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NWZonline.de Ratgeber Reise

Mit Frau Doktor im Weinkeller

28.01.2017

Leon Ein Hotel im nordspanischen Leon, 3. Stock, Zimmer 317: Dr. Elisabeth Drerup misst meinen Blutdruck. Er ist ein bisschen zu hoch, wenn auch nicht dramatisch – die Ärztin empfiehlt bei nächster Gelegenheit den Besuch des Hausarztes. In ihren Medikamentenkoffer braucht sie nicht zu greifen. Für den Fall der Fälle hätte sie sogar eine Liste mit Telefonnummern von Krankenhäusern dabei.

Elementare Tipps

Drerup begleitet eine Rundreise durch den Norden der Iberischen Halbinsel. Sie ist eine von rund 400 Ärzten, die der Marktführer Tour Vital unter Vertrag hat. Acht- oder neunmal war die Allgemeinmedizinerin aus Münster bereits mit Tour Vital unterwegs. Die Höhenkrankheit in Ecuador, das vergessene Insulin auf den Galapagos-Inseln, der Biss eines tollwütigen Erdhörnchens in Indien, die ganzen Magen-Darm-Geschichten – Elisabeth Drerup könnte viel erzählen. Aber das ist nicht ihre Art.

Ganz am Anfang, auf der Busfahrt zum Hotel in Madrid, versorgt sie uns mit elementaren Tipps: Ganz viel trinken! Eincremen! Kopfbedeckung tragen! Richtige Gefahren drohen auf dieser Reise nicht, weder Montezumas Rache noch ein Höhenkoller. Das größte Risiko: ein Kater nach erhöhtem Alkoholkonsum. Oder man stößt sich den Kopf im Weinkeller. Immerhin durchqueren wir mehrere bekannte Weinanbaugebiete. Vor der Reise hatte ich Bekannten erzählt, ich würde, begleitet von einer Ärztin, durch die Bodegas ziehen. Ein Scherz. Aber mit einem Quäntchen Wahrheit.

Dass ein Bier an der Theke des „Museo del Jambon“ nur 50 Cent kostet, registriert die Reisegesellschaft tatsächlich mit erhöhter Aufmerksamkeit. Was sich nach Kulturstätte anhört, ist eine Art spanischer Pub. Oder besser: eine Kette von Pubs. Schinken gibt es dort übrigens auch. Der Tipp kommt von Sabine Bossaers, unserer Reiseleiterin mit niederländischen Wurzeln. Was man sonst noch in der spanischen Hauptstadt unbedingt gesehen haben sollte, lernen wir bei einer Busfahrt kennen, darunter die Stierkampfarena und das Bernabéu-Stadion.

Gregorianische Gesänge

Von Madrid geht es in den Norden, ins historische Kastilien, dann auf dem Jakobsweg westwärts und ab Santiago de Compostela wieder gen Süden, bis Lissabon. Das heißt zugleich: Weltkulturerbe wie an einer Perlenkette. Zum Beispiel die Altstadt von Segovia mit ihrem römischen Aquädukt. Oder das Kloster in Santo Domingo de Silos, bekannt wegen seines romanischen Kreuzganges, aber wohl mehr noch wegen einer CD mit gregorianischen Gesängen, mit denen die Mönche vor Jahren die Charts stürmten. Oder die Kathedralen in Burgos und Leon. Beide liegen am Jakobsweg, die Muscheln im Straßenpflaster und am Rucksack vieler Wanderer verraten es.

Die Ärztin ist stets in unserer Nähe. Und sie hat immer einen Rucksack dabei, mit Verbandsmaterial und Notfallmedikamenten. Mal plagen Ischias oder Arthrose, dann wieder wird eine Mitreisende von einer Wespe gestochen. Mehr aber nicht. Eine entspannte Reise, für alle.

Santiago de Compostela – wie soll man diesen Ort nur fassen? Allein die Kathedrale, „die einzige der Welt, die jeden Tag voll ist“, sagt Reiseleiterin Sabine, Ziel von über 200 000 Pilgern pro Jahr. Also sichern wir uns rechtzeitig einen Sitzplatz. Nur der berühmte Weihrauchkessel schwingt nicht, leider. Vielleicht, weil keine Japaner da sind, die das Spektakel bezahlen. Dann – und an hohen Feiertagen – bringen acht kräftige Männer das 53 Kilo schwere Gefäß so richtig in Schwung.

Und weil auch Portugal jede Menge Welterbe aufzuweisen hat, haben wir nach dem Besuch von Porto, Coimbra und Lissabon das Dutzend voll. Die letzte von der Unesco geadelte Station ist das Hieronymus-Kloster in der portugiesischen Hauptstadt.

Ach ja, die Bodegas. Die haben wir natürlich auch besichtigt. Zum Beispiel in Aranda de Duero, seit Jahrhunderten das Zentrum einer Weinbauregion. Oder in Leon: Dort tobt das schiere Leben im langen Schatten der Kathedrale, im „feuchten Viertel“. Und auch in Porto hätten wir noch einmal so richtig zuschlagen können, im Keller eines Portwein-Produzenten. Aber wir bleiben standhaft und nippen nur mal kurz an den Proben. Ist ohnehin nicht gut, dieser Alkohol, bei leicht erhöhtem Blutdruck.

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