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NWZonline.de Ratgeber Reise

Reisebuchungen: Macht Trump die USA zur No-go-Area?

24.06.2016

New Orleans Die USA galten lange als Shoppingparadies. Wegen des günstigen Wechselkurses war Kleidung meist deutlich günstiger als in Deutschland zu bekommen. Nicht selten mussten Reisende darauf achten, die Grenze der zollfrei einzuführenden Waren bei der Rückreise nicht zu überschreiten. Für viele ist es damit vorbei: Der Dollar ist so stark wie lange nicht mehr. Und das hat auch Einfluss auf USA-Reisen, berichten die deutschen Reiseveranstalter auf der Tourismusmesse IPW in New Orleans.

„Es ist einfach nicht mehr dieser Shopping-Urlaub“, sagt zum Beispiel Jörn Krausser von Dertour über die USA-Reise. Und auch in den Diners und Restaurants zwischen New York und Los Angeles sitzt das Geld der Urlauber nicht mehr so locker: „Der starke Dollar macht sich vor allem bei den Ausgaben vor Ort bemerkbar.“

Die Reiseveranstalter beobachten außerdem, dass die Gäste im Vergleich zum vergangenen Jahr häufiger eine niedrigere Hotelkategorie wählen. Tui-Produktmanager Robin Brückner formuliert es so: „Die guten Drei-Sterne-Hotels profitieren am meisten.“

Tatsächlich war die Preissteigerung für USA-Urlaub deutlich. FTI nennt ein Plus von 10 bis 15 Prozent. Dertour gibt 15 bis 18 Prozent an. Auch bei Tui sind die Preise gestiegen. Doch die meisten Veranstalter rechnen auch dieses Jahr mit einem Besucherplus. Denn der Preisschock war zwar erst einmal hart, doch von USA-Reisen lassen sich die Deutschen nicht abhalten. „Mittlerweile haben sich die Leute an die Preise gewöhnt“, sagt Fabio Negro, bei FTI verantwortlich für Nordamerika.

Das ist umso erstaunlicher, weil 2015 bereits ein extrem starkes Jahr war. Tui ist in den USA nach Angaben Brückners um mehr als 50 Prozent gewachsen. Dertour-Manager Krausser spricht von einem „super USA-Jahr“. Das gleiche berichtet FTI. Die hochoffiziellen Besucherzahlen, die jetzt auf dem IPW vorgestellt wurden, zeigen es: Im Jahr 2015 kamen 2,27 Millionen Deutsche in die USA, ein sattes Plus von zehn Prozent - und neuer Rekord.

An der Art und Weise, wie die Deutschen in den Staaten reisen, hat sich wenig verändert. Zwischen 10 und 20 Prozent aller Reisen entfallen bei den großen Veranstaltern auf die klassische Busrundreise. „Der Trend ist seit Jahren stabil“, sagt Tui-Mann Brückner. Vor allem die sogenannten Best Ager, die Sicherheit wollen und vielleicht kein gutes Englisch sprechen, schätzen die Reise in der Gruppe mit einem deutschsprachigen Reiseleiter.

Im großen Segment der Mietwagen-Rundreisen - ob mit fester Route oder nicht - gibt es einen großen Trend, der sich diese Saison fortsetzt: Es wird zunehmend individueller. „Die Reisen werden immer baukastenartiger“, so Robin Brückner. Und Jörn Krausser sagt: „Nordamerika ist bei uns das individuellste Produkt überhaupt.“ Diese Entwicklung ist auch davon getrieben, dass gerade jüngere Menschen vor der Buchung schon viel im Netz selbst recherchieren und dann mit sehr individuellen Vorstellungen ins Reisebüro kommen.

Unter den Reisezielen sind vor allem die Klassiker beliebt: New York, Florida, Kalifornien. Daneben gibt es die Ziele der zweiten Reihe, die oft von den Flugverbindungen getrieben sind. Tui nennt etwa Texas, das von den Direktflügen der Lufthansa profitiert, und den Nordwesten. Diese Region hebt auch Dertour hervor: „In Seattle zum Beispiel haben jetzt alle Vermieter eine Camper-Station, die ganze Infrastruktur entwickelt sich dort deutlich. Dann läuft so eine Destination“, sagt Krausser. Auch beim Amerika-Spezialisten America Unlimited wächst der Nordwesten seit Jahren.

Der starke Dollar ist gerade verdaut, da drohen den Veranstaltern bereits neue Gewitterwolken am Horizont: ein möglicher US-Präsident Donald Trump. Wird es einen negativen Trump-Effekt geben? „Die Frage bewegt einen natürlich“, gibt Brückner zu. Auf der anderen Seite sei es bisher immer egal gewesen, welcher Präsident an der Macht war: „Wir glauben nicht an signifikante Änderungen des Reiseverhaltens.“ Jörn Krausser glaubt auch nicht daran. Das ist natürlich auch etwas Zweckoptimismus, die Veranstalter wollen weiter Reisen verkaufen.

Manche äußern Bedenken nur, ohne namentlich genannt werden zu wollen. Der Vertreter eines großen deutschen Veranstalters sagt: „Ich glaube, es wird einen negativen Effekt haben.“ Der Touristiker verweist zum Beispiel auf die große Gruppe homosexueller Reisender, die sich von Trumps Rhetorik abgeschreckt fühlen könnte. Ganz abgesehen von Muslimen, denen Trump die Einreise in die USA ganz verwehren will.

Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag von Holidaycheck untermauert die Befürchtungen: Knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland (49 Prozent) sagt, dass ihre persönliche Bereitschaft in die USA zu reisen bei einem Präsidenten Trump sinken werde. Jeweils 63 Prozent äußerten Befürchtungen, dass sich die Einreisebedingungen verschärfen und dass sich die moralischen Werte negativ entwickeln könnten.

Was würde unter Trump aus dem Visa Waiver Programm, das auch Deutschen via Esta-Verfahren eine visumfreie Einreise in die USA ermöglicht? Werden die Sicherheitskontrollen für Besucher noch einmal drastisch erhöht? „Amerika ist keine Festung und sollte auch keine sein“, sagt der Geschäftsführer der U.S. Travel Association, Roger Dow. Ein indirektes, aber durchaus unmissverständliches Statement von einem der Top-Vertreter der US-Reiseindustrie.

Deutsche Urlauber sind im Vergleich zu anderen Nationen allerdings eher weniger politisiert. Für sie zählt vor allem die Sicherheit. Und die USA gelten als sicher. Und so könnte der USA-Urlaub wohl auch Donald Trump verdauen - sofern dieser wirklich der mächtigste Mann der Welt werden sollte.

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