LYON - „Bitte im Auto anschnallen“, fordert uns Reiseführer François auf, der in Chalon sur Saône am blumengeschmückten Kai bereits auf uns wartet, als die „A-Rosa Luna“ anlegt. Die Stadt, von der aus wir das südliche Burgund entdecken wollen, liegt an der Mündung des Canal du Centre, der die Saône mit der Loire verbindet. Sie ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und Binnenhafen – nicht zuletzt auch wegen ihrer Lage im Zentrum des berühmten burgundischen Weinbaus.
Es ist 8.30 Uhr, der Himmel strahlend blau und die Temperatur beträgt drei Grad über Null. Die Fahrzeuge, mit denen es ins Weinland geht, sind „Willys-Hotchkiss“- Jeeps: von den Franzosen für den Algerien-Krieg (1958–62) gebaut, von François und seinen Freunden liebevoll restauriert – und nach allen Seiten offen. . .
Über schmale Landstraßen und holprige Wirtschaftswege führt die Route durch Sonnenblumenfelder, vorbei an idyllischen Bruchsteinmauern und scheinbar endlosen Weinbergen, wo gerade die Lese begonnen hat.
Hochherrschaftliche Chateaus wechseln sich ab mit kleinen oder größeren Winzerhäusern. Eines ist ihnen aber allen gemein: die Steine, aus denen sie gebaut sind, spiegeln den Boden wider, auf denen der Wein wächst. Oft sehen die Häuser im Nachbarort schon ganz anders aus, und damit kann auch der Wein ganz andere Nuancen haben.
Die Spitzenburgunder (Grand Cru) sind rare Gewächse. Klangvolle Namen und zum Teil exorbitante Preise sind aber nicht immer ein Garant für Qualität. Wer sich nicht wirklich auskennt, ist manchmal mit dem oft hervorragenden Hauswein, den der Gastwirt stolz anbietet, besser bedient.
70 Prozent der Häuser in Beaune sind unterkellert. Jedes Fleckchen wird genutzt. Das mittelalterliche Städtchen hat sowohl innerhalb der Stadtmauern als auch außerhalb viel zu bieten. Ein geschätzter Rotwein kommt aus dem Chateau de Savigny les Beaune. Das Schloss aus dem 14. Jahrhundert beherbergt aber auch mehrere Museen mit Rennwagen, Motorrädern, Jagdflugzeugen und Weintraktoren.
Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich einen Besuch von Dijon, der Hauptstadt der Bourgogne. Die Metropole, die für den Film „Cyrano de Bergerac“ mit Gerard Depardieu als Drehort diente. Die gotischen Kirchen Nôtre-Dame und die Kathedrale Saint-Benigne, der Palast der Herzöge sowie das Hotel de Vogue (ein ehemaliges Politikerhaus) und die jahrhundertealten Fachwerkhäuser beeindrucken durch ihre kunstvolle Architektur und Geschichte. Vor allem Senf und Cassis sind berühmte Botschafter der Stadt. Ein Bürgermeister soll den Kir (Weißwein mit schwarzen Johannisbeerlikör) erfunden haben.
Mit einem Glas prickelndem Kir Royal auf dem Sonnendeck des Schiffes geht die Reise weiter nach Mâcon – dem „Tor zum Beaujolais“. Wer sich von den Anstrengungen des Tages (Jeeptour, Radfahren oder Nordic-Walking) erholen möchte, kann das in der großzügigen Spa-Landschaft mit Blick durch die Panoramafenster der Sauna auf das vorbeigleitende Ufer tun.
Der schon fast mediterrane Charakter Mâcons wird von einem wahren Blumenmeer unterstrichen. Bereits im frühen Mittelalter legten Mönche des nahen Klosters Cluny im Umland die ersten Weinberge an. Die berühmtesten Rebsorten der Region sind heute Gamay, Pinot Noir und Chardonnay. Im Le Hameau en Beaujolais, einem multimedialen Informationszentrum in Romanèche-Thorins, erfährt der Besucher ausführlich alles über den Weinbau und seine Geschichte.
Westlich der Stadt liegt das Charolais, das der hochbegehrten Rinderrasse ihren Namen gab. Ganz in der Nähe wächst das berühmte Bresse-Geflügel auf, ein echtes Wahrzeichen der Gastronomie. Auf der Speisekarte von Lyons berühmtem Sohn, Drei-Sterne-Koch Paul Bocuse (82), darf beides nicht fehlen. Während der Fahrt Richtung Süden sieht man einen von sieben Gourmet-Tempeln des Meisters – „L’Abbaye de Collonges“ – rechterhand am Flussufer liegen, kurz bevor die „A-Rosa Luna“ die wunderschöne Altstadt Lyons mit ihren zum Teil atemberaubend niedrigen Brückendurchfahrten passiert. Von dort wird sie am nächsten Tag ihre Fahrt auf der Rhône in Richtung Arles fortsetzen.
