MüNCHEN - Der Direktor des Tierparks Hellabrunn in München arbeitet derzeit an einem besonderen Projekt: Er züchtet ein Schwein. Es ist kein rosa Hausschwein, sondern eines mit dem Namen „Borstelchen“. Schlanker Körper, dunkle Pigmentierung, breite Schnauze: Das Tier soll so aussehen wie seine Vorfahren vor gut acht Jahrhunderten. Denn „Borstelchen“ ist ein Geschenk an die Stadt München, die 2008 ihr 850-jähriges Bestehen feiert.
Ein großes Fest soll es werden – so groß, wie es München noch nicht gesehen hat. Und auch Touristen sollen voll auf ihre Kosten kommen, wenn sich Bayerns Hauptstadt vor allem im Sommer in eine große Partyzone verwandelt.
Die Stadt richtet im Juni, Juli und August zentrale Feste aus für ihre rund 1,3 Millionen Einwohner und die zahlreichen Gäste. In Planung ist einiges – neben dem „Borstelchen“ zum Beispiel eine eigene Komposition für den Stadtgeburtstag, an der die Musikerin Victoria Borisova-Ollas arbeitet. Auch der Freistaat Bayern macht ein Geschenk: die Renovierung des Cuvilliés-Theaters in der Residenz. Das frühere Hoftheater, 1751 von Kurfürst Maximilian in Auftrag gegeben, gilt als eines der bedeutendsten Rokoko-Werke nördlich der Alpen. Eröffnet wurde es mit der Uraufführung von Mozarts „Idomeneo“ – und mit diesem Stück wird das Theater auch wiedereröffnet werden.
Doch nicht nur in der Residenz wird renoviert – in ganz München können Touristen derzeit viele Baugerüste sehen. Die bayerische Metropole putzt sich heraus. Gefeiert wird der Stadtgeburtstag zwar jedes Jahr – doch 2008 soll die Party größer und ausführlicher sein.
Nicht nur am Wochenende um den 14. Juni herum soll die Innenstadt ein einziger Festplatz sein: „Wir feiern den ganzen Sommer über – bis kurz vor dem Oktoberfest“, sagt Tourismusmanagerin Else Gebauer.
Der 14. Juni ist ein wichtiger Tag in der Geschichte Münchens. An diesem Tag im Jahr 1158 verfügte Kaiser Barbarossa den „Augsburger Schied“ – damit gilt der Tag als Stadtgründungsdatum. Barbarossa musste im Streit zwischen Heinrich dem Löwen und dem Freisinger Bischof Otto entscheiden. Heinrich, Herzog von Sachsen und Bayern aus dem Welfen-Geschlecht, hatte die Brücke über die Isar zwischen den heutigen Stadtteilen Ober- und Unterföhring zerstören lassen. Darüber lief der Salzhandel – im 12. Jahrhundert eines der einträglichsten Geschäfte, mit dem der Bischof viel Geld verdiente.
Heinrich ließ eine neue Brücke errichten, und zwar dort, wo im damals reißenden Fluss eine Insel war – heute steht hier das Deutsche Museum. Die Salzhändler mussten fortan die Route über des Herzogs Brücke nehmen, um die Isar zu queren und an ihn die Zölle bezahlen – der Bischof ging leer aus. Barbarossas Urteil im Streit schließlich fiel zugunsten Heinrichs aus: Das Markt- und Münzrecht fiel an München, ein Drittel der Einnahmen aber musste der Herzog dem Bischof abgeben.
Heinrich fiel bald nach der Stadtgründung in Ungnade, 1180 ging München an die Wittelsbacher und blieb bis 1918 in den Händen des Adelsgeschlechts.
Informationen: Tourismusamt München, Sendlingerstraße 1, 80331 München, 089/23 33 01 45
www.muenchen-tourist.de, www.muenchen850.de
