NASHVILLE - In Nashville hat so mancher Star schon seine Karriere gestartet. Ein Museum erinnert daran.

Von Tina Eck

NASHVILLE - In der Grand Ole Opry in Nashville geht dreimal in der Woche eine große Country-Show über die Bühne. Die 4400 Sitzplätze in der holzverkleideten Konzerthalle vor den Toren der Stadt sind in der Regel ausverkauft. Country-Fans klatschen und schunkeln zur amerikanischen „Volksmusik“ ihrer Helden mit Cowboyhut.

„In meinem Alter ist das Bücken etwas schwierig“, lacht Little Jimmy Dickins heiser, dann räuspert er sich und geht vorsichtig in die Knie, um nach den ausgestreckten Händen seiner weiblichen Fans vor der Bühne zu greifen. Der 86-jährige, winzige Countrysänger aus West Virginia trägt seine 1,25 Meter auch nach 58 Jahren im Geschäft noch stolz zur Schau. „Man merkt, dass man alt wird, wenn der Herzschrittmacher beim Anblick einer Bikini-Schönheit beschleunigt und das Garagentor öffnet.“

Dickens ist eine von vielen Attraktionen der Country-Show, die jeden Dienstag, Freitag und Sonnabend die Opry-Konzerthalle füllt und vom Radiosender WMS seit 81 Jahren live übertragen wird. Die amerikanischen Volksmusikanten geben sich das Mikrofon in die Hand und sagen sich gegenseitig mit blumigen Worten an.

„Diese älteste Live-Radio-Show hat Nashville erst zum Country Mekka gemacht“, erklärt der Vizepräsident und Manager der Opry, Pete Fisher. Die Shows laufen auch online und im Fernsehen.

Musiker mit Star-Potenzial werden eingeladen, in der Opry aufzutreten. „Wir kriegen Tipps aus der Branche“, sagt Fisher. Und das hat für so manchen schon den Startschuss zu einer großen Karriere bedeutet: Elvis Presley, Dolly Parton und Garth Brooks zum Beispiel.

Die Geschichten dahinter erzählt das Museum der „Country-Music Hall of Fame“ in Nashville: Die Country-Musik hatte ihre Anfänge im Liedgut der frühen Kolonisten aus England, Irland und Schottland. In den abgelegenen Bergsiedlungen der südlichen Appalachen wurde im 19. Jahrhundert zur familiären Unterhaltung musiziert, mit Geige und Waschbrett, später Banjo, Gitarren und Mandolinen. In den 20er-Jahren entstand der „Hillbilly“, in den 30ern der „Honky Tonk“, und um 1940 entwickelte sich der „Bluegrass“.

Aber von der Theorie zur Praxis: In Nashville muss man die Lautstärke einer „Honky Tonk“-Spelunke erlebt haben. „Tootsie’s“, „Woofy’s“, „Rippy’s“, „The Stage“ und „Robert’s Western World“ sind an Nashvilles „Broadway“ Tür an Tür aufgereiht.

Ältere Paare drehen vor der Bühne schwungvolle Runden, vor dem Tresen herrscht Gedränge. Die Wände sind mit alten Cowboystiefeln, vergilbten Plakaten und Fotos der gesamten Country Aera gepflastert.

Die heutigen Honky-Tonk-Bars haben ihren Ursprung in den raubeinigen Kneipen der texanischen Ölfelder der 30er-Jahre. Zarte Gemüter kommen eher mit dem „Bluegrass“ auf ihre Kosten, und auch davon gibt es in den vielen Musikclubs und Plattenläden von Nashville. Jeden Mittag um Punkt Zwölf spielt im Café und Visitor’s Center „Vision Plaza“ im rund 300 Kilometer östlich gelegenen Knoxville die Musik. Es ist eine traditionsreiche Little Opry, denn die Bluegrass-Konzerte werden vom Sender WDVX, der sein Studio „backstage“ hinter Glas betreibt, übertragen.

„In Deutschland kriegt man ja gar nicht richtig mit, was diese amerikanische Volksmusik-Musik überhaupt bedeutet“, staunt ein deutscher Besucher.

Dann entdeckt er in der „Country Music Hall of Fame“ seinen Liebling aus der Grand Ole Opry. Überlebensgroß erstrahlt da „Little Jimmy Dickens“ auf einem Poster. „Ist das nicht der Zwerg, den wir gestern in der Opry beklatscht haben?“