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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Nach der Erntearbeit wird gefeiert

16.09.2017

Neustadt Mit Kanistern in der Hand stehen die Besucher Schlange für den neuen Wein. Aus dem Zapfhahn fließt er literweise in die Plastikbehälter, wahlweise weiß oder rot. Das Fest der Genossenschaft Weinbiet in Neustadt-Mußbach läutet Ende August den Herbst in der Pfalz ein. Es ist der Auftakt zu einer Genuss-Saison mit neuem Wein, Kastanien und Pilzen. Die Weinbieter Winzer sind nicht nur die ersten, sie feiern auch am längsten. Von Ende August bis Anfang November fließt in dem Vorort von Neustadt der neue Jahrgang in Strömen, so ist es seit mehr als 40 Jahren.

Lese per Hand

Die Dorfbewohnerin Manuella Wiedemann-Drouy wartet mit ihren Kanistern auf die Abfüllung. Der frisch gegärte Traubensaft hat eine leicht herbe Note, milchig-trübes Aussehen in beiden Rebfarben. Darum heißt er auch Federweißer. Im Hof der Genossenschaft laden Tische zum geselligen Sitzen ein. Eine Musikkapelle spielt. „Am besten Freunde einladen und eine Vesper mitbringen“, rät Wiedemann-Drouy.

Zwei Vororte weiter hängen die Reben noch voller Trauben. Es sind die Weinstöcke von Sabine Ohler-Jost, die das Familienweingut in fünfter Generation führt. Die 52-Jährige bewirtschaftet 8,4 Hektar. Gerade läuft die Weinlese im Gimmeldinger Mandelgarten. Der Premium-Riesling ist an der Reihe. Gelesen wird mit der Hand. „Ich möchte qualitativ hochwertigen Wein machen“, betont die Traditionswinzerin. Dafür müsse sie gezielt selektieren können.

Der Herbst ist eine intensive Zeit in der Pfalz. Morgens um sieben beginnt der Tag, Schluss ist manchmal erst um Mitternacht. „In der Erntezeit, da kommt’s drauf an. Sonst kann man noch viel verspielen“, erklärt Ohler-Jost. Die Schere in der Hand, steht sie im Wingert, wie die Weinberge in der Pfalz heißen. Trauben greifen, faule Stellen entfernen, abschneiden und in den Eimer werfen. Stück für Stück arbeiten sich die Erntehelfer die Rebzeilen entlang. Im Weinkeller müssen derweil die Fässer geleert und abgefüllt werden, um Platz zu schaffen für den neuen Jahrgang.

Die Lese per Hand leisten sich nur wenige. Viele Winzer ernten mit sogenannten Vollerntern, die die Trauben abrütteln, erklärt Kirsten Neumann, Kultur- und Weinbotschafterin, bei einer Weinwanderung durch die Spitzenlagen rund um Mußbach und Gimmeldingen. Das leichte Dröhnen der Maschinen liegt wochenlang in der Luft.

Die Genossenschaft Neubiet hat die Weinwanderungen im Programm, einen dreistündigen Spaziergang inklusive Pause mit Weinprobe, Brezeln und Saumagen-Brötchen. Neumann läuft mit der Gruppe vorbei an Riesling- und Burgunder-Reben, verrät Wissenswertes zu den Lagen. Warum dieser Weinberg Meerspinne heißt? Neumann präsentiert folgende Ableitung: Für den schlammigen Moorboden brauchten die Winzer früher mehr Pferde-Gespanne als anderswo.

Proben aus dem Fass

Auch im Naturpark Pfälzerwald ist im Herbst Erntezeit. Täublinge, Steinpilze, Krause Glucke, Maronen – wer sich auskennt, hat sein Körbchen in guten Jahren schnell gefüllt, weiß Manfred Schneider, Pilz-Experte aus Edenkoben. Der ehemalige Dresdner nimmt Besucher mit zu einem Sammelspaziergang. Der Weg durch den lichten Wald führt hinab zum Friedensdenkmal. Nur Pilze entdeckt Manfred Schneider trotz Kennerblick nicht: „Der Sommer war zu trocken.“ Mit leeren Händen kommt er trotzdem nicht aus dem Wald. Schneider bückt sich und hebt ein paar Esskastanien auf. Überall purzeln sie jetzt von den Bäumen. Und natürlich geben die Pfälzer auch ihnen zu Ehren ein Fest.

Geröstet, als Brot, Wurst oder Likör – die Auswahl beim Keschde-Fest am Fuße von Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben ist immens. Von oben tröpfelt der Regen, doch das stört die feierfreudigen Pfälzer nicht. Unter den Kronen der Edelkastanienbäume lässt sich auch dieses Herbstwetter ertragen.

Für die unzähligen Weinfeste gibt es sogar eine eigene Handy-App. Alle Termine auf einen Blick. Meist feiern mehrere Dörfer zeitgleich. In Pleisweiler-Oberhofen herrschen am Wochenende zwei Tage Ausnahmezustand. Dem Rebensaft huldigt auch Neustadt an der Weinstraße mit dem Deutschen Weinlesefest (22. September bis 9. Oktober). Höhepunkt: der große Winzerfest-Umzug am ersten Oktober-Wochenende.

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