro Nacht einen festen Preis. „Wir wollen den Campern ein schönes Erlebnis bieten, draußen in freier Natur übernachten zu können und gleichzeitig können Gastgeber sich etwas für ihre ungenutzten Flächen dazuverdienen“, sagte einer der Gründer der Plattform Dominik Quambusch. Rund 700 Plätze werden deutschlandweit angeboten.

Der Deutsche Tourismusverband sieht diese Entwicklung mit einigem Wohlwollen. „Das Angebot wird damit breiter. Und eine Konkurrenz zu den herkömmlichen Campingplätzen sehen wir nicht. Die Plätze haben eine gute Buchungslage und die Betreiber richtig viel zu tun“, konstatiert Verbandspräsident Reinhard Meyer. Rund 36 Millionen Übernachtungen würden auf den Plätzen jährlich gezählt, Tendenz steigend.

Schlafen bei Straußen

Monika Helfrich, die zusammen mit ihrem Mann auf dem platten Land zwischen Schwerin und Waren an der Müritz eine Straußenfarm aufgebaut hat, bietet Stellplätze an den Koppeln. Rund 100 Tiere, vom Küken bis zum altgedienten Hahn, tummeln sich auf dem weitläufigen Gelände in mehreren Gehegen.

Vor allem Tagesausflügler aus Hotels in der Seenplatte kämen im Sommer häufiger zu Besuch, um die bis zu 2,5 Meter großen Laufvögel zu bewundern und im Hofladen einzukaufen. Caravan-Reisende seien anfangs eher die Ausnahme gewesen, bis im Vorjahr die Corona-Pandemie die eigene Heimat verstärkt in den Fokus des deutschen Reisevolks gerückt habe. „Wir dachten, das überrollt uns“, erinnert sich Monika Helfrich an den großen Zuspruch im Sommer 2020.

In Oberheimbach am Rhein in Rheinland-Pfalz gewährt Winzer Tobias Korn auf seinem Hof ebenfalls Caravan-Reisenden Platz zum Übernachten. „Zwei Stellplätze für kleinere Fahrzeuge haben wir auch direkt im Weinberg. Da wollen die Leute gar nicht wieder weg“, sagt Korn. Mit den Stellplatzangeboten würden Besucher auch in Orte gelockt, an denen Touristen üblicherweise vorbeifahren.

„Es sind vor allem Städter, die das Höfe-Hopping für sich entdecken oder einfach am Wochenende auf Entdeckungstour gehen“, sagt Ole Schnack von „Landvergnügen“.


     landvergnuegen.com 
     straussenfarm-riederfelde.de 
Weingut :   eisenbach-korn.de 
Alpakafarm:   gut-boesenburg.de 
     alpacacamping.de 

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